Armin Mohler: Deutscher Konservatismus seit 1945

Dokumentation von 1974

Diese Dokumentation – eine kommentierte Bibliographie mit einleitendem Essay – ist 1974 in dem Sammelband „Die Herausforderung der Konservativen“ erschienen, den Gerd-Klaus Kaltenbrunner damals in der von ihm geleiteten Buchreihe „Herderbücherei INITIATIVE“ als Band 3 veröffentlicht hat. Da der Band vergriffen ist und der Herder-Konzern die verdienstvolle konservative Buchreihe längst eingestellt (und die Bestände verramscht) hat, drucken wir die Dokumentation ungekürzt und unverändert ab – sie ist seither durch nicht Ähnliches ersetzt worden. Den einleitenden Essay hat der Verfasser 1995 an drei Stellen mit teils ergänzenden, teils korrigierenden Anmerkungen versehen.

Den deutschen Konservatismus nach 1945 kann man nur verstehen, wenn man weiß, was um 1925 mit ihm geschehen ist – und was dann noch einmal, zwanzig Jahre später, in der großen deutschen Katastrophe, mit ihm geschah. In der Mitte der zwanziger Jahre hat der Konservatismus mit fast allem gebrochen, was er im 19. Jahrhundert war, und unter dem Druck des Zusammenbruchs von 1945 hat er dann versucht, jenen Bruch wieder rückgängig zu machen. An diesem Hin und Her krankt der deutsche Konservatismus bis heute.

Der Bruch von 1925 war nicht zu vermeiden. Die konservativen Bewegungen anderer Länder kennen diesen Bruch ebenfalls, wenn auch nicht zum gleichen Zeitpunkt. Der Konservatismus als politische Bewegung und als politische Idee ist dem Wandel unterworfen. Das mag an einer Strömung überraschen, die sich nach ihrem Selbstverständnis wie auch nach der Meinung ihrer Kritiker in erster Linie mit dem beschäftigt, was als unwandelbar gilt. Der Vergleich mit den konkurrierenden Strömungen läßt jedoch die irritierende Variabilität des Konservatismus deutlich erkennen: beide Zweige der Linken, der anarchistische und der (rückblickend so genannte) „marxistische“, haben so gut wie der Liberalismus ihre entscheidende Prägung zwischen 1780 und 1870 erfahren; auch wenn sich manches an ihnen seither differenziert hat, so leben sie doch noch aus dem gleichen Grundantrieb wie damals. Ein Anarchist von heute könnte sich mit einem Anarchisten von 1880 verständigen, ein Liberaler von 1974 spricht eine wenig andere Sprache als ein Liberaler von 1850.

Mit den Konservativen ist das anders. Würde ein Konservativer von heute, Schüler etwa von Carl Schmitt oder Arnold Gehlen, plötzlich vor einem Konservativen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stehen, so hätten sich die beiden nichts zu sagen; sie fänden keine gemeinsame Sprache und würden sich bald als krasse Gegensätze empfinden. Daß sie verschiedene Begriffe verwenden, wäre dabei nicht das Wesentliche – der Gegensatz bestünde darin, daß sowohl ihr Denken wie ihre Affekte in ganz verschiedene Richtungen weisen würden.

Die „Achsenzeit des Konservatismus“

Dieser Bruch im modernen Konservatismus ist, im konkreten Sinne des Wortes, so entscheidend, daß auf ihn der Jaspers´sche Begriff der „Achsenzeit“ variiert werden kann. Wir verstehen unter Achsenzeit eine Schwelle, die von verschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten passiert wird, deren Passieren aber überall die gleichen Folgen hat. Ähnlich verhält es sich mit der „Achsenzeit des Konservatismus“ zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert: sie setzt in jedem Land an einem anderen Punkte seiner Geschichte ein; im einen Land ist sie kurz und dramatisch, im anderen zieht sie sich über Jahrzehnte hin, so daß die Veränderung erst aus dem Abstand voll sichtbar wird.

Doch jedem Konservatismus ist abzulesen, ob er seine Achsenzeit bereits hinter sich hat. Der Vorgang als Ganzes ist kompliziert und noch nicht im Detail beschrieben; es liegt bisher weder eine Geschichte des deutschen noch eine des gesamteuropäischen Konservatismus vor. Wie müssen den Vorgang in eine Formel raffen – mit allen Verkürzungen, die das mit sich bringt: vor dem Passieren der Achsenzeit ist der Konservatismus rückwärts gewandt, nachher richtet er sich der Zukunft entgegen. Vor der Achsenzeit ist das konservative Bemühen darauf konzentriert, das Überlieferte zu bewahren oder gar einen verflossenen Zustand wiederherzustellen. Die Achsenzeit wird dann zur Zeit der Ernüchterung. In ihr erkennt der Konservative, daß andere politische Gruppen einen Status quo geschaffen haben, der für ihn nicht mehr akzeptabel ist, daß frühere Zustände nicht mehr restaurierbar sind. Von nun an richtet sich sein Blick nach vorne.
„Konservative Revolution“

Man hat oft versucht, diese neue, auf die Achsenzeit folgende Einstellung des Konservativen zur Welt zu definieren oder doch zu umschreiben. Sie ist nicht mehr bewahrend, wie die des Altkonservativen. Sie ist aber auch nicht die des Utopisten, welcher der Wirklichkeit Abstraktionen aufzuzwingen sucht. Wenn auch das Vorhandene abgelehnt wird, so soll doch an seine Stelle etwas treten, was verwirklicht werden kann – etwas, das lebbar, formbar ist.

Ernst Jünger hat für dieses vom Utopismus so verschiedene Nach-vorn-Gerichtetsein den paradoxen Begriff der „organischen Konstruktion“ vorgeschlagen: es soll etwas neu geschaffen werden, aber nicht gegen die Wirklichkeit, sondern mit ihr. Bekannter geworden ist die Formel von der „Konservativen Revolution“ – auch sie ein Paradoxon mit ihrem „erhaltenden Umsturz“. Am schlagendsten hat wohl Moeller van den Bruck ausgedrückt, was der Antrieb dieser Konservativen Revolution ist: Man will Dinge schaffen, deren Erhaltung sich lohnt.

Auch nach den Bezugspunkten hat man die Umschichtung innerhalb des deutschen und des europäischen Konservatismus zu umschreiben versucht. Im 19. Jahrhundert habe sich der Konservative durch das Eintreten für die ständischen Institutionen legitimiert – für Thron und Altar, allenfalls für einen auf Landbesitz sich stützenden Adel. Der moderne Konservative hingegen (nach unserer Terminologie: der Konservative nach der Achsenzeit) legitimiere sich durch sein Eintreten für den neuen Souverän, der an die Stelle der Dynastien und Kirchen getreten sei: für das Volk also; für die (zwar von den Linken entdeckte, aber dann gegen die „Klasse“ ausgetauschte) Nation; für die imperiale Sendung. Das Schema ist bekannt – es hat vieles für sich, aber nicht alles.

Eines allerdings läßt sich eindeutig feststellen: die zeitliche Verschiebung der Achsenzeiten. Als erste hat die französische Rechte („Konservative“ in unserem Sinne gibt es in Frankreich nicht) sie erlebt. Die Achsenzeit war dort ein langwieriger, schmerzhafter Ablösungsprozeß, der sich von 1883, dem Todesjahr des letzten „echten“ Bourbonen, bis in die Anfangsjahre dieses Jahrhunderts hinzog. In diesem Zeitraum wurde den aktiven Kräften der französischen Rechten klar, daß das Ancien Régime der Könige und der gallikanischen Kirche nicht wiederhergestellt werden konnte; sie wandten sich nun dem „integralen Nationalismus“ zu. Die deutschen Konservativen passierten die Linie erst nach dem ersten Weltkrieg – dafür aber, ihrem autochthonen Stile gemäß, kurz und heftig. Ab Mitte der zwanziger Jahre glauben nur noch alte Herren und Sonderlinge an eine Wiederherstellung des Kaiserreiches; die jungen Konservativen wenden sich den neuen Realitäten zu. Allerdings finden sie sich da in beunruhigender Nähe zu einer neuartigen Massenbewegung, die sich mindestens einer jener Realitäten, nämlich der nach Identität dürstenden Nation, weit effektvoller anzunehmen weiß.

Die Zäsur von 1945

Diese Vorgeschichte mußte skizziert werden, weil der deutsche Konservatismus nach dem Zweiten Weltkrieg ohne sie nicht verständen werden kann. Die Nullpunkt-Situation von 1945, die zum mindesten geistig eine war, hatte für diesen Konservatismus eine bemerkenswerte Folge: unter ihrem Schock versuchten die Konservativen, die nach 1945 zu Worte kamen, für ihr Land die Passage der Achsenzeit rückgängig, ungeschehen, inexistent zu machen. Man bekannte sich wieder, wenn auch etwas zu betont, zu einem Konservatismus, wie er vor dem „Sündenfall“ geblüht hatte. „Konservativ“ wurde wieder zum hegenden und pflegenden Bewahren des Status quo – obwohl dieser Status quo damals aus zerstörten Städten, fremder Besetzung, Rückfall auf bloße Tauschwirtschaft und einer durch Denunziation regierten Gesellschaft bestand. „Konservativ“ wurde wieder zum Glauben an die Möglichkeit der Restauration von idealistisch gesehenen Epochen der Vergangenheit. Die einen träumten von der Umwandlung Rumpfdeutschlands in eine einzige große Hansestadt mit patrizischem Bürgersinn, hartem Geld in der Kasse, englischen Stoffen am Leibe und draußen auf der Alster einem Segelboot. Anderen wieder schwebte eine Wiederherstellung des alten Heiligen Römischen Reiches mit möglichst wenig deutscher Nation vor, dafür mit vielen gotischen Türmchen; an die Stelle der Offiziere und Beamten sollten Mönche und Humanisten treten, und das Ganze sah man um einen Alpen-Kern zentriert (die „reichsfeindlichen“ Preußen waren ja Gott sei Dank schon von den Russen kassiert).

Das ist natürlich etwas karikiert, aber eben nicht nur. Mancher Konservative hat inzwischen schamhaft weggeschlossen, was er damals auf von der Besatzungsmacht zur Verfügung gestelltes Papier drucken ließ (das Papier was so holzhaltig, daß diese Produkte sich heute zum Teil von selber auflösen). Eines allerdings kam, als zentrale Ingredienz, noch zu jenen Nostalgien hinzu: der Schreck vor „Ideologien“.

„Ideologien“-Schreck

Der Konservative vor der Achsenzeit bedurfte der Ideen oder Ideologien kaum. Schließlich brauchte er so etwas weder zur Bewahrung des Status quo noch zu den Versuchen der Restauration einer großen Vergangenheit; dazu genügten Takt, Stilgefühl, eine Portion Phantasie und dann vor allem Geduld. Zum Intellekt hatte man damals auf konservativer Seite ein instrumentales Verhältnis: er diente in erster Linie zur Abwehr der Ideen der Gegner. Wo es damals Ansätze zu einem konservativen Gedankengebäude gab, etwa bei Joseph de Maistre oder Donoso Cortés, interessierten den Konservativen daran die Argumente gegen die Revolution; die Umreißung der eigenen Ziele schien an ihm vorbeigeschrieben zu sein, war literarische Monstrosität, für die Geschichte oder die Gegenseite verfaßt. Damals kamen jene Topoi auf, die wohl der gesellschaftlich vorbildliche Landadel prägte und die bis heute unter den Konservativen wirksam sind: daß es unfein sei, zu philosophieren, daß das Konservative eine Haltung sei und keine Idee und dergleichen mehr. Der skeptische Aphorismus und die heroisierende Geschichtsschreibung schienen die einzigen für einen Konservativen zulässigen Geistesformen zu sein.

