Ivo Andrić (1892 – 1975)

Ivo Andrić 1922 © A. Ruzdugan

Ivo Andrić 1922 © A. Ruzdugan

Der Orient ist das größte Wunder und das größte Grauen, denn hier ist die Grenze zwischen Tod und Leben nicht deutlich gezogen, sondern sie schwankt und fließt.
Ivo Andrić1

Die Politik der Europäischen Gemeinschaft gegenüber dem auseinanderfallenden Jugoslawien war ein Offenbarungseid. Es offenbarte sich darin die Aversion der westeuropäischen Intellektuellen und der politischen Klassen gegen die verstärkte Tendenz zur Bildung von Nationalstaaten, welche hauptsächlich naiv-ideologischen Vorbehalten entspringt und schon angesichts der Vereinigung der BRD mit der DDR manifest wurde. Verkrampft krallen sie sich in die Gräben der status-quo-Front fest. Nachdem der erste –der von Jalta und Potsdam – überraschend schnell fiel, sollte nun der zweite – der der Pariser Vorortverträge – um jeden Preis gehalten werden. Geistig beruht diese Einstellung auf dem utopischen Irrglauben, daß der Bankrott des östlichen Konkurrenten zugleich die Bestätigung des „Westens“ und seiner Geschichtsphilosophie bedeute.

Die daraus zwingend folgende Unfähigkeit zur (ja, das völlige Unverständnis gegenüber der) Realpolitik zeigte sich nirgends deutlicher als in den irrealen Bestrebungen zum Erhalt des jugoslawischen Staatsgebildes, das durch die Westmächte zum Zweck der Eindämmung deutscher Einflußsphären in Mitteleuropa gegründet worden war. Seit jeher ist von kundiger Seite darauf hingewiesen worden, daß dieses Staatskonstrukt seine Existenz oder Nichtexistenz in einer nachideologischen Räsonsituation nicht irgendwelchen Status-quo-Wollungen verdanken würde, sondern allein der Bereitschaft der darin zusammengefaßten Völker zum gemeinsamen oder eben nicht gemeinsamen Dasein.3 Eben dieser Bereitschaft aber ermangelt es heute im südslawischen Raum so vollständig, daß ein Blick auf die Struktur dieses „sinnlosen Durcheinanders“ angebracht erscheint.

„Die sprachlich-kulturelle Struktur Südosteuropas ist in ihrer besonderen Eigenart, ihrer mosaikartigen Buntheit gegeben durch folgende raumpolitisch-geschichtliche Voraussetzungen: Der Lebensraum der Völker des benachbarten Südostens ist die eurasische Brücke, der Übergangsgürtel zwischen Europa und Asien, in dem Völker und Kulturen verschiedenster Art und Herkunft von Ost und West, Nord und Süd hereinflossen, sich in Kampf und friedlicher Arbeit trafen, durchdrangen, überschichteten und gebietsweise auch mischten. So erwuchs die besondere Dynamik des Lebensraumes dieser zahlenmäßig kleinen Völker an der ständig bewegten und umkämpften, im Interessen- und Machtbereich, damit im Einwirkungsund Herrschaftsbereich großer, mächtiger fremder Staaten und fortgeschrittenen Kulturen liegenden Brücke am Übergangsgürtel der östlichen byzantinisch-orientalischen und der westlichen romanisch-germanischen Kulturwelt, wo in Form von kulturellen Einzelinfektionen von außen her die Orient-Okzident-Spannungen und ihr Ausgleich als politische, zivilisatorische und kulturelle Lebenstatsache unmittelbar und dauerhaft in Erscheinung traten.“4 Durch diese Brücken-Funktion ist die Balkan-Halbinsel ungleich wichtiger für Europa als die am westlichen Rand liegende Pyrenäen-Halbinsel; nicht nur ihre Rolle als Durchgangsland machte und macht sie zum Zankapfel, sondern vor allem ihr einmaliges volkliches und religiöses Gemisch, dessen metaphysische Geographie sich allen rationalen Erklärungsversuchen verweigert.

Schon immer verlief quer durch den Balkan – genauer: entlang des bosnischen Flusses Drina – die Grenze zwischen Ost und West. Im Jahre 395 teilte der römische Kaiser Theodosius das Reich hier in eine West- und in eine Osthälfte, und hier verläuft die Grenze zwischen römisch-katholischen und griechisch-orthodoxen Christen noch heute. Hier lag seit 1463/82 bis 1878 die Westgrenze der osmanischen Herrschaft und seit 1878 die Ostgrenze der Habsburger Monarchie, bis daß 1918 das neugegründete Jugoslawien mit dem Anspruch auftrat, diese Ost-West-Grenze in sich aufzulösen. Wie wenig dies nach über siebzig Jahren gelungen ist, beweist die Gegenwart: „Jetzt ist die grüne, schäumende Drina wieder Grenze wie seit 395 nach Christus. Östlich der Drina: Serbien – orthodox, altkommunistisch, kaum demokratisch, Hegemonialmacht über Albaner, Montenegriner, Mazedonien Westlich der Drina: Slowenien, Kroatien – solide katholisch, solide antikommunistisch, wacklig demokratisch – und als Stein im Magen der Kroaten eine Menge Serben, teils in Kroatien selbst, teils in Bosnien, das zu ungleichen Dritteln katholisch, orthodox und islamisch ist.“5 Und Bosnien-Herzegowina, dieses Land inmitten Jugoslawiens, beinhaltet in sich allein beispielhaft und ungleich dramatischer als irgendwo sonst sämtliche jugoslawische Konfliktstoffe und fokusiert somit die Brisanz der
„jugoslawischen Zustände“: unter den rund 4,35 Millionen Einwohnern befinden sich 31,3 Prozent orthodoxe Serben, 18,5 Prozent römisch-katholische Kroaten, 43,7 Prozent Muslime, dazu Juden, Montenegriner, Slowenen, Albaner, Makedonier, Türken und Zigeuner, hier prallen radikaler serbischer und kroatischer Nationalismus aufeinander, rigoroser Katholizismus und fundamentaler Islam, überzeugtes Slawentum und um Anschluß suchende Mitteleuropäer. Hier verlaufen kreuz und quer alle nur denkbaren Frontstellungen, die sich zur Zeit einen gewaltsamen Ausbruch suchen.6

