Der Mensch als solcher … oder: „Die schärfsten Kritiker der Molche waren früher eben solche“ (Robert Gernhardt)

Das aktuelle Buch nach 80 Jahren: „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Čapek

capek-molcheHör mal, willst du wirklich die ganze Menschheit zugrunde gehen lassen?

Der Autor runzelt die Stirn. Frag mich nicht, was ich will. Glaubst du, es ist mein Wille, daß die Kontinente der Menschen in Trümmer gehen, glaubst du, ich habe dieses Ende gewollt? Es ist einfach die Logik der Ereignisse. Und da soll ich eingreifen können? Ich habe getan, was ich konnte, ich habe die Menschen rechtzeitig gewarnt, dieser X war zum Teil ich selbst. Ich habe gepredigt, gebt den Molchen keine Waffen und Sprengstoffe, stellt diese schändliche Salamandergeschäft ein und so weiter – du weißt, wie es ausgefallen ist. Alle hatten tausend absolut stichhaltige wirtschaftliche und politische Einwände bei der Hand, warum es nicht möglich sei. […]

Und tut dir die Menschheit nicht leid?

Du lieber Himmel, laß mich doch! Was soll ich tun? Die Menschen haben es selbst gewollt. Alle wollten sie Molche haben, der Handel, die Industrie, die Technik, die Staatsmänner und die Herren vom Militär. – Sogar der junge Povondra hat gesagt: „Wir sind alle daran schuld.“ Wie kommst du zu der Meinung, die Menschheit täte mir nicht leid? Aber am meisten tat sie mir leid, als ich sah, wie sie sich Hals über Kopf selbst ins Verderben stürzte. Schreien könnte man, wenn man so etwas mit ansehen muß, schreien und beide Arme zum Himmel heben, als wenn man einen Zug auf ein falsches Gleis fahren sieht. Jetzt kann man nichts mehr aufhalten. Die Molche werden sich weiter vermehren, immer weiter die alten Kontinente zerbröckeln. […]

Könnte man die Molche nicht doch noch aufhalten?

Das geht nicht. Es sind zu viele. Es muß für sie Raum geschaffen werden.

Ginge es nicht, sie einfach aussterben zu lassen? Es könnte zum Beispiel eine Seuche über sie kommen, oder Degeneration …

Zu billig, mein Junge. Soll denn immer die Natur wieder gutmachen, was sich die Menschen eingebrockt haben? Also auch du glaubst schon nicht mehr daran, daß sie sich selbst helfen werden? Siehst du, siehst du! Zum Schluß möchtet ihr euch wieder darauf verlassen, daß euch jemand oder etwas erlöst! Eines will ich dir sagen: Weißt du, wer noch jetzt, wo schon ein Fünftel Europas unter Wasser steht, den Molchen Sprengstoffe, Torpedos und Bohrmaschinen liefert? Weißt du, wer Tag und Nacht fieberhaft in Laboratorien arbeitet, um noch wirksamere Maschinen und Stoffe zur Vernichtung der Welt zu finden? Weißt du, wer den Molchen Geld leiht, weißt du, wer dieses Ende der Welt, diese ganze neue Sintflut finanziert?

Ich weiß. Alle Fabriken. Alle Banken. Alle Staaten.

(Karel Čapek: Der Autor spricht mit sich selbst, im Schlußkapitel von „Der Krieg mit den Molchen“)

„Aktuell“ ist ein Buch nicht dann, wenn oder weil es erscheint, sondern aktuell ist es, wenn seine Lektüre zur aktuellen Zeit Erklärungen, Muster, Deutungen, Halt zu vermitteln vermag. Darüber hinaus gibt es aber auch Bücher, die immer aktuelle in diesem Sinne sind, weil sie nämlich Allgemeingültiges zu deuten helfen.

