Die Gestaltung des Politischen

Da der Mensch entweder gemeinschaftlich exisitiert oder eben nicht, bedarf er Gemeinschaft, um seine individuelle Existenz zu sichern. Und die Sphäre, in der diese Gemeinschaften sich bewegen und ihren Herausforderungen begegnen, ist „das Politische“. Politische Gemeinschaften sind existenzsichernde Zweckgemeinschaften in der Sphäre des Politischen.

Die Sphäre des Politischen stellt immer existentielle Herausforderungen an Menschen. Die Sphäre des Politischen ist die Welt des Menschen, die Welt, in der andere Menschen dem Einzelnen bedrohlich werden können. Um solcher existentiellen Herausforderung zu begegnen, findet sich der Mensch in Gemeinschaften zusammen, die in der Lage sind, genau jener augenblicklichen existentiellen Herausforderung an den Menschen zu begegnen und damit die Existenz des Menschen zum konkreten Zeitpunkt zu sichern. „Politische“ Gemeinschaften sind Antworten der Existenzsicherung.

Antworten auf Herausforderungen in der Sphäre des Politischen können allein von den Konstanten der Herausforderung selbst bestimmt sein. Zwecks Selbstbehauptung im Politischen sind also nur verbindliche Antworten gültig – Antworten, die definitive Entscheidungen beinhalten. „Gestaltung des Politischen“ kann daher im eigentlichen Sinne nur bedeuten, wie eine politisch adäquate Antwort jeweils gegeben werden kann.

Wenn Gemeinschaften sich erfolgreich in der Sphäre des Politischen bewegen wollen – das heißt „Subjekt“, und nicht „Objekt“ der Politik sein wollen –, müssen sie sich den Herausforderungen im Politischen lagebezogen stellen und ihre Form und ihre Bedingungen konsequent immer wieder neuen Lageherausforderungen anpassen. Dann ist auch eine weitgehend konstant bleibende Gemeinschaft in der Lage, ihre Politikfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Die Unmöglichkeit, zwecks Politikfähigkeit einer Norm, einer Ideologie oder einem Plan zu frönen, bedeutet, daß eine politische Gemeinschaft, um ihre Politikfähigkeit aufrechtzuerhalten, schnellstmöglich von solchen Gedankenspielen Abschied nehmen muß. Dies ist eine Hauptbedingung der „Gestaltung des Politischen“. Darunter fallen ganz besonders auch tatsächliche oder vorgebliche Moralwerte – zumal wenn sie in Verbindung mit der politischen Organisationsform einer Gemeinschaft gebraucht werden. Die Organisationsform einer politischen Gemeinschaft muß sich allein anhand von Zweckmäßigkeitserwägungen nach der politischen Lage richten. Abstrakte Wertvorgaben vermögen hingegen keine Normen für den Existenzerhalt einer politischen Gemeinschaft zu setzen.

Mit dem vorläufigen Zusammenbrechen der Bipolarität in der Welt seit 1945 entstand plötzlich die Schreckvision eines potentiell ungeheuer dynamischen Europas, das dementsprechend rasch kujoniert wurde. Die Lageblindheit der derzeitigen europäischen politischen Eliten ist somit die erste und im Moment weitaus akuteste politische Herausforderung für alle europäischen Völker. Eine zweite, in ihrer Brisanz zunehmende Herausforderung ist die Auflösung der so ungefestigten Identität der Europäer durch invasionsartige Zuströmungen von Nicht-Europäern und Nicht-Christen.

Somit stellen sich die akuten politischen Herausforderungen an die Existenz der Deutschen nicht unmittelbar an die Deutschen, sondern an alle Europäer in ihrer kulturellen und ortskonkreten Einheit. Um diesen zu begegnen, ist ein einheitliches politisches Bewußtsein dieser gemeinsam in ihrer Existenz bedrohten Völker nötig, ein Bewußtsein, das Interessengleichheit aus gleicher politischer Herausforderung erkennt. Es bedarf eines Rekurses auf gemeinsame Wertvorstellungen, Existenzerfahrungen und dem daraus folgenden Behauptungswillen, um so rasch wie möglich über den bisher alleinigen monetären Aspekt hinaus eine tatsächliche „politische“ Identität als Europäer zu erlangen.

Darin offenbart sich der „Gestaltwandel des Politischen“. Die politische existentielle Herausforderung stellt sich von außen gemeinsam an alle europäischen Völker. Das Subjekt der deutschen Selbstbehauptung auf der politischen Bühne ist also längst schon ein anderes, ein europäisches geworden, dessen Determinanten territoriale und vor allem kulturelle Homogenität sind.

Autor: Markus Klein
Titel: Die Gestaltung des Politischen
Zusammenfassung aus: Scholien aus San Casciano Nr. 5
„Scholien aus San Casciano“ – ISSN 2199-3548 – ID 2016083
URL: https://scholien.wordpress.com/2016/02/21/2016083/
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s