Einblick in Bosnien zu nehmen heißt also Einblick in die realen Gegebenheiten Jugoslawiens und seiner Gemengelagen zu nehmen. Dazu aber bedarf es nicht einmal so großer Mühen, denn diese Arbeit hat zeitlebens den bosnischen Literaturnobelpreisträger Ivo Andrić beschäftigt, der in diesem Jahr seinen einhundersten Geburtstag feiert. Immer wieder hat er versucht, in seinem Werk klarzumachen, wie anders diese Welt des Balkans im Vergleich zu der unseren ist: „Niemand weiß was es heißt, auf dieser Grenzscheide zweier Welten geboren zu werden und zu leben, die eine wie die andere Welt zu kennen und zu verstehen und doch nichts unternehmen zu können, daß sie sich verständen und einander näherkämen; was es heißt, die eine wie die andere zu lieben und zu hassen, so hin und her zu wanken und zu taumeln ein Leben lang, eine doppelte und doch keine Heimat zu haben, überall zu Hause zu sein und ewig ein Fremder zu bleiben, kurz: zu leben, an das Kreuz genagelt, Opfer und Folterknecht in einer Person.“7

Ivo Andrić wurde am 9. Oktober 1892 in Dolac bei Travnik in Bosnien als Sohn einer kroatisch römisch-katholischen Handwerkerfamilie geboren. Nach dem frühen Tuberkulose-Tod des Vaters kam er 1894 nach Vigegrad zu dessen Schwester, wo er bis 1902 heranwuchs, indes die Mutter in Sarajevo Stellung fand. Das Leben in dieser europäischen Grenzstadt an der Drina war hauptsächlich muslimisch und serbisch-orthodox geprägt, so daß Andrić schon in der Volksschule mit dem Konfliktstoff in unmittelbare Berührung kam, der ihn sein Leben lang beschäftigen sollte. Noch intensiver wurde diese Erfahrung, als er im Jahre 1902 zur Mutter nach Sarajevo zog und das dortige Humanistische Gymnasium besuchte.

Sarajevo war und ist das Wirtschafts- und das religiöse Zentrum und der Schmelztiegel aller Konfessionen in Bosnien, war zu Andrićs Zeit zudem österreichischer Verwaltungssitz und Keimzelle der nationalrevolutionären Bewegung „Mlada Bosna“ (Junges Bosnien), der sich Andrić rasch anschloß und die an dem Attentat gegen den österreichischen Thronfolger mitbeteiligt gewesen sein soll.8 Was ihn und seine Generation in dieser Zeit bewegte, hat er im nachhinein formuliert: „Jede menschliche Generation hat ihre Illusion über die Zivilisation, die einen glauben teilzuhaben an ihrem Aufflammen, die anderen, Zeugen ihres Erlöschens zu sein. In Wahrheit lodert sie und schwelt und erlischt, je nachdem, unter welchem Winkel wir sie betrachten. Diese Generation, die jetzt auf der Keapija unter den Sternen über dein Wasser philosophische, gesellschaftliche und politische Fragen diskutiert, war nur reicher an Illusionen, sonst aber in allem den anderen gleich. Auch sie hatte das Gefühl, die ersten Feuer einer neuen Zivilisation anzuzünden und die letzten Flammen einer anderen, die ausbrannte, zu löschen. Das Besondere, das man von ihr sagen kann, ist, daß es seit langem keine Generation gegeben hatte, die mehr und kühner phantasiert und vom Leben, von Genuß und der Freiheit geredet hatte und die dabei weniger vom Leben erhalten sollte, mehr Schiffbruch erlitt, versklavt wurde und zugrunde ging.“9

Als Andrić 1911 das Abitur ablegte, beherrschte er neben seiner Muttersprache noch Latein, Griechisch, Deutsch, Französisch, Slowenisch und Italienisch. Mittels eines Stipendiums einer Stiftung in Sarajevo immatrikulierte er 1912 an der Universität in Agram für Slawistik und Geschichte, 1913 an der Universität Wien und 1914 in Krakau. In Agram aktiver Sympathisant der Nationalrevolutionäre, in Wien mit der Lektüre von Kierkegaard beschäftigt, begann er in Krakau Gedichte und Berichte für Agramer Zeitschriften zu schreiben. Im Juni 1914 erschienen sechs dieser Gedichte in der Anthologie „Neue kroatische Lyrik“10 und machten Andrić in seiner Heimat sofort bekannt. Um diese Zeit hielt er sich in Split auf, wo er am 29. Juli von den österreichischen Behörden verhaftet wurde, da er einem der in das Attentat von Sarajevo verwickelten Attentäter Unterschlupf gewährte. Während der Haft brach sein ererbtes Lungenleiden aus, weshalb er am 20. März 1915 zur Behandlung nach Ovčarevo bei Travnik verbannt wurde. Hier knüpfte Andrić Kontakte zu den ansässigen Franziskanern, die in seinen späteren Chroniken eine so bedeutende Rolle spielen sollten, und hier schrieb er jene Prosa-Gedichtfolge auf der Suche nach sich selber, die im Spätsommer unter dem Titel „Ex ponto“ veröffentlicht werden sollte.11 Ende 1917 amnestiert begab er sich sofort nach Agram, wo er nach einem erneuten Klinikaufenthalt die Zeitschrift „Književni Jug“ gründete, deren erste Ausgabe am 1. Januar 1918 erschien. Neben Besprechungen und eigenen Gedichten publizierte Andrić in diesem Organ der „Literatur des Südens“ auch eigene Übersetzungen von Walt Whitman und Strindberg, hauptsächlich aber gestaltete er hier den geistigen Kampf um die eigene Nation; es war ihm unterdes schmerzlich bewußt geworden, wie wenig er selbst zum aktiven Kampf prädestiniert war.

Nachdem zwischenzeitlich am 1. Dezember 1918 das von ihm so ersehnte Königreich Jugoslawien ausgerufen worden war, trat Andrić, der nunmehr zu den profiliertesten jungen Dichtern des Landes gehörte, im Oktober 1919 als Sekretär in das Ministerium für Religionsangelegenheiten in Belgrad ein, von dem er im Februar 1920 in den diplomatischen Dienst übertrat. Sein diplomatisches Talent ermöglichte ihm eine rasante Karriere: zunächst in Rom, seit Oktober 1921 in Bukarest, ab November 1922 in Triest eingesetzt, wurde er schon im Januar 1923 zum Vizekonsul in Graz ernannt. Hier nahm er unverzüglich sein vor Jahren unterbrochenes Studium der Geschichte, der Slawistik und der Philosophie wieder auf und wurde im Juni 1924 promoviert mit einer Arbeit über „Die Entwicklung des geistigen Lebens in Bosnien unter der Einwirkung der türkischen Herrschaft“; hierin offenbaren sich schon die Wurzeln für seinen später zum Nobelpreis führenden schriftstellerischen Impetus, der ihn während all dieser Jahre gleichwohl schon erste Erzählungen schreiben lassen sollte, die sich nahtlos in die späteren Werke einfügen. Seit September 1924 tätig im Außenministerium in Belgrad, wurde er dort im Februar 1926 in die Königlich-Serbische Akademie aufgenommen, im Oktober als Vizekonsul nach Marseille geschickt, 1928 in gleicher Funktion nach Madrid, 1929 als Botschaftssekretär nach Brüssel, um am 1. Januar 1930 zum Sekretär der Ständigen Delegation des Königreiches Jugoslawien beim Völkerbund in Genf ernannt zu werden. Es war diese Zeit im Westen Europas für den Schriftsteller Andrić eine sehr fruchtbare, und sie diente ihm zu vielfältigen Studien: zum einen zu – in seinen Essays verarbeiteten – Reflexionen über die Kunst und den Künstler, der für ihn in erster Linie Botschafter der Wahrheit sein sollte, zum anderen aber, was ihn heute so aktuell macht, zum Studium des Westens und des Westlers und ihrer Verständnislosigkeit für die Metaphysik der europäischen Grenzscheide des Balkans. Im März 1933 zurückversetzt ins Außenministerium nach Belgrad, gleichzeitig aufgenommen in die dortige Ehrenlegion, 1935 ernannt zum Direktor der politischen Sektion des Außenministeriums, im November befördert zum Sekretär des jugoslawischen Außenministers, erreichte Andrić seinen beruflichen Höhepunkt am 1. April 1939 mit der Ernennung zum – damals wichtigsten – außerordentlichen Gesandten in Berlin. Und hier – nil admirari – ging er bei Carl Schmitt ein und aus!12