In diese Gattung fallen anthropologische Werke, die das für uns Menschen Allgemeingültigste überhaupt erklären, nämliche den Menschen selber, seine Konstanten, seine Bedingungen und seine Determinanten. Das gilt ebenso für anthropologisch fundierte andere Wissenschaften, seien es historische, philosophische, politische, juristische, theologische e tutti quanti. Es finden sich aber auch literarische Ergüsse, die hinter ihrem Erzählungsstrang genau dasselbe vermögen und so zu allgemeiner Aussagekraft und Gültigkeit avancieren. Auf den ersten Blick erstaunlich, auf den zweiten hingegen schlüssig erklärbar, gehören zu dieser Gattung ganz häufig Utopien und Dystopien. Da deren Autoren eine Erzählung in einer fiktiven Welt oder in der Zukunft ansiedeln, sind sie um der Schlüssigkeit und der Relevanz willen nämlich gezwungen, sich mit dem vorstehenden Allgemeingültigsten, dem Menschen, grundlegend auseinander zu setzen. Wie sonst sollten die von ihnen thematisierten Fiktionen sonst ihre Leser überzeugen? Dann aber – und das ist die Konsequenz – ist die Utopie gar keine mehr, sondern reale Anthropologie.

Zu letztgenannten Autoren gehören ohne Zweifel die allgemein bekannten Dystopien George Orwells und Aldous Huxleys, darüber hinaus auch Fiktionisten wie Philip K. Dick. Dazu gehrt in gleichem Rang aber auch der Böhme Karel Čapek mit seiner grandiosen satirisch-fiktionalen Parabel „Der Krieg mit den Molchen“ aus dem Jahre 1936. Auch wenn das Werk auf der UNESCO-Liste „repräsentativer Werke“ gelistet ist, so leidet es nach nunmehr 80 Jahren doch bedauerlicherweise unter mangelnder Bekanntheit – auch und gerade heute!

Einen „satirische(n) Blick für die abgrundtiefe Narrheit Europas“ hat Thomas Mann dem Autor nach der Lektüre des Romans bescheinigt. Aber weil Mann damit allein auf die allegorische Konkretisierung des Buches durch Čapek im angehängten letzten Kapitel Bezug nahm, hat er offensichtlich leider nur die Hälfte des Allgemeingültigen in diesem doch so wichtigen Werk verstanden. „Abgrundtief“ ist die in ihrer Genese durch Čapek detailliert beschriebene „Narrheit“ nämlich in jedem Fall, allerdings nicht eine Narrheit Europas, sondern eine Narrheit der Menschen ganz allgemein und im besonderen. Im besonderen bzw. auf eine besonders tragische Weise narrisch sind und agieren die Menschen im „Krieg mit den Molchen“ unter den Bedingungen des Kapitalismus. Dabei nämlich ergibt sich die unselige Vermischung von rein ökonomischen Zielen und daraus zur Zielerreichung abgeleiteten „alternativlosen Sachzwängen“, der zwangsläufigen Objektivierung der Molche (und Menschen) – zunächst zu billigen Arbeitskräften, hernach zu willigen Konsumenten –, und der gleichzeitigen moraltriefenden und humanitätsduselnden Selbstkastration der letzteren durch die bürgerliche Sedimentschicht zwischen diesen und den das System beherrschenden Oligarchen und ihren Helfershelfern.

Unter solchen Bedingungen nimmt die Katastrophe ihren Lauf – bis zum bitteren Ende, an dem nur noch die reaktionären Hoffnung verbleibt, daß die Zwangsläufigkeiten, die zum eigenen Untergang geführt haben, letztlich auch zum Untergang der siegreichen Obsieger führen werden – imitieren doch die Molche von Beginn an und ohne Einschränkungen die Menschen, sowohl deren technische Fähigkeiten wie deren fatale Selbstzerstörungseigenschaften. (Interessant in diesem Zusammenhang, daß Čapek auf die Kritik, die sein Werk als fantastische Utopie einordnen wollte, darauf gereizt reagiert: „Es gibt hier keine Utopie, sondern nur die Gegenwart!“)