Dem hat die Achsenzeit ein Ende gemacht. Wer darangeht, „Dinge zu schaffen, deren Erhaltung sich lohnt“, kommt ohne gewisse leitende Vorstellungen nicht aus. Er kommt nicht aus ohne Ideen – oder eine Idee, eine Philosophie. Bloß das Wort „Ideologien“ behielt den negativen Beigeschmack, den ihm Napoleon gegeben hatte. Dieser Stand war in Deutschland um die Mitte der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts erreicht. Das Erlebnis des Dritten Reiches und vor allem das Erlebnis des Zusammenbruches von 1945 hat dann für gut zwei Jahrzehnte den Ideologien-Schreck (und damit das Mißtrauen gegen Ideen, Philosophien überhaupt) zu dem die konservativen Quartiere beherrschenden Dogma gemacht.

Man darf die Träger dieses Ideologien-Schrecks nicht zu vereinfacht sehen. Man konnte von sehr verschiedenen Positionen aus und unter dem Druck sehr verschiedener Erlebnisse zum Träger jenes Abwehrreflexes werden. Eine einheitliche Einstellung der Konservativen zum Dritten Reich gab es ja nicht; sie reichte vom Widerstand mit Todesfolge über das Stillhalten und die Anpassung bis zum Überlaufen unter Abschwörung der konservativen Vergangenheit. Wesentlich ist, daß sowohl konservative Gegnerschaft gegen das Dritte Reich wie konservatives Mitläufertum mit anschließendem Katzenjammer den Effekt des Ideologien-Schrecks aufwies. Sowohl der Konservative, der sich im Dritten Reich an die Wand gedrückt fühlte, wie derjenige, der den Tiger zu reiten versucht hatte – beide unterlagen dem gleichen psychischen Mechanismus. Freiwillig, noch vor dem Einsetzen der alliierten Umerziehung, bezeichneten sie die Übermacht, der sie sich gebeugt hatten, mit dem dämonisierenden Namen „Ideologie“. Auch die konservativen Emigranten verwendeten nach ihrer Rückkehr den Namen zur Feindbezeichnung, wenn auch mehr im verächtlichen als im dämonisierenden Sinne. Meist aus gehobenen Positionen stammend, symbolisierte sich die soziale Gleichmacherei des Dritten Reiches (die ja weit radikaler war als die der behutsam auftretenden Weimarer Republik) für sie in der Gestalt des Blockwarts, der seine Machtstellung nicht nur auf seinen Apparat, sondern auch auf eine Ideologie gründete.

Niedersächsische und süddeutsche Variante

Die Facetten, die der vom Ideologie-Schreck besessene Nachkriegskonservatismus zwischen 1945 und dem Beginn der sechziger Jahre annahm, waren stark landschaftlich bedingt. Im Einzugsgebiet der britischen Besatzungsmacht lag es nahe, unverändert den englischen Liberalkonservatismus á la Burke zu übernehmen, bei dem man sich 1945 mit Recht fragen konnte, ob er je eine Achsenzeit gekannt habe (trotz Disraeli). In seiner geschützten Insellage hatte der englische Konservatismus weit konsequenter als der kontinentale auf Ideologiebildung verzichten können. Die im niedersächsischen Umkreis der Deutschen Partei angesiedelten Liberalkonservativen (Prototyp: Hans-Joachim v. Merkatz) beschränkten sich deshalb auf die Pflege des Status quo, obwohl dieser zunächst gar nicht erfreulich war, und erhielten dafür von nachwachsenden jüngeren Konservativen das keineswegs schmeichelhaft gemeinte Etikett „Gärtnerkonservative“ aufgeklebt. In einer Zeit, in der die Deutschen nach geistiger Wegleitung dürsteten, enthielten sie sich unter der Parole „Ich bin konservativ und habe deshalb keine Ideologie“ jeder geistigen Zielsetzung, die über ein bißchen Common sense und Traditionspflege hinausging. Ein folgenreicher Anstoß konnte deshalb aus dieser Ecke nicht kommen. „Konservatismus“ war hier nur noch ein Alibi für den Verzicht auf Politik.

Etwas besser stand es im Rheinland und in Süddeutschland. Hier lag der Rückzug auf die damals, 1945, noch unerschütterte katholische Doktrin nahe. Hier konnte man sagen: „Ich brauche keine Ideologie, denn ich bin Katholik.“ Zum Mittelpunkt dieses Neuaufschwungs des Katholisch-Konservativen wurde die im März 1946 von Johann Wilhelm Naumann in Augsburg gegründete Zeitschrift Neues Abendland; von ihr leitete sich die bei Gegnern übliche Etikettierung dieser Strömung als die der „Abendländler“ ab (wobei „…ländler“ das Ganze in die Provinz und die Vergangenheit abschieben sollte). Beim konservativen Nachwuchs hingegen kam die Charakterisierung dieser süddeutschen Variante als „Demutskonservatismus“ auf, der dem „Gärtnerkonservatismus“ der norddeutschen Liberalkonservativen gegenübergestellt wurde.

Wiedergutmachung

Nun, der eigenartige deutsche Konservatismus, der sich im Vakuum zwischen der Kapitulation von 1945 und der Gründung der Bundesrepublik 1949 herausbildete, war ein weit komplizierteres Gemisch, als sich die jungen Konservativen von heute vorstellen können. Zunächst: die Überzeugung, daß Konservativsein auch eine Art von Buße, von In-sich-Gehen nach einem zur Katastrophe führenden „ideologischen“ Überschwang sei, war nicht aufs katholische und überhaupt nicht nur auf das christliche Lager beschränkt (es gab damals ja auch Ansätze zur Wiederbelebung eines Konservatismus aus protestantischem Glauben). Diese Überzeugung fand sich ebenso bei den von Burke sich ableitenden Liberalkonservativen. Und in allen diesen drei lagern machte sich – weitere Komplikation – eine Ingredienz bemerkbar, die eigentlich der Buße zuwiderlief.

Wir haben bereits davon gesprochen, daß es auch eine konservative Emigration gab, und wir erwähnten, daß es sich dabei zu einem erheblichen Teil um Personen in gehobener Position handelte. Für sie bestand nach der Rückkehr, genauso wie für die 1945 aus dem Gefängnis befreiten Konservativen, kein Grund zur Zerknirschung, denn es war ihnen Unrecht geschehen; sie forderten Rückgabe ihres Eigentums, Wiederherstellung ihrer früheren Position, Bestrafung der Schuldigen. Man hat darum diese Variante den „Wiedergutmachungskonservatismus“ genannt. Und es kann nicht verschwiegen werden, daß dieser Personenkreis, soweit er früheren Führungsschichten (Adel, Wirtschaft) entstammte, ein Element von Klassenkampf mit einbrachte, das nicht gut zur Einebnung so vieler Klassenunterschiede in den vorausgehenden zwei bis drei Jahrzehnten passen wollte. Für Konservative dieser Art war das Dritte Reich nichts als ein Pöbelaufstand, und der Konservatismus hatte für sie die Aufgabe, die alten Hierarchien (auch die rein „gesellschaftlichen“, nicht nur diejenigen der Macht) wiederherzustellen.

Trennung vom „Nationalen“

Wir haben bisher vom Klima des deutschen Nachkriegskonservatismus gesprochen – von jener eigenartigen Mischung aus betulicher Gärtnerei, betroffener Zerknirschung und richterlichem Zorn, die wohl zu gleichen Teilen aus der historischen Situation wie aus der heterogenen personellen Zusammensetzung – reumütige Nationalsozialisten, Mitläufer und Antifaschisten – zu erklären ist. Was aber waren die „Inhalte“, die Optionen dieses Konservatismus? Auch der Ideologie-Schreck, in seiner ganzen affektiven Undurchdachtheit, gehört ja noch zu jenem Klima; er ist bis heute etwas geblieben, worüber man mit älteren Konservativen kaum sprechen kann.

Nur zwei Optionen, eine negative und eine positive, sind deutlich erkennbar, und sie haben den deutschen Konservatismus während mindestens zwei Jahrzehnten geprägt (und prägen einen Teil der Konservativen noch heute): es sind die Entscheidungen gegen das „Nationale“ und für den Antikommunismus. Die erstere betrifft ein hochtabuisiertes Objekt. Die konservativen Bewegungen anderer Länder haben, noch ihrer Loslösung von Thron und Altar, neue Kraft durch ihr Eintreten für die „nationalen“ Forderungen, seien es nun solche der inneren Identität oder solche der äußeren Integrität, geschöpft. Am deutschen Nachkriegskonservatismus jedoch ist auffällig, wie sorgsam er – von den üblichen Lippenbekenntnissen zur Wiedervereinigung abgesehen – das Nationale ausspart. Der deutsche Konservative nach 1945 scheint nur ein Vaterland, nämlich Europa (oder „das Abendland“), zu kennen. Die nationalen Töne werden Kurt Schumacher überlassen oder den nationalliberalen Kräften in der FDP und der Deutschen Partei. Und die Vorsicht der Konservativen in diesen Dingen wurde dann durch die Erfahrung bestätigt, daß im weiteren Verlauf der Bundesrepublik alle Personen und Gruppen, die sich radikal für die „nationalen“ Ziele einsetzten, regelmäßig als „Nationalisten“ (oder Schlimmeres) in eine Getto-Situation gedrängt wurden.

Aus Abstand ist es leicht, die nationale Enthaltsamkeit der Nachkriegskonservativen zu kritisieren. Damals, im besetzten Deutschland, war es für sie wohl der einzige Weg, wenigstens zu begrenzter Wirksamkeit zu kommen. Sowohl der angelsächsische wie der kommunistisch beeinflußte Teil der Weltmeinung hielten nun einmal die deutschen Konservativen für „Steigbügelhalter Hitlers“ und ließen sich in dieser Meinung durch widersprechende Tatsachen nicht beeindrucken. Die deutschen Konservativen waren, wie alle Deutschen, in die Mühle der Vergangenheitsbewältigung geraten und mußten sich nach deren Gesetzen verhalten.

Die antikommunistische Option

Den nötigen Boden unter die Füße suchten die Konservativen durch einen unbeirrbaren Antikommunismus zu gewinnen. Dieser Option stand bei den westlichen Besatzungsmächten zum mindesten seit Ausbruch des Kalten Krieges im Frühjahr 1947 (12. März 1947: „Truman-Doktrin“) kein Veto mehr entgegen. Und der Antikommunismus hat sich denn auch in den folgenden Jahren als die Klammer erwiesen, welche die so verschiedenartigen Fraktionen der Konservativen zusammenhielt. Was sonst hätte damals, beispielsweise, einen Hans-Joachim Schoeps und einen Emil Franzel verbinden können? Der eine wollte allen Ernstes die Hohenzollern-Monarchie, samt Herrenhaus, zurückholen; der andere suchte die politische Weisheit Österreich-Ungarns fruchtbar zu machen, die vom kleindeutschen Geist verdrängt worden war.

Die einseitige Gewichtsverlagerung auf den Antikommunismus hatte allerdings auch erhebliche Nachteile. In Außenstehenden und in Nachwachsenden konnte sie leicht den Eindruck erwecken, die Konservativen wüßten wohl, wogegen sie seien, nicht aber wofür. Wer sah schon, daß in Winfried Martinis beiden Büchern der fünfziger Jahre, die damals als die respektabelsten literarischen Produkte des konservativen Lagers galten, auch eine Staatsphilosophie dieses Carl-Schmitt-Schülers steckte? Was den beiden Bänden zum Erfolg verhalf, war ihr Antikommunismus – und das nicht ohne Grund: mit Ausnahme der KPD und einigen Literaten waren in den Anfängen der Bundesrepublik alle politischen und sonstigen Gruppen antikommunistisch, auch SPD und Gewerkschaften, auch die Kirchen. Damit ist aber bereits der zweite Nachteil dieses antikommunistischen Konsensus der Konservativen genannt: er war damals wirklich nichts, womit sich die Konservativen von ihrer politischen Umwelt unterscheiden konnten; er war nichts, womit man die Notwendigkeit einer konservativen Bewegung beweisen konnte. Und auf das Nationale, das ihnen eine Massenbasis hätte schaffen können, hatten die Konservativen ja verzichtet.