Mit seinem Wissen um die Geschichtsgebundenheit der menschlichen Existenz, seiner Vorliebe „für die ganze Erfassung der Wirklichkeit“, wie es Petar Dzadzig in seiner Analyse für das Nobelpreiskomitee beschreibt,13 seinen Gedankengängen um „die Welt der Menschenseele, ihr ewiges Gekreuzigtsein zwischen metaphysischem Drang und religiösen Nöten und den Gewalten des Instinkts und der Erde“,14 wo sollte er auch sonst verkehrt haben? Denn was seine Romane auszeichnen sollte, war eine Haltung, die der Oberschlesier Hans Lipinsky-Gottersdorf, der in Andrić den Geistesverwandten erkannt hat, folgendermaßen beschreibt: „Was immer Andrić´ Romance von der Grenze, nein, von jenseits der Grenzen abendländischen Geistes uns bedeuten mögen: als Zeugnisse eines in den Feuern und Blutbädern der Geschichte gehärteten, ungeheuerlich erscheinenden Selbstbewußtseins sind sie vorab auch Taten unbeugsamen Widerstandes – gegen jede Unterdrückung, sei es durch Gewalt oder Ideologie. Gegen jegliche Art Ideologie, auch also gegen jene dem Abendländer so freundwillig dünkende Haltung, die in dem von Ahnungslosigkeit geprägten Wort von einer künftighin zu treibenden ,Weltinnenpolitik` ihren liebenswert naiven Ausdruck findet.“15

Dieser Widerstand indes liegt in Andrić´ subjektiver Schilderung der Vergangenheit: „Das Vergangene ist für mich im Grunde das einzig Klare und einzig Eigene. Allein verflossene Schicksale und Ereignisse existieren wahrhaftig, weil sie ihre Dimension haben und nicht lügen oder etwas vortäuschen können; nur unser Urteil über sie kann sich ändern, sie selbst bleiben so, wie sie sind, treu und klar, unveränderlich und ewig, dem Tod und dem Vergehen geweiht und für immer und untrennbar mit dem Leben verbunden.“16

Vom 7. April bis zum 31. Mai 1941 wurde das Personal der jugoslawischen Botschaft und der Konsulate am Bodensee interniert, bevor es nach Belgrad ausgewiesen wurde. In Belgrad quittierte Ivo Andrić unmittelbar den diplomatischen Dienst und zog sich in völlige Abgeschiedenheit zurück. Nun – und dies nicht zufällig zu diesem Zeitpunkt – entstanden unter dem Bombenhagel eines erneuten Zusammenpralles verschiedenster Mächte auch auf dem Balkan die drei zusammengehörenden epischen Chroniken, um derentwillen Andrić unwiderruflich Eingang in die Weltliteratur gefunden hat, wenn auch seine Erzählungen unbedingt diesen Stoff ergänzen: „Die Brücke über die Drina“, „Das Fräulein“ und „Wesire und Konsuln“, die erstmals im März, August und November 1945 veröffentlicht wurden. In ihnen weist er den Weg zur Seele des bosnischen Menschen und Bosniens, jener Landschaft „der religiösen, sozialen und kulturellen Gegensätze, wie sie mit gleicher Vielfalt der Ausprägung eines Volkstums und gleicher Mannigfaltigkeit verschieden sich äußernder, aber letztlich gleichgearteter seelischer Wesenhaftigkeit auch auf dem Balkan nicht wieder anzutreffen sind“.17 In der Erzähltradition des 19. Jahrhunderts, anknüpfend an die gerade auf dem Balkan so präsente Tradition der Volksüberlieferung, „klar, hell, bis zur äußersten Reinheit druchsichtig gemacht“18, wird er zum Chronisten der bosnischen Wahrheit und des Menschlichen überhaupt: „Ich weiß nicht, ob meine Werke Realismus sind, aber ich glaube, sie sind – Realität. Beim Schreiben halte ich mich von jeher an die Wirklichkeit, und indem ich mich an sie halte, strebe ich danach, mir und anderen möglichst viel von ihrer Grenzenlosigkeit zu erklären, angefangen bei einem Stein, einer Pflanze bis hin zu Menschen, seinem bewußten Denken und seinen dunklen Trieben, von den Himmelskörpern, die uns in Schwärmerei versetzen, während wir sie betrachten, von Traum und Phantasie bis hin zum Brot, das wir essen, zu den Gesetzen, nach denen wir leben, und allen Bedürfnissen, denen wir unterliegen.“19 Und die Sprache, in der Andrić die Realität schildert, sie entspricht dem Inhalt seiner Werke: sie ist hart und klar, wie gesetzter Granit. So findet und manifestiert er seinen Eingang in die Weltliteratur in zweifacher Hinsicht.