Die Genese der kommenden Katastrophe ist rasch erzählt – und läßt sich unschwer auf unzählige entsprechende Beispiele übertragen sowie auf aktuelle Entwicklungen abstrahieren. Ein naiver, eher gut- denn böswilliger Schiffskapitän entdeckt auf einer Südseeinsel zufällig eine durch natürliche Lebensbedingungen regulierte Population bisher unbekannter menschenähnlicher Molche (fast sind wir versucht, das Wort Molch ob seiner Exemplarität in Anführungszeichen zu setzen), die sich als gelehrig – und damit in jeder Hinsicht als funktionalisierbar herausstellen. Genau das macht unser Kapitän: er läßt die Molche für sich arbeiten (als Perlentaucher) und gibt ihnen zum Tausch Waffen. Mit denen wiederum wehren sich die Molche gegen ihre Feinde, die Haie, die das natürliche Regulativ für ihre Population waren. Vom Kapitän „gut gemeint“ hat er damit aber in die Natur eingegriffen – die Molche vermehren sich schlagartig, populieren über ihren natürlichen Lebensraum hinaus, erschöpfen ihre ökonomischen Grundlagen (die Muschelbänke) – alles in allem „schlecht gemacht“: „Seit ich mich dieser Eidechser angenommen hab, sind schrecklich viele dazugekommen! Denn jetzt können sie sich wehren, you see? Und es werden immer mehr und mehr!“ Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Unser Kapitän findet einen Oligarchen, der ins Geschäft einsteigt („Zufällig suchen … nun ja, wir müssen neue Märkte für unsere Industrie suchen“), investiert, und somit die kapitalistischen „Zwangsläufigkeiten“ ins böse Spiel einbringt. Da die Molche selbst keine Untiefen überbrücken können, verteilen die beiden Kompagnons die beständig exponential wachsende Molchpopulation auf eine Insel nach der anderen – bis sie am Ende perfide gleichmäßig global vertreten sind. Da aufgrund des zwangsläufig wachsenden Überangebots die Nachfrage nach Perlen eingebrochen ist, werden die Molche als billige Arbeitskräfte ganz allgemein eingesetzt, exportiert und  gehandelt. Zugleich aber lernen sie – und lernen von den Menschen, was es zu lernen gilt, um den gleichen Bildungsrang zu erzielen. Die philanthropisch konditionierten „guten“ Menschen unterstützen diese emanzipatorische Evolution mit selbstmörderischer Konsequenz zugleich durch „Aufklärung“, durch „Entfaltungsrechte“ – durch einseitig zuerklärte „Egalisierung“ und „Integration“.

Die Molche aber werden mehr und mehr – bleiben indes von allen ihren Determinanten her Molche mit ihren eigenen, den Menschen entgegenstehenden Lebens(raum)ansprüchen. Wie das „Amen“ in der Kirche folgt, was folgen muß: Molch und Mensch streiten sich existentiell um eben jenen Lebensraum – und es erweist sich, daß die Molche von ihren Veranlagungen her längst stärker geworden sind als die hinsichtlich ihres eigenen Überlebens entkonditionierten Menschen. Denen bleibt am Ende nur noch der (das Ende aufschiebende) Rückzug ins Binnenland und ins Gebirge – doch selbst da tauchen (im Sinne des Wortes) irgendwann die ersten Molche auf. Es bleibt den Menschen nur noch die besagte Hoffnung, haben die zunächst nichts besitzenden, darum entsprechend ambitionierten, im Verlaufe dann landnehmenden Molche doch mit all ihrem sonstigen Wissen auch all die Bedingungen übernommen, die die Menschen zum Untergang bestimmt haben.