So ist es denn kein Zufall, wenn wir in diesem Bericht über den deutschen Konservatismus nach 1945 fast nur von kleinen Zirkeln, von Publizisten, Büchern und Zeitschriften berichten. Als ins Gewicht fallende politische Organisation hat es den Konservatismus in der Bundesrepublik bisher nicht gegeben. Ein Aufzählen konservativer Elemente in Regionalparteien wie der Deutschen Partei und der CSU führt über die Folklore kaum hinaus. Es ist nun einmal so, daß der Konservatismus dieser Jahre nicht mehr ist als ein Häufchen von Einzelgängern, die eine große Idee in der Hoffnung auf bessere Zeiten wach zu erhalten suchen.

Die große Umarmung

Den Nachkriegskonservatismus, wie wir ihn hier beschrieben haben, gibt es bei der Niederschrift dieses Berichtes nur mehr in Resten. Daneben ist, insbesondere seit der Mitte der sechziger Jahre, ein neuer Konservatismus entstanden, der sich bei den jüngeren Jahrgängen und sogar bei der Jugend Terrain erobern konnte. Dieser neue Konservatismus, auch er vorerst noch eine Angelegenheit von Kleingruppen und Zirkeln, wurde gegen zwei Gefahren erkämpft.

Von der ersten Gefahr haben wir andeutungsweise schon gesprochen: es ist die Luftarmut, die jede reine Weltanschauungspartei bedroht. In den Erinnerungen des Barons Guttenberg (Fußnoten, Stuttgart 1971, S. 140) gibt es eine bezeichnende Anekdote aus dem Herbst 1967. Egon Bahr, der damals zu seiner Ostpolitik ansetzt, sucht den Baron, Prototyp des „Abendländlers“, mit folgenden Worten für sich zu gewinnen: „Sie und ihre Parteifreunde schätzen mich falsch ein. Sie halten mich für unzuverlässig in Sachen Wiedervereinigung. Dabei bin ich eigentlich ein Nationalist.“ Das bringt ihm von seiten Guttenbergs die schneidende Antwort ein: „Sehen Sie, Herr Bahr, dies ist genau der Punkt, an dem sich unsere Wege trennen; ich bin kein Nationalist – ich bin für die Freiheit.“ Guttenberg hat da recht, wie der Nachkriegskonservatismus immer recht hatte: – nämlich durch den Verzicht auf die praktische Politik und damit auf die Verwicklung in die Widersprüche der komplexen Wirklichkeit.

Die zweite Gefahr wurde erst virulent mit der Konsolidierung der Bundesrepublik und besonders mit ihren wirtschaftlichen Erfolgen. Beides verlockte dazu, die Konservativen bei ihrem voreiligen Nachkriegs-Wort zu nehmen, das Konservative bestehe im bloßen Hegen und Pflegen des Status quo. Dafür ein sehr spätes Beispiel. An einer der zahlreichen Tagungen, die im Jahre 1973 sich mit dem neuen Modethema „konservativ“ beschäftigten, hielt Ludolf Herrmann eine geistvolle Conférence. Ihre Pointe war, daß er von jeder politischen oder sozialen Gruppierung – den Parteien, den Interessenverbänden, den Weltanschauungsgruppen, der Presse und wem auch immer – nachwies, daß sie im Grunde „konservativ“ (sprich: für den Status quo) sei. Die unausgesprochene, aber jedem bewußte Schlußfolgerung an die Adresse der wenigen Konservativen im Saal war: was wollt Ihr eigentlich noch als Konservative, wo doch alles um euch herum längst konservativ ist?… Wobei zu Ludolf Herrmann noch nachzutragen ist, daß manche Konservative zu dieser großen Umarmung, in der sie verschwinden, selbst beitragen mit Redensarten, wie: Konservative gibt es in allen Lagern; das Konservative ist eine Veranlagung, die in jedem Menschen steckt und so fort.

Damit aber ist man wirklich in die „liberalkonservative“ Nacht getaucht, in der alle Katzen grau sind. Alle Versuche der letzten zehn, fünfzehn Jahre, den deutschen Konservatismus zu erneuern, waren Versuche, diesem Stimmungs- und Gefühlsbrei, dieser unendlichen Beliebigkeit zu entrinnen. Die drei wichtigsten dieser Anläufe, dem Konservatismus feste Konturen zu geben, seien kurz dargestellt.

Bewältigung der Vergangenheitsbewältigung

Alle drei Anläufe hatten, wenn auch nicht allen Beteiligten voll bewußt, das gleiche Ziel: man wollte jenen konservativen Bewußtseinszustand nach der Achsenzeit zurückgewinnen, den man in der Panik von 1945 über Bord geworden hatte. Aber davor war die Barriere der Vergangenheitsbewältigung aufgerichtet, die den Konservativen einzureden suchte, daß jenes Passieren der Achsenzeit ein frivoler, keineswegs geschichtlich notwendiger Frevel gewesen sei, der entscheidend zur Katastrophe geführt habe. Diese Vereinfachungen mußten die Konservativen zurückweisen, wenn sie den Weg ins Freie gewinnen wollten. Der erste Anlauf, von dem zu berichten ist, war deshalb ein über viele Jahre sich hinziehender Feldzug einzelner Konservativer gegen die Verfälschungen einer falsch angesetzten Vergangenheitsbewältigung. Und nicht zufällig wurden die ersten Vorstöße in dieser Richtung von Männern unternommen, die durch ihr persönliches Schicksal dem unmittelbaren Druck der Umerziehung entzogen waren.

Der erste Vorstoß war ein im neutralen Ausland geschriebenes Buch: meine Basler Dissertation Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932, die in Erinnerung rief, welchen Bewußtseinszustand die deutschen Konservativen vor Hitler erreicht hatten. Ihr Erscheinen in Stuttgart im Herbst 1949 löste gerade unter den Nachkriegskonservativen Unruhe aus. Der nächste Vorstoß kam von seiten eines Mannes, der damals als aus der Emigration zurückgekehrter deutscher Jude noch Narrenfreiheit genoß: es war die berühmte Schrift Die Ehre Preußens von Hans-Joachim Schoeps, die 1951 ebenfalls bei Friedrich Vorwerk in Stuttgart erschien. In ihr wurde nicht nur die erste Lanze für das rundum verketzerte Preußen gebrochen; mit ihrem Anknüpfen an Bismarcks Gegner, die Brüder Gerlach, zog sie einen Konservatismus ans Licht, der ein extremer Gegensatz weniger zu Burke selbst als zu dessen simplifizierenden, theoriefeindlichen Epigonen war. Den dritten Stoß führte dann, einige Jahre später, ein Österreicher, nämlich Kurt Ziesel, der 1958 mit dem Buch Das verlorene Gewissen einen ebenso wilden wie mutigen Feldzug gegen die Heuchelei so vieler Päpste der Vergangenheitsbewältigung begann. Als erster wies Ziesel systematisch nach, daß die Geschichtsklitterungen, die gerade den Konservativen so viel zu schaffen machten, zum größten Teil Tarnungsmanöver früherer Hitler-Anbeter waren, die damit von ihren Sünden ablenken wollten.

Generationswechsel

Die Bedeutung der ausländischen Sprecher des deutschen Konservatismus – auf anderen Gebieten wären noch die Österreicher Robert Ingrim und Erik v. Kuehnelt-Leddihn, der Amerikaner William S. Schlamm zu nennen – schwächte sich jedoch mit dem Heranwachsen einer unbelasteten Generation unter den deutschen Autochthonen ab. Daß die Auseinandersetzung mit der Vergangenheitsbewältigung in innerdeutsche Hände überging, wurde spätestens 1965 beim Erscheinen der Charakterwäsche von Caspar v. Schrenck-Notzing deutlich, die trotz Totschweigens durch die Presse ein Bestseller wurde. Allerdings war auch diese Durchleuchtung der unter amerikanischen Flagge durchgeführten Umerziehung der Deutschen noch unter Ausnahmebedingungen entstanden: ihr Verfasser entstammte einer bekannten Familie des adeligen Widerstandes gegen Hitler.

Der sozusagen biologische Tod der Vergangenheitsbewältigung, zum mindesten unter den Konservativen, ist darum noch etwas später anzusetzen. Gegen Ende der sechziger Jahre machten sich in der konservativen Publizistik junge Kräfte bemerkbar, die offensichtlich völlig frei waren von der vorsichtigen und bußfertigen Kasuistik der Älteren. Die hervorstechendsten Beispiele sind die 1968 erschienene, vehemente Kampfschrift Der Atomsperrvertrag. Die Supermächte verteilen die Welt des frühverstorbenen Marcel Hepp und dann 1970 das erste, von Hartwig Singer und anderen herausgegebene Bändchen einer Schriftenreihe Junge Kritik, mit der sich eine Junge Rechte vorstellte (man zog dort den Begriff „rechts“ dem Begriff „konservativ“ vor, worunter man sich nur Demuts- oder Gärtnerkonservatismus vorstellen konnte). Diesen Schriften ist etwas gemeinsam, was man unter den Älteren höchstens bei Autoren wie Johannes F. Barnick (Deutschlands Schuld am Frieden, 1965) oder Hans-Dietrich Sander finden kann, die selbst im Kreis der Konservativen schon wieder Einzelgänger sind: ein natürliches Ineinandergehen von konservativen und nationalen Impulsen, als habe es nie die traumatischen Erlebnisse von 1945 gegeben.

Die gaullistische Versuchung

Der zweite Anlauf zur Umwandlung des deutschen Nachkriegskonservatismus kam aus Frankreich. Wir meinen die gaullistische Welle, die in der ersten Hälfte der sechziger Jahre von dort herüberzüngelte und die deutschen Konservativen beunruhigte (und zum Teil untereinander entzweite). Das Verhältnis der meisten von ihnen zu de Gaulle war recht zwiespältig. Die historische Größe dieses Mannes beeindruckte sie, aus der Zeit des Kalten Krieges haftete ihm ja noch der Ruf eines scharfen Gegners der Kommunisten an, aber was im Elysée-Vertrag vom Januar 1963 auf die Deutschen zukam, verwirrte die allermeisten deutschen Konservativen sehr. Hatte de Gaulle nicht seinen Antikommunismus inzwischen aufgegeben?

Natürlich hatte de Gaulle seinen Antikommunismus nicht aufgegeben. Aber er hatte begriffen, was sich weltpolitisch mit der Konferenz von Bandung im April 1955, d.h. mit dem Selbständigwerden der „Dritten Welt“, verändert hatte. Mit der Loslösung Pekings von Moskau war es vorbei mit der so übersichtlichen Spaltung der Welt in eine kommunistische und eine nichtkommunistische Hälfte, in der die ideologische (innenpolitische) Option sich fugenlos mit der außenpolitischen Option deckte. Seit es zwei verschiedene Kommunismen gab, konnte man nur noch innenpolitisch Antikommunist sein; außenpolitisch mußte man sich mit dem weniger gefährlichen Kommunismus (sprich: dem entfernteren Kommunismus) gegen den näheren und darum gefährlicheren verbünden. Seit sich nicht mehr zwei monolithische Blöcke einsam gegenüberstanden, sondern das weltpolitische Spiel wieder kompliziert, „pluralistisch“ geworden war, mußte man als Europäer damit rechnen, daß für Moskau und Washington die direkte Verständigung untereinander zum mindesten streckenweise wichtiger werden konnte als die Rücksicht auf mittlere und kleinere Mächte. Aus diesen Gründen hatte sich denn auch der Gaullismus resolut von der Weltanschauungspartei weg entwickelt, die er während des Kalten Krieges (1947–1955) in Form des RPF (Rassemblement du Peuple Français) gewesen war.