Der Begriff der „Brücke“, Titel seines ersten Epos und schon früher Titel einer Vorstudie gewesen (Die Brücke über die Zepa, 1928), ist für Andrić Inbegriff all dessen, was er mit seinem Werk sagen möchte, und dies gleich in mehrfacher Hinsicht. Allegorisch faßbar sind diese Ebenen in dem Brückenspruch, den Andrić 1928 seiner Erzählung beigab: „Als gute Verwaltung und edle Kunst / Einander die Hände reichten, / Erstand dieser‘ herrliche Brücke, / Den Untertanen zur Freude, Jusuf zum Ruhm / In dieser und in jener Welt.“20 Mit der „Brücke“ schafft Andrić literarisch die Synthese „zwischen der eindringlichen psychologischen Analyse unserer Zeit und jener orientalischen Haltung tiefer Schicksalsergebenheit im Stil von ,1001 Nacht´. Eine große Zärtlichkeit den Menschen gegenüber erfüllt ihn, aber er schrickt auch nicht vor der Beschreibung von Gewalt und Terror zurück; beide beweisen in seinen Augen nur allzu deutlich die Existenz des Bösen in der Welt.“21

Tatsächlich steht als treibendes Motiv hinter Andrić das metaphysische Problem der Frage nach dem Bösen überhaupt, und er findet die Auflösung, die von Utopien und Ideologien niemals zugegeben werden kann: das Böse ist dem Leben immanent, es ist, wie Andrić´ erster Übersetzer ins Deutsche es formuliert, „mitbestimmend für das Wesen seiner Totalität“.22 1928 bereits hatte Andrić Goya in den Mund gelegt, daß man nicht wissen könne, warum es das Böse auf der Welt gebe, daß alles, was bestehe, weder Sinn noch Grund habe; darum auch sei es „vergeblich und falsch, nach einem Sinn in den bedeutungslosen, nur scheinbar so wichtigen Ereignissen, die um uns herum geschehen, zu suchen; man spürt ihn besser in jenen Schichten auf die sich im Lauf der Jahrhunderte um einige der hauptsächlichen Legenden der Menschheit bildeten.“23 Die Macht des Lebens nämlich wird immer die beharrende Macht des Bestehens sein, so sehr das für den Einzelmenschen auch persönliche Tragödie und nutz- und fruchtloses Ankämpfen bedeuten mag. Das Leben wird repräsentiert durch die Brücke über die Drina, die über Jahrhunderte hinweg das Kommen und das Gehen, das Elend, die Not und das stille Glück um sich herum in Vikgrad sieht, dem Vigegrad, in dem rund zur Hälfte Muslime, zu einem Drittel Serben und zu einem Fünftel Kroaten leben; das Leben ist und bleibt der Fixpunkt der Geschichte, und so ist die Brücke auch der chronistische Standort des Erzählers Andrić. „Zwischen dem Bauwerk und der menschlichen Siedlung gibt es enge, unsichtbare Verbindungen, komplizierte und unklare, aber ständig wechselseitige Beeinflussungen. Das Volk schafft durch große Taten einzelner die Bauwerke nach dem Bild und der Gestalt seiner tiefsten, oft unbewußten Wünsche und Eigenschaften, und diese Bauwerke beeinflussen im Laufe der Jahrhunderte langsam und unablässig Charakter und Gewohnheiten des Volkes.“24

Ein solcher Standort tut not in diesem Bosnien, in dem das allgemeine Mißverständnis, das zeitweise in offenen Haß übergeht, „beinah das allgemeingültige Charakteristikum seiner Einwohner (ist). Die Abgründe zwischen den verschiedenen Konfessionen sind so tief daß es nur dem Haß manchmal gelingt, sie zu überspringen.“ Denn Bosnien ist aufgrund seiner so unendlich komplexen Struktur das Land der Angst und des tödlichen Hasses, wie Andrić in einer autobiographischen Skizze einen früheren Freund schreiben läßt25: „Das ist Bosnien. Doch … kann man ebensogut sagen, daß es wenige Länder gibt, in denen man so viel festen Glauben, so viel Beständigkeit des Charakters, so viel Zärtlichkeit und leidenschaftliche Liebe, so viel Gefühlstiefe, Anhänglichkeit und unerschütterliche Ergebenheit und so viel Hunger nach Gerechtigkeit finden kann. … Vielleicht liegt euer größtes Unglück gerade darin, daß ihr nicht einmal ahnt, wieviel Haß in eurer Liebe liegt, in eurer Begeisterungsfähigkeit, eurer Tradition und eurer Religiosität.“ Die Brücke zwischen diesen sich bekriegenden Welten, denen des geistigen wie des konkreten Ostens und Westens, die einander fast ausschließen und oft genug aneinandergeraten, ist haarscharf wie eine Damaszener Klinge; zu oft aber ist eben diese Brücke zu schmal, zumal dann, wenn von außen zusätzlich noch Konflikte in dieses Land hineingetragen werden und die Bewohner unmißverständlich zu Parteinahmen zwingen. So entsteht das Böse, „das gewöhnliche Menschen tun, ohne es zu merken, tagtäglich, geleitet von ungewöhnlichen menschlichen Eigenschaften, oft sogar von Tugenden“.26 Gleichwohl ist diese schmale Brücke die einzige Plattform, auf der die Bosnier, die jugoslawischen Völker und Religionen, und damit der Osten und der Westen überhaupt, miteinander existieren können. Keinesfalls aber kann sie auf Dauer und mit irgendeiner Berechtigung ersetzt werden durch Ideologien und zwanghafter Volksgemeinschaften, seien sie auch noch so geschichtsphilosophisch verbrämt.

Auch wenn Andrić die nationale Selbständigkeit der Völker des Balkans erhofft hatte und zu ihrer unglücklichen Realisation im – noch unideologisch definierten – Königreich Jugoslawien beigetragen hat, seine Ernüchterung erfolgte rasch und sollte sich bis zu seinem Tod eher noch steigern: „Ich fürchte, daß unter dem Denkmal all dieser Maximen in diesen Kreisen alte Triebe und Kainspläne schlummern und daß sie so lange leben werden, bis die materiellen und geistigen Bedingungen des bosnischen Lebens von Grund auf verändert werden. Doch wann wird diese Zeit kommen, und wer wird die Kraft haben, dies durchzuführen?“27

Auf dieser Einsicht beruhte wohl auch sein posthum erst erschienener historischer Roman „Omen-Pascha Latas“, die Geschichte des gebürtigen Kroaten und türkischen Serasker, des Marschalls, der mittels fremder Truppen sich als Statthalter im Auftrag und im Namen eines Weltherrschers installierte; unschwer ist die bis in die Einzelheiten frappierende Parallele zu Josip Tito und seinen Ambitionen, in Jugoslawien eine ideologisch untermauerte Befriedigung und Egalisierung der Religionen und Nationen durch rigorosen Zwang von oben durchzusetzen. Bisher hat es keine tiefgründigere Kritik an Tito gegeben: „Der rücksichtslose Serasker mit den blutigen Händen tat, was immer er wollte; jede Absicht verwirklichte er, und nicht die geringste Rücksicht nahm er auf die Menschen und ihre Begriffe und ihre Empfindungen, – offenbar dachte er an sie nicht anders als an den Gegenstand seiner Aufgaben und seiner militärischen Operationen.“23 Doch auch hier bleibt die Geschichte sich selber treu: der Serasker und sein Gefolge ziehen ab und die von ihnen angestrebte „klägliche Befriedigung wird so lange dauern wie ihr Abzug, im ganzen nur ein paar Tage. Aber auch das ist etwas wert in diesem Land, wo die Befriedigungen selten sind“.