Es fehlt tatsächlich nichts in Čapeks Dystopie! Und absolut nichts von dem, was Čapek in seiner Unausweichlichkeit schildert, scheint dem heutigen Leser fremd (so er es denn an sich heranlassen will) … viel mehr frappierend, beängstigend, hinterläßt Ohnmachtsgefühle gegenüber den uns eigenen Verhaltensweisen, die uns lenkenden Strippenzieher, und die uns umgebende Atmosphäre von Ignoranz und gleichzeitiger Gutgläubigkeit. Die Eingeborenen auf der Insel, wo unser Kapitän die Molche entdeckte und mißbrauchte, wußten von jeher, „daß die Tappa-boys Teufel sind und fürchten sich unheimlich vor ihnen.“ Aber wer sind schon die Eingeborenen und ihre Befindlichkeiten, wenn schon die Wissenschaftler ignoriert werden, die frühzeitig die anthropologischen Unterschiede sahen und vor den unvermeidlichen Konsequenz warnten! Die sahen nämlich voraus, was geschehen mußte, daß die überstarke Männlichkeit im sozialen Gefüge der Molche zu Gemeinschaftsbildung und zur Macht der Molche führte: „Nur die Männchen bilden eine Gemeinde. Nur die Männchen führen kollektive Aufgaben aus. Durch die Herausbildung der Gemeinschaftlichkeit und Solidarität der Männchen gewinnen diese sichtlich das biologische Übergewicht und bestimmen die Entwicklung der Art in weit größerem Maße als das Weibchen.“ Auch die Gewerkschaften – stellvertretend für viele andere – erkennen früh die sozialen Effekte für ihre Klientel, lassen sich ihre Bedenken jedoch billig abkaufen: „Genaugenommen, gab es Leute genug, die vor der Einführung der Molche offen warnten, aber jede Neuerung, jeder Fortschritt stößt ja seit Menschengedenken auf Widerstand und Mißtrauen.“ Und erstaunlich auch, wie Čapek die schleichende Selbstaufgabe der Menschen beschreibt: Beginnend mit der Schaffung einer „einfachen Sprache“ zwecks besserer „Integration“ der Molche, über die Ausbreitung einer Kanaaksprach in den allgemeinen menschlichen Sprachgebrauch, Kleidersammlungen und Bibelübersetzungen, dann die Übertragung von Schutzrechten zur „Gleichberechtigung“, Herausbildung eines Gutmenschentums, Integrationsbemühungen, Sozialgesetzgebung, über Pflichten für die Molche, daraus wiederum abgeleitete Rechte, schließlich die Erklärung der Gleichheit mit den Menschen vor dem Gesetz. Man reibt sich die Augen, es scheint alles zwangsläufig, wie sonst sollte Čapek das alles vor nunmehr 80 Jahre vorausgesehen haben?

Aber er hat noch mehr an Zwangsläufigkeiten vorausgesehen, die auf den Plan treten: Vergewaltigungen auf der einen, Lynchjustiz auf der anderen Seite, daraus wiederum das Entstehen von Sekten und Bürgerrechtsbewegungen auf der einen, und von Bürgerwehren auf der anderen Seite. Schlimmer noch: er beschreibt, wie ignorant die entpolitisierten Menschen gegen ihre eigene existentielle Bedrohung sind, wie sie sogar die Molche zu (deren) revolutionärem Bewußtsein führen, wie sie – selbst als der Vernichtungskrieg der Molche gegen die Menschen längst eskaliert ist – ihrem Harmagedon Vorschub leisten und weiter und weiter Waffen an die Molche liefern. Das ganze kumuliert dann am Ende im Ultimatum des „Chief Salamanders“, des Führers der Molche: „Ihr habe uns gewollt. Ihr habt uns über die ganze Welt verbreitet. Nun müßt ihr mit uns rechnen. Wir wollen mit euch im guten auskommen. Ihr werdet uns Stahl für unsere Bohrer und Spitzhacken liefern. Ihr werdet uns Sprengstoff liefern. Ihr werdet uns Torpedos liefern. Ihr werdet für uns arbeiten. Ohne euch könnten wir das alte Festland nicht abreißen. Hallo, ihr Menschen, der Chief Salamander bietet euch im Namen aller Molche der Welt Zusammenarbeit an. Ihr werdet mit uns am Abbau der Welt arbeiten. Wir danken euch.“