Die deutschen Konservativen hingegen klammerten sich an das starre Korsett der Weltanschauungspartei, an das sie nun einmal gewöhnt waren. Von den beiden Politikern, die als zugleich konservativ und „gaullistisch“ galten, hatte der Baron Guttenberg jene gaullistische Gedankenwendung nie begriffen; der instinktsichere Franz Josef Strauß hatte sie wohl begriffen, dosierte sie aber vorsichtig in einzelnen Reden. Ehe Nixon in Peking gewesen war, ging kein deutscher Politiker, trotz zahlreicher chinesischer Avancen, dorthin, und als, nach Nixon, endlich einer ging, war es Schröder, der bittere Hasser des Gaullismus. Im konservativen Lager selbst verhielt man sich nicht anders. Insbesondere die älteren Konservativen weigerten sich beharrlich, zur Kenntnis zu nehmen, daß der schützende Flügel des amerikanischen Adlers weggezogen war und man sich nun an die Unsicherheiten eines zugleich freieren und chaotischeren Zustandes gewöhnen mußte. Auch als die USA gemeinsam mit der Sowjetunion über ihre bundesdeutschen Lobbyisten die Unterzeichnung der Ostverträge erzwangen, hielt man dort am Schema von dem bösen Moskau, dem mißtrauisch zu beobachtenden Paris und dem treuen Helfer Washington fest.

Unter diesen Umständen konnte sich die gaullistische Literatur innerhalb der konservativen Publizistik nur in Form von Freischärler-Aktionen, mit Wirkungen eher auf die jüngeren Konservativen, entwickeln. Verfaßt wurde sie in der Hauptsache von Autoren, die einen Teil ihres Lebens in Frankreich verbracht und dort „Politik“ gelernt hatten (nicht „Politologie“). Es sind vor allem zwei Publikationen des Jahres 1965: mein Buch Was die Deutschen fürchten, und dann die auf das Militärische begrenzte Schrift Escalation oder eigene atomare Verfügung von einem „Johannes Lorando“, hinter welchem Pseudonym sich Baron Elimar v. Fürstenberg, der Herausgeber der einzigen gaullistischen Pressekorrespondenz in der Bundesrepublik (Politische Korrespondenz, Bonn, um 1963/65), verbarg.

Das Bäumchenwechsel-Jahr 1968

Der gaullistische Impuls der ersten Hälfte der sechziger Jahre wirkte nur auf Umwegen, führte zu keinem „Durchbruch“ – dem stand, auch im konservativen Lager, die weltanschauliche Trunkenheit und der mangelnde Sinn der Deutschen für das spezifisch Politische entgegen. Ein anderer Schub, der in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre einsetzte, war wirkungsvoller, weil er das deutsche Bedürfnis an „Grundsätzlichem“ besser befriedigte. Ein allgemein akzeptierter Name für diesen Vorgang liegt nicht vor, denn der von Martin Greiffenhagen (Das Dilemma des Konservatismus in Deutschland, 1971) durchgesetzte Terminus „technokratischer Konservatismus“ trifft nur die eine Seite der Medaille.

Sichtbar wurde das, was wir meinen, 1968, als die lange schon glimmende Anarchorevolte durch die Oberfläche schlug. Es kam damals zu einem eigenartigen Bäumchenwechseln. Mit Ausnahme der (zahlenmäßig in der Bundesrepublik nicht bedeutsamen) kommunistischen Orthodoxie Moskauer Observanz schlug sich die Neue Linke auf die Seite der Feinde der industriellen Gesellschaft. Sie verzichtete für ihren Teil auf den der Linken üblicherweise anhaftenden Nimbus, an der Spitze des technischen Fortschritts zu stehen, und übernahm als Ersatz dafür die (letzten Endes auf Nietzsche zurückgehende) konservative Zivilisationskritik – und zwar in Form jenes Kampfes um „Lebensqualität“, den Friedrich Georg Jünger unmittelbar nach der Katastrophe von 1945 als erster aufgenommen hatte (Die Perfektion der Technik, 1944 und 1946). Die bis dahin als grundsätzlich technikfeindlich geltenden Konservativen hingegen schienen sich plötzlich in entschiedene Bejaher der technischen Welt verwandelt zu haben. (Was zur Charakterisierung dieses Zweiges als „technokratischer Konservatismus“ führte.)

Nur, so einfach war der Vorgang auf konservativer Seite nicht. Sowohl die unbedingte Ablehnung der Technik wie auch deren Verherrlichung waren dort stets Randpositionen. (Eigenartig, daß beide Positionen am radikalsten von den Brüdern Jünger bezogen wurden: Friedrich Georg Jüngers Perfektion der Technik steht in Ernst Jüngers Buch Der Arbeiter von 1932 eine Mythologisierung der Technik gegenüber.) In ihrer Gesamtheit haben die Konservativen im Lauf der letzten 25 Jahre den kritischen Abstand zur Technik, die Wertung der technischen Zivilisation von einem supratechnischen („zeitlosen“) Standpunkt aus nie aufgegeben. Aber sie haben während dieses Zeitraums doch gleichzeitig immer intensiver sich mit der Frage beschäftigt: was ist an Technik unbedingt notwendig, wenn wir den erreichten sozialen Status wahren und darüber hinaus unsere physische Existenz sichern wollen?

Das konservative Bemühen, die richtige Mitte zwischen den Polen von Technikverneinung und Technikverherrlichung zu finden, drückt sich zunächst in dem ersten nach 1945 erschienenen Sammelwerk dieses Lagers aus, in dem von Hans Freyer, Johannes Chr. Papalekas und Georg Weippert herausgegebenen Band Technik im technischen Zeitalter von 1965. Akut wird das Problem mit der Revolte von 1968, die gerade in ihrer Theatralik die Verletzlichkeit der technischen Zivilisation ins Bewußtsein rückt. In der nun einsetzenden Diskussion wird zum ersten Male die intellektuelle Überlegenheit des konservativen Lagers über die in rousseauistischen Schablonen verharrende Linke sichtbar. Die Sprecher der Konservativen sind nun auch nicht mehr die zerknirschten Ideologen der Niederlage. Es hat sich ein entscheidender Personalwechsel vollzogen.

Der Einzug der Wissenschaftler

Nach den landläufigen kitschigen Vorstellungen, wie sie der etwas antiquierten Jugendbewegtheit des Jahrhundertanfangs entsprungen sind, steht der dem Irrationalen „verhaftete“ Konservative gegen den Linken als den Verbündeten der rationalen, aber „toten“ Wissenschaft. Die Anarchorevolte der sechziger Jahre hat auch hierin merkwürdig verkehrte Fronten provoziert. Auf der immer derwischhafter sich gebärdenden Linken ist die Berufung auf die Ratio so ziemlich das letzte, was von der Ratio übriggeblieben ist. Für die Konservativen hingegen sprechen nun nüchterne Wissenschaftler wie Arnold Gehlen und Ernst Forsthoff; in entwaffnender Weise antworten sie auf den leidenschaftlichen Utopismus mit kühlen (und manchmal etwas zynischen) Analysen.

Dieser Einzug der Wissenschaftler ins konservative Lager ist von den drei Vorgängen, die den deutschen Konservatismus verwandelten und noch verwandeln, zweifellos der wichtigste und folgenreichste. Er vollzieht sich in Schüben. Einer der frühesten war wohl die Fernwirkung des Staatsrechtlers Carl Schmitt, der seit 1945 in selbstgewählter Einsamkeit im Sauerland lebt. Er hat mit seinen Schriften unterirdisch eine eigenwillige Schülerschaft geprägt – von Forsthoff bis zu den politischen Publizisten Rüdiger Altmann und Johannes Gros –, die weniger durch bestimmte Inhalte als vielmehr eine besondere Art des Zugriffs auf menschliche Wirklichkeiten untereinander verbunden ist.

Der sichtbarste Zustrom kam bisher aus der Soziologie, die zu Unrecht als „linke“ Wissenschaft gilt. Der eigentliche Ahnherr des soziologischen Einflusses auf den deutschen Konservatismus von heute ist mit seiner Theorie des gegenwärtigen Zeitalters (1955) der 1969 verstorbene Hans Freyer – einer der wenigen Überlebenden der „Konservativen Revolution“ aus der Zwischenkriegszeit, der 1945 nicht abschwor. Auch das eigentliche Schulhaupt des modernen Konservatismus von heute ist hierher zu rechnen, der Philosoph, Anthropologe und Soziologe Arnold Gehlen. Auf dem Höhepunkt der Kulturrevolution leistete er sich den Spaß, mit 65 Jahren sein erstes unmittelbar politisches Buch zu schreiben (Moral und Hypermoral, 1969) – es wurde daraus, obwohl nicht „leicht“ eingängig, der glänzendste und hintergründigste Text zugleich, den der deutsche Konservatismus seit 1945 hervorgebracht hat. Überhaupt widerlegen diese Soziologen noch ein anderes Vorurteil über ihre Wissenschaft: daß sie unverdauliche Literatur produziere. Das demonstriert auch das umfangreiche politische Opus des Soziologen Helmut Schoeck, das eine feste angelsächsische Art von gelassenem Humor kultiviert; sie gipfelt in Der Neid. Eine Theorie der Gesellschaft (1966), einer neuartigen Sozialtheorie, welche die utopischen Gesellschaftmodelle wie Seifenblasen an den harten Kanten der Fakten platzen läßt.

Anima naturaliter conservativa

Schoeck bezeichnet sich selber übrigens als einen Liberalen. Haben wir ihn zu Unrecht für das konservative Lager annektiert? Es gibt eine ganze Reihe von Gelehrten, die dem Bekenntnis nach keine Konservative sind, aber mit ihrer Wissenschaft den Konservativen von heute die Argumente liefern. Das trifft vor allem auch auf einen weiteren „Schub“ von Wissenschaftlern zu, die für die Umstrukturierung des deutschen Konservatismus bedeutsam geworden sind – nämlich für die Verhaltensforscher. Bekanntlich hat sich keiner der großen Verhaltensforscher von heute zum Konservatismus bekannt; sie setzen sich sogar betont von solchen Eingemeindungen ab. Das ändert jedoch nichts daran, daß die von ihnen gewonnenen Erkenntnisse sich in den letzten Jahren als der wirksamste Motor der Umwandlung des Konservatismus erwiesen haben.

Worum geht es bei dieser Umwandlung? Der deutsche Konservatismus der ersten Nachkriegsjahre war ein höchst domestizierter Konservatismus, der kaum mehr Wirklichkeit faßte und völlig unpolitisch geworden war; im Grunde war er nichts außer einer Handvoll Nostalgie. Die Verbindung zur Zeit vor dem Dritten Reich, in welcher der Konservatismus zum letzten Male geblüht hatte, war hart abgebrochen, und es erwies sich als fast unmöglich, wieder Brücken dorthin zurück zu konstruieren. Wenn aber die Tradition des Konservatismus abgerissen war – gab es dann nicht einen dritten Weg, zu den bereits Mitte der zwanziger Jahre errungenen Einsichten zu finden? Oder, mit anderen Worten: War das Konservative nicht mehr als eine bloße Lehrtradition? Gibt es nicht so etwas wie eine anima naturaliter conservativa, auf die wir ohne historische Umwege stoßen, wenn wir den Menschen und die von ihm geschaffenen Gebilde vorurteilslos betrachten und untersuchen?

Das aber ist es, was jene „realistische“ Schule der Wissenschaft für den Konservatismus von heute geleistet hat – jene Schule, die der Wirklichkeit keine Abstraktionen überstülpt, sondern das „Nicht-Aufgehen“, die Komplexität der Wirklichkeit schon in ihren methodischen Ansatz einbezieht. Also, um es mit Namen zu sagen, die Schule, die von Vico und Pareto herkommt, von Georges Sorel und Max Weber, und die der „idealistischen Desorganisation“ (Sorel dixit) ein Ende gemacht hat. Was die Demontage der „Vergangenheitsbewältigung“ allein nicht schaffen konnte und was natürlich auch der im deutschen Tiefsinn steckengebliebene gaullistische Elan nicht geschafft hat, das leistet nun der unerwartete und erstaunliche Sukkurs aus der Wissenschaft. Er hilft dem deutschen Konservatismus, ohne Eklektizismus, sozusagen aus der Empirie, die im Schock der Katastrophe fortgeworfenen Denkansätze wiederzugewinnen und zu neuen Ansätzen vorzustoßen.