Welch prophetischen Klang dies hatte, dürfte mittlerweile deutlich geworden sein. Und Andrić war bestimmt kein defätistischer Kritikaster gewesen: Von November 1946 bis 1952 war er Vorsitzender des jugoslawischen Schriftstellerverbandes und Vizepräsident der Gesellschaft für kulturelle Zusammenarbeit mit der Sowjetunion gewesen, von 1945 bis 1950 war er Abgeordneter in der Nationalversammlung von Bosnien-Herzegowina gewesen, im April 1950 zum Abgeordneten der Nationalkammer von Jugoslawien gewählt, 1952 war er gar zum Präsidenten ebendort aufgestiegen. Im Dezember 1954 folgte sein Eintritt in die KP, doch nur vier Jahre später zog er sich, nach seiner Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Milicia Babić am 27. September 1958, völlig aus der Öffentlichkeit nach Travnik zurück. Die Ernüchterung, die er doch in seinen Romanen eigentlich schon vorweg genommen hatte, war zu groß. Erst als ihm am 26. Oktober 1961 der Nobelpreis für Literatur zuerkannt wurde, dessen Prämie er der Republik Bosnien und Herzegowina zur Förderung von Volksbibliotheken überließ, folgte – ganz gegen seinen Willen – eine, schnell vorübergehende Vereinnahmung durch die so aufgeklärte westliche Öffentlichkeit. Bei seinem Tod am 13. März 1975 war er indes im Westen schon wieder völlig vergessen. Allein die Menschen Jugoslawiens wußten zu Zehntausenden, wen und was sie verloren hatten. Der Westen hätte sich vieles heute vereinfachen und ersparen können, hätte er es auch gewußt. Doch die Aktualität der von Ivo Andrić dargestellten Konfrontation des Orients und des Okzidents wird – wohl auch innerhalb der EG/EU – eher zu- denn abnehmen. So ist eine erneute Rezeption Andrić wichtiger denn je.

Anmerkungen

1) Ivo Andrić: Wegzeichen, München 1982, S. 144 f.

2) Patrick Bahners (Wider die Nation? Warum die Europäer ein Volk von Übersetzern werden müssen, in: FAZ Nr. 169 vom 24.7.1991) hat dankenswerterweise in der etablierten Presse darauf hingewiesen, daß wer heute „den Nationalstaat zum ,Irrweg` erklärt, bevor wieder Schritte auf diesem Weg versucht worden sind, … den Vorwurf der Naivität auf sich (lenkt)“.

3) U.a. hat Carl Gustav Ströhm immer darauf hingewiesen, doch zunehmend als einsamer Rufer. Vgl. beispielsweise ders.: Tito. Nach Afghanistan Weltkrise Jugoslawien?, Bergisch-Gladbach 1980, 5. 352: „Jugoslawien wird so stabil und sicher sein, wie es seine Einwohner selber wollen. Keine Macht der Welt wird Jugoslawien zusammenhalten können, wenn sich die zentrifugalen Kräfte als stärker erweisen.“ Wie recht er damit hatte, beweisen nur zehn Jahre darauf die hilflosen bis lächerlichen Friedensbemühungen der EG. Vgl. dazu die beißend treffende und herausragende Polemik von Günther Nenning (Keine Brücke über die Drina. Jugoslawien für Anfänger. Kleiner Ausflug in ein ganz fremdes Land – für EG-Dilettanten, Ökonomie-Idioten und allzu vernunftsgläubige Leser, in: Die Zeit, Nr. 34 vom 16.8.1991). Der Tenor Nennings ist folgendem Satz: „Das sinnlose Durcheinander auf dem Balkan hat den Sinn, uns mit der Hoffnung zu erfüllen, daß die EG-isierung Europas scheitern wird. Der Balkan ist das Fäustchen, in das sich der Geschichtsliebhaber lachen darf.“

4) Josef Matl: Die sprachlich-kulturelle Struktur Südosteuropas, in: Der getreue Eckart (17) 1939/40. S. 321-324. Mali war Slawist an der Universität Graz. Von welchem bundesdeutschen Wissenschaftler wäre auch schon eine solch prägnante und anormative Formulierung zu erwarten?

5) Günther Nenning: a.a.O.

6) Vgl. dazu Carl Gustaf Ströhm: a.a.O., S. 277-289. Celia Hawkesworth beschreibt Bosnien in ihrer Studie über Andrić (Ivo Andrić: Bridge between East and West, London and Dover 1984, S. 3) als „more than merely the frontier between the Ottoman and Habsburg Empires it was an area where East and West met and intermingled to a far greater extent than in the rest of the Balkan peninsula. To describe it as the ,meeting-place of East and West‘ is to describe not only its historical and geographical role, but the daily experience of its inhabitants.“

7) Ivo Andrić: Wesire und Konsuln, München 1961, S. 349. Seine Nobelpreisrede am 10.12.1961 leitete Andrić ein mit der Bemerkung: „Mein Heimatland ist tatsächlich – wie es einer unserer Schriftsteller einmal formuliert hat – „ein kleines Land zwischen den Weiten“ … (zit. nach Gelia Hawkesworth: a.a.O., S. 6. Deutsch von MK).

8) Zu Sarajevo vgl. die kurze aber klare Darstellung von Stanislaus Hafner: Das muslimanische Sarajevo, in: Der getreue Eckart (17) 1939/40, S. 217-220.

9) Ivo Andrić: Die Brücke über die Drina, Frankfurt a. M. 1960, S. 324 f.

10) Hrvatska mlada lirika. Hrsg. von Ljubo Wiesner, Agram 1914.

11) Zur Gedichtform in Prosa vgl. Andrić´ Hinweis in ders.: Das Fräulein, München (dtv) 1964, S. 125: „Das war eine beliebte Form der dichterischen Aussage zu jener Zeit, da alles voller kühner Ideen und geschwollener Gefühle war, jedoch niemand Zeit, Wissen und Geduld hatte, um dafür einen wahreren, bleibenderen Ausdruck zu finden.“

12) Vgl. die Mitteilungen von Schmitts Sekretärin und Haushälterin Anni Stand, in: Interview mit Anni Stand und Ernst Hüsmert zu Carl Schmitts Aufenthalt in Plettenberg von 1947-1985, in: Verortung des Politischen. Carl Schmitt in Plettenberg. Hrsg. von der Stadt Plettenberg, Hagen 1990, S. 42-61(56). Schmitt bewunderte Andrić und sein Werk zutiefst. Vgl. seine Empfehlung an Julien Freund: „De plus, je suis un vicux philosophe de ponts. Ivo Andrić, un Serbe, qui a écrit un grand roman ,Le pont sur la Drina` et un petit conte delicieux ,Le pont sur la Shepa`. C’est un thème á la fais artistique, historique, philosophique et même linguistique.“ (Brief an Julien Freund vom 6.11.1960, abgedruckt in: Piet Tommissen (Hrsg.): Schmittana II (Eclectica Nr. 79-80), Brüssel 1990, S. 48-50(48)).