Und Čapek vergißt tatsächlich keinen der vielen Gründe, die – neben den Grundbedingungen des gegenüber allen Folgen für die Menschen ignoranten Kapitalismus und der grundlegenden Hybris der ach so „rationalen“ Menschen – sich gegenseitig unterstützen und anreichern, und am Ende in die Katastrophe führen: „Neben dem gut organisierten Molchhandel und der ausgedehnten Pressepropaganda gebührt das größte Verdienst um die Verbreitung der Molche der riesigen Welle von technischem Idealismus, der zu jener Epoche die ganz Welt überschwemmte.“ Und er erkennt auch, warum jede Warnung und jeder Skeptizismus von Beginn an wirkungslos war: „Außerdem pflegen die Menschen nie etwas als geheimnisvoll zu betrachten, was ihnen zu Nutz und Frommen dient, sondern nur das, was ihnen schadet oder sie bedroht. Und da die Molche, wie sich herausstellte, in sehr hohem Maße und vielseitig nützliche Geschöpfe waren, wurden sie eben als wesentlicher Faktor der bestehenden rationalen Ordnung hingenommen.“ Ganz besonders bedrückend sind indes die dahinterstehenden – und von den Menschen ebenso ignorant wie blind nicht wahrgenommenen Grundbedingungen, denen sie selber doch längst unterworfen sind, die sich im Denken des Oligarchen offenbaren: „Finden Sie nicht, daß jeder einzelne Molch einen gewissen wirtschaftlichen Wert repräsentiert, den Wert einer Arbeitskraft, die darauf wartet, ausgenutzt zu werden?“ Zu welcher völligen Skrupellosigkeit solches Denken führt (gegenüber der „Ware“ Molch wie letztlich gegenüber dem Humankapital „Mensch“) zeigt sich bei den illegalen Molchhändlern: „Sie rührten in den dicht aneinandergedrängten Leibern herum und schauten nach solchen aus, die sich nicht mehr bewegten oder von denen das Fleisch schon abfiel; diese wurden an lange Haken gespießt und herausgezogen.“ Diese aber stehen nicht sui generis, sondern stellvertretend für alle, die mit der Ware „Mensch“ in der einen oder anderen Weise, ob als Schlepper, Menschen- oder Sklavenhändler, als Manager, Politiker oder auch als „Philanthroph“ ihr Kapital verdienen.

Die Analogien von Čapeks Molchgeschichte zur heutigen Zeit sind evident. Aber es geht mitnichten allein um die „Molche“ (jetzt dann doch in Anführungszeichen), die den Menschen Rechte, Boden und Leben streitig machen. Was Čapeks Geschichte so eindringlich macht, sind seine so allgemeingültigen Schilderungen der Regularien und Zwangsläufigkeiten, nach denen die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Die Darstellung der Vermischung von Kapitalismus und naiven Gutmenschentums, der mißbräuchlichen Funktionalisierung von „Molchen“ (Menschen), mehr noch: der Hybris der absoluten Machbarkeit der Welt wie der Unterordnung allen Lebens und aller menschlichen Werte unter das alleinige Ziel der grenzenlosen (und altruistisch verkappten) Bereicherung. Dieser Hybris („Ich möchte, daß wir in ganzen Milliarden von Molchen denken, in Millionen und aber Millionen von Arbeitskräften, in Verschiebungen der Erdkruste, in Neuerschaffungen der Welt, in neuen geologischen Zeitaltern. … Jawohl, wir befinden uns tatsächlich an der Schwelle Utopiens.“) dienen die „Molche“ (Menschen) lediglich als entmenschte Hilfsmittel, als ökonomische „assets“. Und so wird Čapeks anthropologisch fundierte Fiktion zur allgemeingültigen Dystopie – zur Blaupause dafür, wie die Menschen (– der einzelne jeweils durchaus in allerbester Absicht –) systematisch an ihrem eigenen Untergang arbeiten. Der angehangene allegorische Zeitbezug auf Hitler und den Tenno, den Thomas Mann allein gesehen zu haben scheint, zeigt die Aktualität des „Krieges gegen die Molche“ zu jener Zeit, die für jeden heutigen Leser sich aufdrängende offensichtliche Allegorie heute beweist hingegen die Aktualität Čapeks zu unserer Zeit.

Autor: Markus Klein
Titel: Der Mensch als solcher … oder: „Die schärfsten Kritiker der Molche waren früher 
eben solche“ (Robert Gernhardt)
Untertitel: Das aktuelle Buch nach 80 Jahren: „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Čapek
„Scholien aus San Casciano“ – ISSN 2199-3548 – ID 2016086
URL: https://scholien.wordpress.com/imprimatur/2016086-2/