  1. Aus der Distanz wird sichtbar, daß der innerdeutsche Widerstand gegen die institutionalisierte Vergangenheitsbewältigung bereits Anfang der 50er Jahre mit zwei als „Komik“ getarnten Bestsellern beginnt: mit Ernst von Salomon, Der Fragebogen (1951), und Joachim Fernau, Deutschland, Deutschland über alles … (1952). Schrenck-Notzing (Jahrgang 1927) kommt allerdings der Verdienst zu, als erster aus den „unbelasteten“ Jahrgängen das Wort ergriffen zu haben.
  2. Diese Hoffnung auf ein natürliches Absterben der ohnehin etwas erlahmenden Vergangenheitsbewältigung war damals weit verbreitet. Auch der Schreibende ahnte nicht, daß bald Deutsche sich mit deutscher Gründlichkeit der Sache annehmen würden. Es waren die Radikalen aus der ersten Friedensgeneration, die mit ihrem Neo-Marxismus nicht viel Erfolg hatten außerhalb des Kreises ihrer ebenfalls sich langweilenden Freunde. Wie brachte man die schlich tüchtigen Eltern dazu, ihre Sessel endlich für ihren Nachwuchs zu räumen? Bis man sich entsann, daß Papa und Mama stets rot wurden, wenn man sie nach dem Dritten Reich fragte. Endlich hatte man etwas, worin die Alten einem nicht über waren: die Moral …
  3. Der Schreibende schrieb damals „gaullistische“ Reden für Strauß. Die dieser jedoch regelmäßig auf „abendländisch“ umschrieb. Ein einziges Mal hielt er, in Chicago, eine Rede, die den amerikanischen Gastgebern den Ruf entlockte, jetzt sei Strauß ein „richtiger Gaullist“ geworden. Er hatte jedoch bloß keine Zeit mehr gefunden, die Rede im Flugzeug umzuschreiben.

 

Bibliographie zum deutschen Konservatismus seit 1945

Vorbemerkung

Da es sich zu einem erheblichen Teil um seltene oder gar verschollene Schriften handelt, werden auch die Seitenzahlen und die Verlagsnamen angegeben (die letzteren durch die nachstehend aufgeschlüsselten Abkürzungen, die Verlagsort und Verlagsnamen zugleich enthalten). Bei jeder bibliographischen Angabe folgen auf Autorennamen und Buchtitel in Klammern: Erscheinungsjahr, ev. mit Auflagenzahl (z.B. 1923-2) / Verlag, ev. mit Bandzahl der betreffenden Reihe (ROM-S 18) / Seitenzahl.
Abkürzungen

ACK = Ackermann-Gemeinde, München
AKT = verlag aktuelle texte gmbh, Rottweil a.N.
ALB = Verlag Karl Alber, Freiburg i.Br.
ANG = Angelsachsen-Verlag, Bremen
ARG-A = (Buchreihe) Das Argus-Alphabet, Argus-Verlag, Opladen
ART = Artemis Verlag, Zürich
ATH = Athenäum Verlag, Bonn, später Frankfurt a.M.
BAC = Verlag J.P. Bachem, Köln
BEC = Verlag C.H. Beck, München
BEC-R = Beck’sche Schwarze Reihe, do Verlag
BEN = Benziger Verlag, Zürich
BER = Bertelsmann Universitätsverlag, Düsseldorf
BGR = Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen, Frankfurt a.M.
BIB = Verlag bibliotheca christiana, Bonn
BLI = blick + bild Verlag für politische Bildung, Velbert
BOG = Bogen Verlag, München
BOL = Harald Boldt Verlag, Boppard a.Rh.
BRO = Verlag Georg Brod, Wolfsberg in Kärnten
CAL = Verlag Georg D.W. Callway, München
CUR = Cura Verlag, Wien
DAL-T = Dalp-Taschenbücher, Lehnen Verlag, München
DES = Verlag Deutsch-Europäischer Studien, Hamburg
DEV = Deutsch-Europäische Verlagsanstalt, Ulm
DHZ = Verlag der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung, Tübingen
DIE = Diederichs Verlag, Düsseldorf
DNV = DN-Verlag (Deutsche Nachrichten), Hannover
DRO = Droste-Verlag, Düsseldorf
DSA = Deutscher Studenten-Anzeiger, Coburg
DUL = Hans Dulk Verlag, Hamburg
DUN = Verlag Duncker & Humblot, Berlin
DVA = Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart
ECH = Echter-Verlag, Würzburg
ECK-S = Eckart-Schriften, Wien
ECO = Econ Verlag, Düsseldorf
EUR = Europa Verlag, Zürich
EVA = Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt a.M.
FRA = Verlag Fragmente, Hamburg
FRE = Fretz & Wasmuth Verlag, Zürich
FRO = Verlag A. Fromm, Osnabrück
GKP = Gesellschaft für konservative Publizistik, Bad Godesberg
GOT = Göttinger Verlagsanstalt für Wissenschaft und Politik Leonhard Schlüter, Göttingen
GRE = Grenzland-Verlag Rock & Co., Wolfenbüttel
GRO = G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Hamm
HAD = Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung, Berlin
HAP = Verlag Paul Haupt, Bern
HAS = v. Hase & Koehler Verlag, Mainz
HCA = Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
HEN = A. Henn Verlag, Ratingen
HEO = Verlag Herold, Wien
HER = Verlag Herder, Freiburg i.Br.
HER-B = Herder-Bücherei, Freiburg i.Br.
HIG = Herbig Verlag, Berlin, später München
HOH = Hohenstaufen Verlag, Bodman a. Bodensee
HOL = Holzner Verlag, Würzburg
ILM = Ilmgau Verlag, Pfaffenhofen a.d. Ilm
INN = Inn-Verlag, Innsbruck
ISA = Isar Verlag, München
JOH = Johannes Verlag, Einsiedeln
KER = F. H. Kerle Verlag, Heidelberg
KIE = Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln
KLE = Ernst Klett Verlag, Stuttgart
KLO = Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a.M.
KNA = Druckerei K. Knauf, Weiden Opf.
KOH = W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart
KOR = Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn, München
KOS = Kösel-Verlag, München
LAM = Albert Langen – Georg Müller Verlag, München
LAN = Verlag Langewiesche-Brandt, Ebenhausen bei München
LEH = J. F. Lehmanns Verlag, München
LIM = Limes Verlag, Wiesbaden
LIS-T = List Taschenbücher, List Verlag, München
LNE = Leo Lehnen Verlag, München
LUB = Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach
LUC = Luchterhand Verlag, Neuwied a. Rh.
LUK = Verlag Luken & Luken, Nürnberg
MOH = Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh
MOL = Verlag Fritz Molden, Wien
MSI = Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen
MUL = Otto Müller Verlag, Salzburg
MUS = Musterschmidt-Verlag, Göttingen
NAT = National-Verlag, Hannover
NAU = Verlag Johann Wilhelm Naumann, Augsburg, später Würzburg
NEA = Verlag Neues Abendland, München
NOM = Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden
NOS = D. van Nostrand Comp., Inc., Princeton N. J.
NOT-B = Beihefte der „Nachrichten“ der Notgemeinschaft Evangelischer Deutscher, Bernhausen
NYM = Nymphenburger Verlagshandlung, München
OLD = Verlag R. Oldenburg, München
OLZ = Günter Olzog Verlag, München
PET = Verlag Dr. Hans Peters, Honnef
PFH = Hans Pfeiffer Verlag, Hannover
PFJ = Verlag J. Pfeiffer, München
PIP = R. Piper & Co., Verlag, München
PIP-S = Serie Piper, do Verlag
POD = Podzun-Verlag, Bad Nauheim
PRI = Privatdruck
PRO = Propyläen Verlag, Berlin
PUB = Public Affairs Press, Washington D. C.
PUS = Anton Pustet Verlag, München
RAY-K = Walter-Raymond-Stiftung, Kleine Reihe (Herstellung: Bachem)
RAY-V = Veröffentlichungen der Walter-Raymond-Stiftung, Westdeutscher Verlag, Köln
REN = Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Zürich
ROE = Eduard Roether Verlag, Darmstadt
ROM-H = rombach hochschul paperback, Verlag Rombach, Freiburg i.Br.
ROM-S = Sammlung Rombach / Neue Folge, do Verlag
ROW = Rowohlt Verlag, Hamburg, später Reinbek bei Hamburg
ROW-D = rowohlts deutsche enzyklopädie, Rowohlt Taschenbücher
RUT = Rütten + Loening Verlag in der Scherzgruppe, München
SEE = Seewald Verlag, Stuttgart
SIE = Verlag Hans Siep, Hamburg
SIG-T = Signum Taschenbücher, Signum Verlag, Gütersloh
SOC = Societäts-Verlag, Frankfurt a.M.
SCHEF = Verlag Heinrich Scheffler, Frankfurt a.M.
SCHIL = Verlag Joachim Schilling, Düsseldorf
SCHLI = Verlag Fritz Schlichtenmayer, Tübingen
SCHÜT = Verlag K. W. Schütz, Hannover
STAL = Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg i.O.
STAN = Staneck Verlag, Berlin
STGR = Steingrüben Verlag, Stuttgart
THO = Thomas Verlag, Zürich
ULL = Ullstein Verlag, Frankfurt a.M.
ULL-T = Ullstein Taschenbücher, Frankfurt a.M.
VOR = Friedrich Vorwerk Verlag, Stuttgart
WAN = Eduard Wancura Verlag, Wien u. Köln
WBG = Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt
WDF = Westdeutscher Verlag, Köln
WEI = Verlag Peter Weiss, Köln
WIN = Verlag Winfried-Werk, Augsburg
WIT = Eigenverlag des Witikobundes, München
WUP = Verlag Wissenschaft und Politik, Köln
ZEI = Zeitbühne-Verlag, München u. Zug/Schweiz

Übersichtswerke

Eine Geschichte des deutschen Konservatismus gibt es noch nicht. Die Beschäftigung mit ihm hat deshalb anzusetzen bei einem Buch, das die Probleme zwischen 1780 und heute entwickelt und eine Bibliographie von 32 Seiten enthält: Martin Greiffenhagen, Das Dilemma des Konservatismus in Deutschland (1971/PIP/405). Vgl. dazu die Anthologie desselben Autors: Konservatismus in Deutschland in den Quellen- und Arbeitsheften zur Geschichte und Gemeinschaftskunde (1972/KLE/88) sowie die zusammen mit Helga Grebing, Johann Baptist Müller, Christian Graf v. Krockow verfaßte Schrift Konservatismus – Eine deutsche Bilanz (1971/PIP-S/142). Den deutschen und den ausländischen Konservatismus zugleich umfassen die beiden von Gerd-Klaus Kaltenbrunner herausgegebenen Sammelwerke Rekonstruktion des Konservatismus (1972/ROM-S/614) und Konservatismus international (1973/SEE/300). Was die Übersichten über einzelne Epochen des deutschen Konservatismus betrifft, so ist das Material über die Konservative Revolution zusammengestellt in Armin Mohler, Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch. Zweite Fassung (1972/WBG/XXX 554). Der erste Anlauf zu einer Gesamtdarstellung der Phase nach 1954 ist Helga Grebing, Konservative gegen die Demokratie. Konservative Kritik an der Demokratie in der Bundesrepublik nach 1945 (1971/EVA/466). Dieses materialreiche Buch läßt sich jedoch nach eigenem Geständnis durch die im Titel ausgedrückte vorgefaßte Meinung zur Manipulation verleiten (S. 232: „… manche Aussage mag sich – zugegeben – im aufgefundenen Kontext viel harmloser, viel weniger beunruhigend, ja durchaus einsehbar ausnehmen als innerhalb dieser ‚Montage‘…“); außerdem fehlen viele wesentliche Autoren, vor allem die großen Antikommunisten (Ingrim, Schlamm, Walden, aber auch Studnitz und Ziesel). Die gleiche Tendenz in dem Aufsatz Antidemokratisches Denken in der Bundesrepublik in Kurt Sontheimer, Deutschland zwischen Demokratie und Antidemokratie (1971/NYM/275). Wir verzichten hier auf die Aufnahme der ausgedehnten Kampfliteratur gegen den „Rechtsextremismus“ in der Bundesrepublik, in der auf weite Strecken Konservative unterscheidungslos mit Rechtsextremisten in einen Topf gesteckt werden. Zur Abgrenzung gegenüber dem Liberalismus nützlich die wissenschaftliche Untersuchung von Egon Edgar Nawroth, Die Sozial- und Wirtschaftsphilosophie des Neoliberalismus (1961/KER/XX, 471). Mit diesen Angaben über aus Abstand geschriebene Literatur zu unserem Thema lassen wir es begnügen (viel gibt es ohnehin nicht) und wenden uns nun ausschließlich der Eigenliteratur der deutschen Konservativen seit 1945 zu.