13) Peter Dzadzig: Leben und Werk von Ivo Andrić, abgedruckt in: Ivo Andrić: Wesire und Konsuln (Reihe: Nobelpreis für Literatur Bd. 56). Zürich o.J., S. 25-55(44 f.). Zu den Hintergründen und der Genesis des Nobelpreises für Andrić vgl. Kjell Strömberg: Kleine Geschichte der Zuerkennung des Nobelpreises an Ivo Andrić, in: ebd., S. 9-15.

14) Alois Schmaus: Der jugoslawische Erzähler Ivo Andrić, in: Lebendiges Wort. Literatur-Beiblatt des Getreuen Eckart (16) 1938/39, S. CCXCV-CCXCVII(CCXCVI).

15) Hans Lipinsky-Gottersdorf: Andrić zum Gruss!, in: deutsche studien (13) Nr. 50, Juni 1975, S. 207-212 (211). Zu Lipinski-Gottersdorf Bewunderung für Andrić sei folgende Sentenz aus einem Brief an uns vom 25.3.1989 zitiert: „Das ist Literatur nach meinem Herzen und ich gebe mit Vergnügen das ganze zecht- und sinnlose Geschwafel neudeutscher Gegenwartsliteraten dafür her. Die Erneuerung Europas, wenn es denn eine solche geben sollte, wird aus solchem Geiste kommen. Andrić ist nicht zufällig ein Dichter des Überdauerns allen Übels und allen Elends durch die innere Kraft und Gelassenheit der Völker des Ostens, die bislang, freilich nur scheinbar, ganz und gar im Schatten der Geschichte jetzt zerfallender und nicht mehr zu erweckender Reiche gestanden hat.“

16) Ivo Andrić: Wegzeichen: a.a.O., S. 227. Zur Notwendigkeit des Zusammentreffens von objektiver und subjektiver Wirklichkeit vgl. Paul Fechter: Meines Wörterbuch für literarische Gespräche, Gütersloh 1950, S. 20: „Eine objektive Beschreibung ergibt nicht ein objektives Bild, sondern überhaupt keins.“

17) Alois Schmaus: a.a.O., S. CCXCV.

18) Friedrich Sieburg: Kristallklare Wasser, in: FAZ vom 4.11.1961. Bezüglich Andrić´ Erzähltradition vgl. seine eigene Aussage in seiner Nobelpreisrede (zit. nach Celia Hawkesworth: Ivo Andrić, a.a.O., S. 7. Deutsch von MK.): „In tausend verschiedenen Sprachen, unter den meisten verschiedenen Lebensbedingungen, von den ältesten Urvätergeschichten, erzählt an der Feuerstelle ihrer Katen, bis hin zu den Werken der modernen Erzähler, die just in diesem Moment in den Verlagen aller großen Zentren der Weit erscheinen, offenbart sich die Geschichte des menschlichen Schicksals in den endlosen und ununterbrochenen Überlieferungen von Mensch zu Mensch. Die Art und Weise dieser Erzählung wandelt sich zwar mit der Zeit und ihren Umständen, aber die Notwendigkeit der Geschichte und ihrer Erzählung besteht unverändert; die Geschichte schreitet fort und bei der Erzählung gibt es kein Ende.“

19) Ivo Andrić: Wegzeichen, a.a.O., S. 203.

20) Ivo Andrić: Die Brücke über die Žepa, in: Sämtliche Erzählungen Bd. I: Der Elefant des Wesirs, München 1962, S. 5-14(11).

21) Anders Osterling: Verleihungsrede anlässlich der feierlichen Überreichung des Nobelpreises für Literatur an Ivo Andrić am 10. Dezember 1961, abgedruckt in: Ivo Andrić: Wesire und Konsuln (Reihe: Nobelpreis für Literatur Bd. 56), a.a.O., S. 19-22(21).

22) Alois Schmaus: a.a.O., S. CCXCVI.

23) Ivo Andrić: Francisco de Goya. Zwei Essays, München 1962, S. 18 f. und passim.

24) Ivo Andrić: Wegzeichen, a.a.O., S. 167 f.

25) Ivo Andrić: Brief aus dem Jahre 1920, in: Sämtliche Erzählungen Bd. III: Gesichter, München 1964, S. 32-47(42). Voriges Zitat ebd. S. 44; ähnlich auch in ders.: Das Fräulein, a.a.O., S. 72 f.

26) Ivo Andrić: Wegzeichen, a.a.O., S. 15.

27) Ivo Andrić: Brief aus dem Jahre 1920, a.a.O., S. 44

28) Ivo Andrić: Omer-Pascha Latas, Frankfurt/Berlin/Wien 1963, S. 357. Folgendes Zitat ebd., S. 377. Ebd. im Kapitel „Die Audienz“ (S. 97-120) treffen auf anschauliche Weise die überlieferte Ordnung Bosniens und der rational-ideologische Ordnungsanspruch aufeinander, repräsentiert durch die Personen des Bauernführer Bogdan Zimonjie und des Omer-Pascha Latas.

 