Konservative Sammelwerke

Vor 1945 waren eines der wichtigsten publizistischen Ausdrucksmittel der Konservativen die Sammelwerke, in denen sie als Gruppe zu bestimmten Themen Stellung nahmen. Nach 1945 haben sie sich dieses Mittels kaum bedient. Zwar sind aus dem Umkreis der katholisch-konservativen „Abendländler“ die gesammelten Vorträge der Jahrestagungen 1953 bis 1956 der „Abendländischen Akademie“ zu nennen: Der Mensch und die Freiheit (1953/NEA/147); Staat, Volk, übernationale Ordnung (1954/NEA/159); Das Abendland im Spiegel seiner Nationen (1955/NEA/144); Konservative Haltung in der politischen Existenz (1956/NEA/110), doch haftet den Bänden die Zufälligkeit dieser speziellen Gattung an. Von den beiden einzigen Sammelwerken im zunächst genannten Sinne ist dem für die Konservativen so wichtigen Verhältnis zur Technik gewidmet der von Hans Freyer, Johannes Chr. Papalekas und Georg Weippert herausgegebenen Band Technik im technischen Zeitalter. Stellungnahmen zur geschichtlichen Situation (1965/SCHIL/414). Enzyklopädische Absichten hat der die verschiedensten Sachgebiete behandelnde, von Siegfried Kappe-Hardenberg zusammengestellte Band Wohin treibt Deutschland? (1973/BLI/392), dessen Mitarbeiter von Pascual Jordan und Günter Zehm bis zu Richard W. Eichler reichen. Bereits am Rande des traditionellen Konservatismus befinden sich die Bände 1-3 der Reihe Junge Kritik, in der eine „Junge Rechte“ um Hartwig Singer (Pseudonym für Henning Eichberg), Michael Meinrad, Gert Waldmann, Fritz Joss ihre Positionen abzustecken sucht: Nationalismus heute (1970/DSA/118); Leistungsgemeinschaft (1971/DSA/120); Europäischer Nationalismus ist Fortschritt (1973/DES/132). Indirekt zum deutschen Konservatismus beigetragen haben sechs Sammelwerke, die H. Schoeck während seines USA-Aufenthaltes zusammen mit James W. Wiggins herausgegeben hat und auf denen seine spätere publizistische Tätigkeit basiert: Foreign aid reexamined (1958/PUB/X, 250); Scientism and values (1960/XVI, 270); Relativism and the study of Man (1961/NOS/X, 259); Psychiatry and responsability (1962/NOS/XIV, 238); The New Argument in Economics. The public versus the private sector (1963/NOS/XII, 264); Central planning and Neomercantilism (1964/NOS/XII, 227). In diesen sechs Bänden, an denen Männer wie Ludwig von Bertalanffy, Ludwig v. Mises, Leo Strauss mitgearbeitet haben, findet sich bereits eine Summa des Liberalkonservatismus.

Konservative Zeitschriften

In den Jahren unmittelbar nach 1945 war die wichtigste Zeitschrift Neues Abendland. Zeitschrift für Politik, Kultur und Geschichte, hrsg. v. Johann Wilhelm Naumann, die im März 1946 in Augsburg gegründet wurde und 1958 in München mit dem 13. Jg. einging. Sie ist das zentrale Sprachrohr der Katholisch-Konservativen. Die liberalkonservative Variante des Nachkriegskonservatismus hat etwas Entsprechendes nicht aufzuweisen. Das liegt wohl auch daran, daß zwischen ihm und der öffentlichen Meinung der fünfziger Jahre ein stillschweigender Konsensus bestand, der ein eigenes Organ entbehrlich sein ließ. Die geistige Entwicklung des nichtkatholischen Konservatismus muß vor allem in den Zeitschriften Merkur und Der Monat verfolgt werden, die sich bis zum Ausbruch der Kulturrevolution nicht scheuten, Grundsatz-Artikel der führenden Konservativen zu drucken. Seit 1970 hat sich eine breite konservative Zeitschriftenliteratur entwickelt. Ausgesprochene Intellektuellen-Organe sind Criticón. Konservative Zeitschrift (seit 1970/KNA), hrsg. v. Caspar v. Schrenck-Notzing und Hanns Klatz, und Scheidewege. Vierteljahresschrift für skeptisches Denken (seit 1971/KLO), hrsg. v. Friedrich Georg Jünger und Max Himmelheber; die erstere für alle Fraktionen des Konservatismus offen, die letztere auf den die technische Zivilisation schroff ablehnenden Kreis der Heidegger-Nachfolge und des jüngeren der Brüder Jünger beschränkt. Allgemeinverständlicher ist die von William S. Schlamm 1972 gegründete Monatszeitschrift Zeitbühne (ZEI), die sich 1973 durch eine Erweiterung ihres Mitarbeiterstabes von einer reinen W.-S.-S.-Postille wegentwickelt hat, die sie zu Anfang war; für einen noch weiteren Kreis ist Konservativ heute (seit 1970/GKP), begründet von Hans-Joachim v. Rohr, heute von Klaus Motschmann geleitet. Auch die bereits erwähnte Junge Rechte hat zahlreiche, allerdings oft nur kurzlebige Organe. Als beständig erwiesen sich die Zweimonatsschrift Junges Forum (DEV), mit auffälligen Tendenzen eines „konservativen Sozialismus“, und Fragmente (FRA).

Abgeschlossene Buchreihen

Auch bei den Buchreihen stammt für den Nachkriegskonservatismus der wichtigste Beitrag aus dem Kreis der „Abendländler“. Es ist die von Johann Wilhelm Naumann herausgegebene Abendländische Reihe (NAU), auf Umschlag einfach Abendlandreihe: Bände: Reinhold Schneider, Bd. 1: Der Mensch vor dem Gericht der Geschichte (1946/47); 2: Joseph Schumacher, Vom Wesen des Arzttums (1946/120); 3: Maximilian Dietrich, Vom Sinn der Weltliteratur (1946/166); 4: Joseph Bernhart, Der technisierte Mensch (1946/47); 5: Walter Ferber, Der Föderalismus (1946/116); 6: Joseph Schumacher, „Wirklichkeiten“ und ihre Erforschung (1946/78); 7: Ferdinand Kirnberger, Laiengespräche über den Staat (1947/131); 8: Georg Laforet, Föderalismus und Gesellschaftsordnung. Umrisse einer Philosophie des Föderalismus (1947/X, 102); 9: Paul Wilhelm Wenger, Geist und Macht. Versuche einer Entschleierung des deutschen „Idealismus“ (1948/101); 10: Constantin Frantz, Die Naturlehre des Staates als Grundlage aller Staatswissenschaft (1870). Neu hrsg. u.m.e. Vorwort versehen von Walter Ferber (1949/128); 11: Jacques Maritain, Christentum und Demokratie. Deutsch wiedergegeben von Franz Schmal (1949/78). Daß die Reihe mit Maritain aufhört, zeigt, daß in diesem Bereich religiöser Konservatismus mit politisch konträren Strömungen zusammengeht. Kennzeichnend sind auch die beiden Bände über den Föderalismus, die sich aus Abstand beinah „separatistisch“ ausnehmen.

Der eigentliche Wortführer des liberalkonservativen Nachkriegskonservatismus, Hans-Joachim v. Merkatz, hat ebenfalls eine Buchreihe herausgegeben, die Konservative Schriftenreihe (OLZ). Darin ist allerdings nur sein Beitrag grundsätzlich; die anderen Bände stellen außerdeutsche Konservatismen dar. 1: Hans-Joachim v. Merkatz, Die konservative Funktion (1957/83); 2: Robert Ingrim, Amerika findet sich wieder. Die konservativen Grundlagen in Geschichte und Politik (1958/86); 3: Armin Mohler, Die französische Rechte (1958/86); 4: Johann Christoph Allmayer-Beck, Konservatismus in Österreich (1959/76).

Laufende Buchreihen

Wie bei den Zeitschriften, so ist auch bei den Buchreihen seit 1970 ein deutliches Anschwellen der konservativen Publizistik festzustellen. Die zur Zeit umfangreichste Schriftenreihe, zwischen der konservativen und rechtsliberalen Position alternierend, ist die Reihe Texte + Thesen des Osnabrücker Verlages A. Fromm, an der sich das weitgespannte Spektrum konservativer Interessen ablesen läßt. 1: Otto B. Roegele, Die Zukunft der Massenmedien (1970/52); 2: Erwin K. Scheuch, Haschisch und LSD als Modedrogen (1970/73); 3: Golo Mann, Von Weimar nach Bonn. 50 Jahre Deutsche Republik (1970/27); 4: Hans-Joachim Wasserburger, Wieviel Tier ist der Mensch? Vergleichende Verhaltensweisen (1970/60); 5: Rolf Geyer, Entspannung, Neutralität, Sicherheit (1970/76); 6: Anton Böhm, Ost – West. Konfrontation oder Koexistenz? (1970/55); 7/8: Gerd Krämer: Wie fern ist uns Olympia? (1971/120); 9: Herwig Gückelhorn, Inflation – Schicksal oder Schuld? (1971/52); 10: Otto Gritschneider, Ehescheidung in der Reform. Eine kritische Dokumentation (1971/64); 11: Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, Die neue Ostpolitik (1971/90); 12: Eduard Verhülsdonk, Logenplatz im Universum. Eine kosmische Standortbestimmung (1971/72); 13: Helmut Schoeck, Ist Leistung unanständig? (1971/97); 14: Hans Ludwig Zankl, Image und Wirklichkeit (1971/51); 15: Helmut Kohl, Hausputz hinter den Fassaden. Praktikable Reformen in Deutschland (1971/34); 16:Anton Böhm, Die Lage der Nation – moralisch (1971/50); 17: Nicolaus v. Grote, Stimmen aus dem sowjetischen Untergrund (1971/66); 18: Pascual Jordan, Wie frei sind wir? Naturgesetz und Zufall (1971/68); 19: Heinz Heckhausen, Begabungsentfaltung für jeden (1972/61); 20: Fritz Neef, Industriegesellschaft ohne Unternehmen? (1972/55); 21: Harald Steinert, Unser Planet Wasser. Schatzkammer der Menschheit? (1972/58); 22: Hans Maier, Zwischenrufe zur Bildungspolitik (1972/72); 23: Otto B. Roegele, Kleine Anatomie politischer Schlagworte (1972/77); 24: Hans Georg Wunderlich, Mensch und Erde. Gefahr und Chancen der Evolution (1972/92); 25: Helmut Swoboda, Hat die Zukunft eine Zukunft? Vom Wachstum in einer endlichen Welt (1972/56); 26: Winfried Schlaffke, Akademisches Proletariat? (1972/61); 27: Joseph Meurers, Wissen nährt Nichtwissen. Naturforschung heute (1972/72); 28: Helene Schreiber, Kommt der Realismus wieder? Zur Kunst der Gegenwart (1972/62); 29: Horst Wetterling, Ist Autorität unmenschlich? (1972/63); 30: Helmut Schelsky, Friede auf Zeit. Die Zukunft der Olympischen Spiele (1973/79); 31: Peter Dittmar, Gelbe Gefahr – Rote Gefahr? China zwischen Buchweisheit und Klassenkampf (1973/69); 32: Wolfgang Kuhn, Biologischer Materialismus. Der Mensch ist keine Maschine (1973/80); 33: Heinz Beckmann, Hat das Theater ausgespielt? (1973/64); 34: Hugo Andreae, Berufsbildung – Bildung der Beherrschten? (1973/74); 35: Swjatoslav v. Malewsky-Malewitsch, Auf Marx wird Rabatt gegeben. Sowjetalltag bei Licht besehen (1973/68); 36: Hans Maier, Die Grundrechte des Menschen im modernen Staat (1973/72); 37: Helmut Schoeck, Umverteilung als Klassenkampf? Zur Politik und Psychologie der Vermögensbildung (1973/74); 38: Klaus Hoff, Wie modern ist konservativ heute? (1973/68); 39: Hans Jörg Fahr, Raumzeitdenken – Zwangsvorstellung Unendlichkeit (1973/82); 40: Rudolf Rohlinger, Die überschätzte Kamera. Fernsehen – nahe besehen (1973/56); 42: Peter Coulmas, Radio ohne Zukunft? Wiederkehr und Wandel eines Mediums (1973/71); 43: Otto B. Roegele, Das dritte Alter. Abgeschrieben oder aufgewertet? (1974/78); 44: Joseph Hitpass, Radikale Minderheit – schweigende Mehrheit. Zur Verhaltensgestalt der studentischen Jugend (1974/152); 45: Heinz Pentzlin, Die Kinder des Wohlstands. Herausforderung der Jugend? (1974/82); 46: Horst Jürgen Helle, Familie – zwischen Bibel und Kinsey-Report (1974/100); 47: Lothar Bossle, Das Gewissen in der Politik (1974/76); 48: Thomas Nipperdey, Konflikt – einzige Wahrheit der Gesellschaft? Zur Kritik der hessischen Rahmenrichtlinien (1974/151).

Ähnlich zwischen Liberalismus und Konservatismus sich bewegend, mit einem geringen Anteil an Katholiken, ist die Rolle der Langen-Müller Stichwort (LAM). 1: Caspar v. Schrenck-Notzing, Demokratisierung (1972/141); 2: Helmut Schoeck, Entwicklungshilfe (1972/143); 3: Richard Lange, Strafrechtsreform (1972/142); 4: Dieter Blumenwitz, Feindstaatenklauseln (1972/141); 5: Ernst Topitsch u. Kurt Salamun, Ideologie – Herrschaft des Vorurteils (1972/142); 6: Reinhard Kamitz, Positivismus – Befreiung vom Dogma (1973/208); 7 (unnummeriert): H. Joachim Maitre, Black Power (1972/143); 8: Hartmut Krüger, Mitbestimmung (1973/144); 9: Otto Kimminich, Menschenrechte (1973/144); 10: Dieter Lösch u. Heinz-Dietrich Ortlieb, Kapitalismuskritik. Der Streit um die Marktwirtschaft (1974/144).

Die dritte Buchreihe ist politisch etwas anders akzentuiert: sie nähert sich dem Protestantisch-Deutschnationalen, grenzt sich aber, wie die ersten beiden auch, deutlich vom Rechtsextremismus ab. Es handelt sich um die Reihe Im Mittelpunkt der Diskussion des blick + bild-Verlages S. Kappe in Velbert. Sie setzt ein mit der bekanntesten protestantischen Kampfschrift gegen die Linkstendenzen in der evangelischen Kirche. 1: Alexander Evertz, Der Abfall der evangelischen Kirche vom Vaterland (1964-1/70); 1966-4.erw./115); 2: Carl Atzenbeck, Der Pyrrhussieg des Christentums (1964/158); 3: Erwin Dederstedt, Der Bruder aus dem Ghetto (1965/79); 4: Wilhelm Tank, Zerstörte Kunst – empörte Zeitgenossen (1965/78); 5: Erich Meyer-Geweke, Wer glaubt denn noch an diesen Gott? (1965/141); 6: Hermann Bock, Christliche Verantwortung und Wehrdienst (1966/48); 7: Alexander Evertz, Werner Petersmann, Helmut Fechner, Revision der Denkschrift – eine Forderung an die evangelische Kirche (gegen die EKD-Denkschrift zur Ostpolitik; 1966/156); 8: Alexander Evertz, Die evangelische Kirche und die Revolution von links (1968/156); 9: Hans Otto Wesemann, Immer so weitermachen? Über Konjunkturpolitik, öffentliche Finanzen, Sozialpolitik, Mitbestimmung und andere Probleme der Zeit (1969/70); 10: Adolf Reinicke, Was ist los mit der Bundeswehr? (1968/189); 11: Hans-Eberhard Heyke, Der Zerfall der Bundesrepublik (1968/90); 12: Willi Schickling, Von Goebbels bis Dutschke. Der Amoklauf des Radikalismus (1969/102); 13: Wolfgang Berner, Der Evangelist des Castroismus-Guevarismus. Régis Debray und seine Guerilla-Doktrin (1969/82); 14: Dietrich Dehnen, Der Führer und seine Gefolgschaft. Die Thadden-Clique oder die Versöhnung der Demokratie (1969/162); 15: Alexander Evertz, Alarm in der Kirche. Der Protestantismus zwischen Furcht und Hoffnung (1971/76); 16: Gustav Sichelschmidt, Wie im alten Rom. Dekadenzerscheinungen damals und heute (1971-1; 1973-4.erw./117); 17: Waldemar v. Münch, Bildungspolitik im technischen Zeitalter (1971/79); 18: Adalbert Hudak, Die Marxisten in den Himmel, die Christen in die Hölle (1971/82); 19: Gerd Schmalbrock, Bewußtseinsbildung für rechte und linke Deutsche (1972/110); 20: Gustav Sichelschmidt, Verrat der Menschenwürde. Ein Appell in zwölfter Stunde (1972/102); 21: Friedrich der Große, Die Preußen sind an allem schuld (1972/72).

Als Ausgleich zum prusso-protestantischen Akzent dieser Reihe sind zwei Reihen heranzuziehen, die von dem Dominikanerpater Heinrich B(asilius) Streithofen, vom Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg, im Seewald-Verlag (Stuttgart) herausgegeben werden und für den konservativen Flügel des heutigen deutschen Katholizismus stehen mögen. Die ältere heißt Reihe Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg e.V. und umfaßt bisher 1: Arthur F. Utz, Maximen moderner Mittelstandspolitik (1968/130); 2: A. F. Utz u. Gerda Hieroimi, Grundsätze zur Sozialpolitik (1969/88); 3: A. F. Utz, Ethik und Politik (1970/513); 4: A. F. Utz u. Heinrich B. Streithofen, Demokratie und Mitbestimmung (1970/325); 5: P.P. Müller-Schmid, Der rationale Weg zur politischen Ethik (1972/275). Seit 1971 läuft die andere Reihe Walberberger Gespräche, nämlich 1: Carlo Mötteli, Schatten auf der sozialen Marktwirtschaft (1971/62); 2: H. B. Streithofen u. Wolfgang Ockenfels, Diskussion um den Frieden (1974/115); 3: H. B. Streithofen u. Friedrich Zimmermann, Grundsätze zur Medienpolitik (1974/132); 4: Ulrich Scheuner, Die Rolle der Sozialpartner in Staat und Gesellschaft (1973/98); 5: Hanna-Renate Laurien, Sozialistische Erziehungsziele – Ende der persönlichen Freiheit (1974/51); 6: H. B. Streithofen, SPD und katholische Kirche (1974/87).

Diese Reihen müssen genannt werden, weil sie das „Futter“ der konservativen Publizistik von heute ausmachen. In ihnen orientiert sich das konservative Publikum, wie es sich zu den einzelnen Sachproblemen zu verhalten hat – die bekannten konservativen Programmwerke geben mehr die allgemeine Richtung an. Auch wenn nicht jeder einzelne Autor der genannten fünf Reihen ein erklärter Konservativer ist, so wirken die Reihen doch durch die Wahl der Themen und durch ihre Sicht im konservativen Sinne.

Ausgangspositionen nach 1945

Bisher haben wir uns mit den Zeitschriften, den Sammelwerken und den Buchreihen beschäftigt – nun wenden wir uns den einzelnen Büchern und Schriften zu. Und zwar zunächst denjenigen Büchern, an denen sich die Ausgangspositionen des deutschen Konservatismus nach der Zäsur von 1945 ablesen lassen. Für die Katholisch-Konservativen ist nur noch wenig nachzutragen: Das Ordnungsbild der abendländischen Aktion (1953-2.erg./NEA/32); Gerhard Kroll, Grundlagen abendländischer Erneuerung (1951/NEA/155) sowie die Kampfschrift gegen die „preußische Reichsfälschung“ von Friedrich Gaupp, Deutsche Fälschung der abendländischen Reichsidee (1946/INN/32).

Für die nach England orientierte liberalkonservative Variante des Nachkriegskonservatismus ist bezeichnend, daß sie literarisch auch von Politikern vertreten wurde, die im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik in hohe Stellungen gelangten: Hans-Joachim v. Merkatz (geb. 1905), In der Mitte des Jahrhunderts. Politische Lebensfragen unserer Zeit (1963/LAM/322); Eugen Gerstermaier (1906), Neuer Nationalismus? Von der Wandlung der Deutschen (1965/DVA/136). Das eigentlich Schule machende Buch ist jedoch eine (sehr einseitige) Ideengeschichte des deutschen Konservatismus von Möser bis heute, die unter dem Namen des früheren Botschafters Hans Mühlenfeld (1901–1969) (wie Merkatz aus der „Deutschen Partei“) erschien: Politik ohne Wunschbilder. Die konservative Aufgabe unserer Zeit (1952/OLD/387). Als Mitstreiter empfunden wurde ein 1904 geborener liberalkonservativen Nationalrat aus der Schweiz, der die suggestive Drei-Typen-Lehre von „Jakobiner – Reaktionäre – Konservative“ aufstellte: Peter Dürrenmatt, Zerfall und Wiederaufbau der Politik (1951/LNE/240); ders., In die Zeit gesprochen (1965/FRE/229). Der letzte programmatische Ausdruck dieser Richtung ist die bereits erwähnte Schrift von K. Hoff (geb. 1936) in Text + Thesen.

Wie sich der deutsche Konservatismus dann von diesen Nachkriegsformen wegzuentwickeln begann, läßt sich am besten in der Konservatismus-Debatte der Zeitschrift Der Monat verfolgen, die 1962 in Heft 163 einsetzte und sich dann über ein Jahr hinzog. Vgl. auch zwei frühe Untersuchungen über das Wesen des Konservativen (die ersten von einem Überlebenden der Konservativen Revolution), die von den beiden umrissenen Ausgangspositionen abweichen: Herbert Blank, Konservativ (1953/DUL/64); Rainer Taepper, Das Ende des Fortschritts. Konservative Perspektiven (1956/GOT/119). Wiederum anders die Äußerung eines der großen Dichter dieser Zeit zum Thema: Heimito v. Doderer, Der Konservative (1959/BEC/10), ein Privatdruck „Dr. Heinrich Beck zum siebzigsten Geburtstag“.

Die Nationalisten

In Opposition zu jenen beiden Nachkriegsformen des Konservatismus, die beide sorgsam das Nationale aussparten, hat sich seit Beginn der fünfziger Jahre – zwar im „nationalen Getto“, aber teilweise mit sehr hohen Auflagen – eine umfangreiche nationalistische Literatur entwickelt. Wir können sie hier nur in ein paar Kostproben andeuten: Gerhard Krüger, Das unzerstörbare Reich (1952/SIE/109); Peter Kleist, Auch Du warst dabei. Ein Beitrag zur Verarbeitung der Vergangenheit (1959-6/SCHÜT/372); Erich Kern (eig. Kernmayr), Verbrechen am deutschen Volk. Eine Dokumentation alliierter Grausamkeiten (1964/SCHÜT/332); Herbert Grabert, Sieger und Besiegte. Der deutsche Nationalismus nach 1945 (1966/DHZ/420); Heinrich Härtle, Die sexuelle Revolution. Genosse Porno regiert (1971/NAT/62). Distanzierter in ihrer Schau sind die politischen Bücher des Dichters (und Bruders von Fritz v. Unruh) Friedrich Franz v. Unruh: Und was wird mit uns? Ein Gespräch im Atomzeitalter (1969/HOH/78); ders., Klage um Deutschland (1973/HOH/102).