Bibliographie

I. Bücher

  • Sämtliche Werke in 16 Bänden und einem Ergänzungsband Belgrad/Zagreb/Sarajevo/Laibach/Skopje 1976 + 1981
  • Ex ponto / Unruhen (1918/1920). Übersetzung von Leonore Scheffler. Mit Übersichten zu Leben und Werk des Autors (Symbolae Slavicae Band 23), Frankfurt a.M./Bern/New York: Peter Lang Vlg. 1988
  • Der Weg des Alija Djerzelez und andere Erzählungen. 4 Erzählungen (1920-1936). Übersetzung von Werner Creutzinger, Wolfgang Grycz, Martin Zöller, Leipzig: Inselbücherei Nr. 438, 1965 / Berlin/Weimar: Aufbau 1975
  • Die Entwicklung des geistigen Lebens in Bosnien unter der Einwirkung der türkischen Herrschaft. Diss. phil. Graz 1924. Zweisprachiger Abdruck in: CBECKE, 1982, S. 6-237
  • Die Novellen (1924-1936). Übersetzung von Alois Schmaus, Wien/Leipzig: Adolf Luser Vlg. 1939
  • Die Geliebte des Veii Pascha, 17 Novellen (1924-1960). Übersetzungen von Milo Dor (d.i. Milutin Doroslavac), Reinhard Federmann, Alois Schmaus. Ausgewählt von Elemer Schag, Stuttgart: Steingrüben 1960, 1961, 1962 / Frankfurt a. M./Hamburg: Fischer-Bücherei Nr. 481 1962, 1964 / Zürich: Buchclub Ex Libris 1962
  • Die Männer von Veletovo. Ausgewählte Erzählungen (1924-1960). Übersetzungen von Werner Creutzinger, Wolfgang Grycz, Martin Zöller, Berlin: Aufbau 1961 / Berlin/Weimar: Aufbau 1968
  • Gesichter. Erzählungen (1924-1960). Übersetzung von Werner Creutzinger, Berlin: Aufbau 1962
  • Sämtliche Erzählungen (1924-1963). Bd. I: Der Elefant des Wesirs. Übersetzungen von Alois Schmaus, Milo Dor, Reinhard Federmann, Werner Creutzinger, Elemer Schag, Wolfgang Grycz, Dorothea Kiefer, Martin Zöller, München: Hanser 1962; Bd. II: Im Streit mit der Welt. Übersetzungen von Alois Schmaus, Elemer Schag, Johannes Weidenheim, Miodrag Vukie, Hermann Piwitt, Milo Dor, Reinhard Federmann, Hans Heinz Hahn, München: Hanser 1963; Bd. III. Gesichter. Übersetzungen von Elemer Schag, Alois Schmaus, Milo Dor, Reinhard Federmann, Miodrag Vukie, Hermann Piwitt, München: Hanser 1964
  • Der Elefant des Wesirs. Erzählungen (1924-1962). Übersetzungen von Werner Creutzinger, Wolfgang Grycz, Martin Zöllen. Mit e. Nachw. v. W. Creutzinger, Leipzig: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 9061/9062, 1963
  • Der Elefant des Wesirs und andere Meistererzählungen (1924-1964). Auswahl aus sämtliche Erzählungen, München: Heyne (Das besondere Taschenbuch Nr. 21) 1978
  • Die Geliebte des Veli Pascha. Erzählung (1926). Übersetzung von Alois Schmaus, Stuttgart: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8499, 1961
  • Die Brücke über die Žepa. Erzählung (1928). (Am Lagerfeuer Bd. 20). Übersetzung von Hans Thurn, Hamburg: Agentur des Rauhen Hauses 1957
  • Die Brücke über die Žepa. Drei Erzählungen (1928-1936). Übersetzungen von Alois Schmaus, Milo Dor, Reinhard Federmann, Hamburg: Furche-Bücherei Bd. 221, 1963
  • Francisco de Goya. Zwei Essays mit 8 Bildtafeln (1929/1962). Übersetzung von Joseph Schlitz München: Piper-Bücherei Nr. 174, 1962
  • Die Frau auf dem Stein. Erzählungen (1934-1962). Übersetzungen von Elemer Schag u.a. Berlin: Aufbau 1962, 1969 / München: Hanser 1964 / München: dtv Nr. 414, 1967
  • Jelena. Erzählungen (1934-1962). Übersetzungen von Fred Wagner, Elemer Schag. Illustrationen von Hans-Joachim Walch. Nachwort von Peter Zobec, Recklinghausen: Paulus 1967
  • Die Brücke über die Drina. (Eine Wischegrader (auch: Visegrader) Chronik) (1945). Übersetzung von Ernst E. Jenas, Zürich: Büchergilde Gutenberg 1953 [unter dem Autorennamen „Andritsch“] / Stuttgart: Europa-Verlag 1954 / Berlin: Aufbau 1957 / München: Hanser 1959, 1962, 1966 / Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1960, 1962 / Berlin/Darmstadt/Wien: Dt. Buch-Gemeinschaft 1961, 1962, 1974 / Frankfurt a.M./Hamburg: Fischer-Bücherei Nr. 438 1962, 1963 / Berlin: Buchclub 65, 1965 / Berlin/Weimar: Aufbau 1965, 1970, 1974, 1976 / Wien: Die Buchgemeinde 1965 / Genf: Edito-Service 1972 [M. e. Einf. v. Görard Keller, Originalillustrationen v. Helmut Ackermann] / Frankfurt a. M./BerIin/Wien: Ullstein-Bücher Nr. 3050, 1974 / Berlin/Darmstadt/Wien: Dt. Buch-Gemeinschaft / Gütersloh: Bertelsmann 1974 / Stuttgart: Europäische Bildungsgemeinschaft 1974 / Wien: Buchgemeinschaft Donauland 1974 / Frankfurt a. M./Wien/Zürich: Büchergilde Gutenberg 1974, 1991 / Wien: Caesar 1980 / München: dtv Nr. 10765 1987
  • Legende (1945) [aus dem Roman: Die Brücke über die Drina]. Holzschnitte von Eugen 0. Sporer, München: Hanser (Weihnachtsgabe des Verlages) 1959
  • Das Fräulein (1945). Übersetzung von Edmund Schneeweis, Berlin: Aufbau (Die Taschenbücher des Aufbau-Verlages Nr. 5) 1958 [Mit e. Nachw. v. Wolf Düwel] / Leipzig: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8957/8960 1961 [Mit e. Naclaw. v. Wolf Düwel] / München: Hanser 1962 / Berlin: Aufbau 1963 / München: dtv Nr. 171, 1964 / Gütersloh: Bertelsmann 1966, 1967 / Stuttgart: Europäischer Buch- und Phonoclub 1966, 1967 / Berlin/Weimar: Aufbau 1969 / Frankfurt a. M./Berlin/Wien: Ullstein-Bücher Nr. 3263, 1976 / Leipzig: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8957/8960, 1976 [Mit 19 Federzeichnungen v. Peter Laube]
  • Wesire und Konsuln (Die Travniker Chronik) (1945) [auch u. d. T.: Audienz beim Wesir]. Übersetzung von Hans Thurn, Berlin: Aufbau 1961 / München: Hanser 1961, 1970 / München: Hanser-Broschüren 1961 / Berlin/Darmstadt/Wien: Deutsche Buchgemeinschaft 1961 / Berlin/Weimar: Aufbau 1962, 1963, 1967 / Frankfurt a. M./Zürich/Wien: Büchergilde Gutenberg 1963 / München: dtv Nr. 248/249, 1964 / Wien: Die Buchgemeinde 1967 / Zürich: Coron (Reihe Nobelpreis für Literatur Bd. 56) 1968 / Stuttgart/Hamburg: Dt. Bücherbund 1968 / München: Goldmanns Gelbe Reihe Bd. 3334, 1973
  • Der verdammte Hof (1954). Übersetzung von Milo Dar und Reinhard Federmann, Berlin/Frankfurt a. M.: Bibliothek Suhrkamp Nr. 38, 1957, 1961, 1962, 1965 / Berlin/Weimar: Aufbau 1975
  • Wegzeichen (1976). Übersetzung von Reinhard Fischer. Mit e. Nachbemerkung v. Ivo Tartalja. Illusrieet v. Günther Lück, Berlin/Weimar: Aufbau 1982 / München/Wien: Hanser 1982
  • Omer-Pascha Latas. Der Marschall des Sultans (1976). Übersetzung von Werner Creutzinger Berlin/Weimar: Aufbau 1979 / München/Wien: Hanser 1980 / Frankfurt a.M./Berlin/Wien: Ullstein-Buch Nr. 20336, 1983
  • Das Haus in der Einsamkeit (1976). Übersetzung von Werner Creutzinger, Berlin/Weimar: Aufbau 1987

II. Theaterstücke nebst Uraufführung

  • Anikas Zeiten, Sarajevo 15.1.1934
  • Der verdammte Hof, 2.2.1962
  • Geflügelte Brücken, Belgrad 17.11.1970
  • Lica, Belgrad 24.9.1972
  • Ex ponto, Sarajevo 28.2.1976 [auch als Hörspiel, Radio Belgrad 2.12.1976]
  • Francisco de Goya, Laibach 20.8.1976
  • Wegzeichen, Belgrad 26.12.1978
  • Aska und der Wolf, Belgrad 2.2.1979
  • Geschichte vom Zinsbauern Siman, Skopje 11.12.1981
  • Das Fräulein, Mostar 11.10.1983

III. Verfilmungen

  • Anikas Zeiten. Regie: Vladimir Pogadić, Avalafilm 1954
  • Nachbarn. Regie: Daniel Marušić, TV Zagreb 1961
  • Das Fest. Regie: Mario Fanelli, TV Zagreb 1961
  • Durst. Regie: Joakim Marušić, TV Zagreb 1969
  • Liebe in der Kleinstadt. Regie: Kole Malinov, TV Zagreb 1978
  • Die Frau auf dem Stein. Regie: Nenad Dizdarević, TV Sarajevo 1980
  • Buffet Titanic. Regie: Emir Kusturica, TV Sarajevo 1980
  • Corkan, der Einäugige, und die Fremde. Regie: Uroš Kovačević, TV Sarajevo 1980
  • Ferien im Süden. Regie: Matjaž Klopčić, TV Sarajevo 1980
  • Das Fräulein. Regie: Vojtich Jasny, Bayerischer Rundfunk / Telepool Zürich 1980
  • Gazija. Regie: Nenad Dizdarević, Sutjeska-Film 1981
  • Aska und der Wolf. Regie: Viśnja Lasta, TV Zagreb 1982
  • Andrić und Goya. Regie: Slavenko Saletovi, TV Belgrad 1984
  • Der verdammte Hof. Regie: Milenko Maričić, TV Belgrad 1984

IV. Ad Andrić

  • Milovan Djilas: Remerbering Ivo Andrić, in: Encounter Nr. 50, Febr. 1978, S. 48-51
  • Peter Dzadzig: Leben und Werk von Ivo Andrić in: Ivo Andrić: Wesire und Konsuln (Reihe Nobelpreis für Literatur Bd. 56), Zürich 1968, S. 25-55
  • Ivo Franges: Geschichte und Existenz in der Kunst von Ivo Andrić, in: Die Welt der Slaven, 1976, Heft 2, S. 40-47
  • Slobodan Grúbačić: Ivo Andrić, in: Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur. Hrsg. von Heinz Ludwig Arnold. München 1981, 10. Nachlieferung 1986
  • Roswitha Hamadani-Dabagh: Motive und Motivationen im literarischen Werk von Ivo Andrić. Versuch einer Analyse, Graz 1978
  • Hawkesworth, Celia: Ivo Andrić: Bridge between East and West, London and Dover 1984
  • Ivo Andrić, in: Kindlers Neues Literatur Lexikon. Hrsg. von Walter Jens. München 1988, Bd. 1, S. 492-498
  • Wolfgang Kraus: Ein Dichter von homerischer Kraft. Zum 80. Geburtstag von Ivo Andrić in: RNZ vom 14./15.10.1972
  • Werner Küffner: Ivo Andrić, in: Die Literatur-Nobelpreisträger. Hrsg. von Cortrande Wilhelm, Düsseldorf 1983, S. 30-34
  • Reinhard Lauer: Zum 75. Geburtstag des jugoslawischen Dichters Ivo Andrić (Mitteilungen der Südosteuropa-Gesellschaft), München 1967
  • Hans Lipinsky-Gottersdorf: Andrić zum Gruß!, in: deutsche studien (13) Nr. 50, Juni 1975, S. 207-212
  • Marko S. Marković: Tausend und eine Nacht des Ivo Andrić, München 1962
  • Rosa Mayer: Ivo Andrić. Gehalt und Gestalt seines dichterischen Werkes, Diss. phil. Graz 1951
  • Regina Mindo: Ivo Andrić. Studien über seine Erzählkunst (Slavistische Beiträge Bd. 8), München 1962
  • A. B. Moscon: Ein Dichter der Geschichte, in: Frankfurter Rundschau vom 10.10.1962
  • Anders Österling: Verleihungsrede anlässlich der feierlichen Überreichung des Nobelpreises für Literatur an Ivo Andrić am 10. Dezember 1961, in: Ivo Andrić: Wesire und Konsuln (Reihe Nobelpreis für Literatur Bd. 56), Zürich 1968, S. 19-22
  • U. Roisch: Möglichkeiten und Grenzen des Symbols. Dargestellt am Roman „Die Brücke über die Drina“, in: Wiss. Zs. d. Techn. Hochschule Dresden, 5/1988
  • F. Scherer: Das Balkanische in der neueren serbokroatischen Literatur, Diss. phil. Graz 1950
  • Alois Schmaus: Der jugoslawische Erzähler Ivo Andrić, in: Lebendiges Wort. Literatur-Beiblatt des Getreuen Eckart (16) 1938/39, S. CCXCV-CCXCVII
  • Friedrich Sieburg: Kristallklares Wasser, in: FAZ vom 4.11.1961
  • Kjell Strömberg: Kleine Geschichte der Zuerkennung des Nobelpreises an Ivo Andrić, in: Ivo Andrić: Wesire und Konsuln (Reihe Nobelpreis für Literatur Bd. 56), Zürich 1968, S. 9-15
  • V. Taranovski-Johnson: Bosnia demythologized. Character and motivation in Ivo Andrićs stories „Mara milosnica“ and „0 starim i mladin Pamukovidima“, in: Die Welt der Slaven (25) 1981, S. 98-108
  • Ivo Tartalja: Nachbemerkungen, in: Ivo Andrić: Wegzeichen, München 1982, S. 245-249
Autor: Markus Klein
Titel: Ivo Andrić (1892-1975)
Untertitel: Autorenporträt
Erstveröffentlichung in: Criticón, (22) Nr. 131, Mai/Juni 1992, S. 109-113
„Scholien aus San Casciano“ – ISSN 2199-3548 – ID 2014030
URL: https://scholien.wordpress.com/imprimatur/beitrage/2014030-2/
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