Im übrigen gibt es auch in diesem Lager „Abweichler“. Deutlich an nationalbolschewistische Traditionen innerhalb des deutschen Nationalismus knüpft beispielsweise an: Gottfried Griesmayr, Jenseits aller Ismen. Vom autoritären Abendland zur Autorität der Freiheit. Eine Provokation (1970/OLZ/285). Bei allen bisher genannten Autoren dieses Abschnitts handelt es sich um solche, die schon vor 1945 tätig waren, was in der ihnen gemeinsamen Sprache deutlich wird. Davon unterscheidet sich im Tonfall Konrad Windisch, Revolution der Satten. Die Meinung eines Dreißigjährigen (1967/BRO/79), wobei zur Erläuterung des Titels zu zitieren ist: „Ihr habt uns den Bauch gefüllt. Wir wollen mehr! …“

Die verschiedenen konservativen Gruppen

Damit hätten wir die diversen Abgrenzungen hinter uns und können uns dem Gros der konservativen Autoren zuwenden. Sollen wir dabei nach Personen oder nach Sachgebieten vorgehen? Zunächst scheinen sich übersichtliche Gruppen anzubieten. Da sind einmal die Katholisch-Konservativen Paul Wilhelm Wenger (1912), Peter Berglar (1919), Erik v. Kuehnelt-Leddihn (1909), Ludwig Pesch, in gewissem Maße auch Emil Franzel (1901) und Rudolf Krämer-Badoni (1013), obwohl das Werk der beiden letzteren über diesen Rahmen hinausweist. Daneben müßten die Protestantisch-Konservativen Pfarrer Alexander Evertz (1906) und Bernt v. Heiseler (1907–1969) stehen, aber auch theokratisch bestimmte Einzelgänger wie Hans-Joachim Schoeps (1909) und Eric Voegelin (1901). (Es sei denn, man schlage Voegelin ganz dem amerikanischen Konservatismus zu.)

Eine zweite deutlich abgrenzbare Gruppe ist die jener Konservativen, bei denen die Abwehr des Kommunismus im Vordergrund steht. Das sind zunächst die großen Pamphletisten Robert Ingrim (eig. Franz Klein, gest. 1964), William S. Schlamm (1904), Matthias Walden (eig. Otto Frhr. v. Sass, 1927), dann der Politiker Karl Theodor Frhr. von und zu Guttenberg (1921–1972). In die Nähe dieser Gruppe gehören Winfried Martini (1905), Hans-Georg von Studnitz (1907) und Walter Petwaidic-Fredericia (1904), in deren Opus sich eine Staatsphilosophie in Umrissen abzeichnet. Schon bei Helmut Schoeck (1922) macht die Einordnung Schwierigkeiten, da er sich selber als Liberalen und Erben von Wilhelm Röpke versteht, von der konservativen Leserschaft jedoch längst als einer der ihren aufgefaßt wird.

Nach schwieriger wird die Gruppierung jenseits dieser beiden Kerne, des christlichen und des antikommunistischen. Wo gehören etwa die Carl-Schmitt-Schüler Rüdiger Altmann (1922) und Johannes Gross (1932) hin, die sich zugleich als Theoretiker der „formierten Gesellschaft“ von Kanzler Erhard versucht haben? Wie sind Caspar Frhr. v. Schrenck-Notzing (1927) und Herbert Kremp (1928) einzuordnen, wie Gerd-Klaus Kaltenbrunner (1939), wie Marcel Hepp (1936-1970)? Von notorischen Einzelgängern wie Johannes F. Barnick (1916), Hans-Dietrich Sander (1928), Günter Zehm (1934) und Sigrid Hunke (1913) ganz abgesehen. Und wie soll der Verfasser sich selber lokalisieren? Ein besonderes Problem sind auch die „Kulturkonservativen“, die im Kulturellen eindeutig optieren, im Politischen jedoch eine konträre Position beziehen oder Abstinenz üben. Das trifft gerade auf so brillante Autoren wie Klaus Harpprecht (1927) und Wolf Jobst Siedler (1926) zu: der eine ging als Ghostwriter zu Willy Brandt, der andere hat sich in den Verlegerberuf vergraben.

Aber nicht nur verschwimmen, bei näherer Prüfung, die Gruppen. Es wäre auch aus einem anderen Grunde unsinnig, die umfangreiche konservative Literatur seit 1945 nach der Gruppenzugehörigkeit ordnen zu wollen. Es gibt Autoren, die mit Vorliebe grundsätzlich räsonieren – etwa Altmann, Berglar, Kremp. Es gibt aber auch Autoren, die sich in auffälliger Weise stets auf dem „Umweg“ über konkrete Probleme, also nur indirekt, zum Grundsätzlichen geäußert haben – wir denken etwa an Studnitz oder Schrenck-Notzing.
Grundsatzliteratur

Wir entziehen uns mit einem bibliographischen Trick dem Dilemma zwischen einer Gliederung nach Personen und einer nach Sachgebieten. Zunächst zitieren wir in diesem Abschnitt von den genannten Autoren – und zwar in obiger Reihenfolge und ohne jede Kommentierung – die Bücher, die entweder sogenannte „Grundsatzbücher“ sind oder als Sammlungen von Aufsätzen zwangsläufig diesen Charakter annehmen. In den folgenden Abschnitten wird dann die restliche Literatur nach Sachgebieten gruppiert.

Peter Berglar, Die gesellschaftliche Evolution der Menschheit (1965/BIB/318); Welt und Wirkung. Gedanken über Menschen – Christen – Deutsche (1961/BIB/176). Vgl. Theodor Rutt, Hinweis auf Peter Berglar (mit Bibliographie; 1969/PRI/32).

Erik von Kuehnelt-Leddihn, Freiheit oder Gleichheit? Die Schicksalsfrage des Abendlandes (1953/MUL/626); Luftschlösser, Lügen und Legenden (1972/HEO/336).

Ludwig Pesch, Die romantische Rebellion in der modernen Literatur und Kunst (1962/BEC-R/227).

Emil Franzel, Fortinbras. Ansichten eines Konservativen (1971/NAU/120); Sehnsucht nach den alten Gassen (1964/HEO/100).

Rudolf Krämer-Badoni, Vorsicht, gute Menschen von links (1962/SIG-T 109/185); Die niedliche Revolution (1973/ARG-A/181); Mein beneidenswertes Leben (erfundene Autobiographie; 1972/HCA/205).

Alexander Evertz, Glaubensnotstand. Die Krise des deutschen Protestantismus (1967/SEE/151); Die Kirche und der Friede (1967/KOR/16); Die Situation der Konservativen in unserer Zeit (1970/NOT-B 1/15). Vgl. auch seine Beiträge in der Buchreihe Im Mittelpunkt der Diskussion sowie Heinrich Kraft, Die theologischen Gedanken von Alexander Evertz (1972/NOT-B 9/16).

Bernt v. Heiseler, Christ und Vaterland (1967/KOR/66); Die vorbestrafte Nation. Thesen und Betrachtungen (1968/ECK-S 26/64).

Hans-Joachim Schoeps, Konservative Erneuerung. Ideen zur deutschen Politik (1958/KLE/152); Kommt die Monarchie? Wege zu neuer Ordnung im Massenzeitalter (1953/DEV/69); Die letzten dreißig Jahre. Rückblicke (Autobiographie; 1956/KLE/231); Rückblicke. Die letzten dreißig Jahre (1925–1955) und danach (1963-2. erw./HAD/243); Deutschland droht die Anarchie (1972/HAS/80).

Eric Voegelin, Wissenschaft, Politik und Gnosis (1959/KOS/92); Die neue Wissenschaft von der Politik. Eine Einführung (1959/PUC/264). Voegelins mehrbändiges Hauptwerk Order and History liegt bisher nur englisch vor.

William S. Schlamm, Die jungen Herren der alten Erde. Vom neuen Stil der Macht (1962/SEE/302).

Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg, Fußnoten (eine Autobiographie in Fragmenten; 1971/SEE/213).

Helmut Schoeck, Was heißt politisch unmöglich? (1959/REN/257); Die Lust am schlechten Gewissen (1973/HER-B 464/159). Vgl. auch seine Beiträge in der Buchreihe Texte + Thesen.

Johannes Gross, Lauter Nachworte (1965/SEE/222); Absagen an die Zukunft (1970/SOC/246; veränd. Neuausgabe: 1974/ULL-T 649/168).

Herbert Kremp, Am Ufer des Rubikon. Eine politische Anthropologie (1973/SEE/230).

Johannes F. Barnick, Vielfältigkeit in Logik und Welt oder Die vier Bücher vom Sinn des Ganzen. Erstes Buch: Einheit (1969/DUN/126; die übrigen Bände konnten nicht erscheinen).

Sigrid Hunke, Das Ende des Zwiespalts. Zur Diagnose und Therapie einer kranken Gesellschaft (1971/LUB/245); Das nach-kommunistische Manifest. Der dialektische Unitarismus als Alternative (1974/SEE/240).

Klaus Harpprecht, Viele Grüße an die Freiheit. Aus einem transatlantischen Tagebuch (1964/STGR/238); Beschädigte Paradiese. Aus den transatlantischen Notizen (1966/STGR/320).

Wolf Jobst Siedler, Behauptungen (1965/HIG/196; enthält u.a.: Roter Konservatismus/Moralische Empfindlichkeit der Demokratie/Die deutsche Geistesgeschichte vor der Spruchkammer).

Geschichtliches Erbe

Der stete Rückbezug auf das geschichtliche Erbe ist insbesondere im Bereich des christlichen Konservatismus wichtig. Es gibt dort zwei Autoren, deren Opus in seinen wesentlichen Stücken aus Geschichtsschreibung besteht: Franzel und Schoeps. In diesen beiden Konservativen scheint auf den ersten Blick der alte Gegensatz zwischen großdeutscher und kleindeutscher Geschichtsschreibung wieder aufzubrechen. Bei näherem Zusehen schwächt sich dieser Eindruck ab: der sudetendeutsche Franzel ist nicht so Preußen-blind wie ein orthodoxer K.-K.-Ideologe, und der preußische Jude Schoeps hebt die sozusagen „katholische“ Seite am preußischen Konservatismus der Vergangenheit (die Gerlachs) hervor.

Von Emil Franzel liegen zwei Fassungen einer Weltgeschichte der neuesten Zeit vor: 1870-1950. Geschichte unserer Zeit (1951/OLD/496); Geschichte unserer Zeit. Die letzten 100 Jahre (1965/KRA/553); desgleichen zwei Versionen einer deutschen Gesamtgeschichte: Germanen – Deutsche – Europäer. Ein Gang durch die deutsche Geschichte (1962/WIN/184) und der mächtige Wälzer Geschichte des deutschen Volkes (1974/KRA/943), dazu die Detailstudie Von Bismarck zu Adenauer. Ideologie, Wahn und Realismus in der deutschen Politik (1957/DAL-T 337/146). Mit dem Österreichisch-Ungarischen Reich und seinen Nachfolgeproblemen beschäftigen sich von Franzels Geschichtsbüchern: Der Donauraum im Zeitalter des Nationalitätenprinzips (1789-1918) (1958/DAL-T 343/165); Franz Ferdinand d’Este. Leitbild einer konservativen Revolution (1964/HEO/143); 1866 – Il mondo casca. Das Ende des alten Europas (2 Bde; 1968/HEO/831). Franzel hat auch über seine engere Heimat berichtet: Sudetendeutsche Geschichte. Eine volkstümliche Darstellung (1958/KRA/460); Die Sudentendeutschen. Siedlungsraum, Wesen und Geschichte der Volksgruppe (1968/ECK-S 25/89); Die Sudetenfrage 1918 – 1938 – 1968 (1968/WIT/40); Die Vertreibung Sudetenland 1945/46 (1967/POD/420). Unter seinem Pseudonym Carl v. Boeheim hat Franzel diese Stoffe auch in drei Romanen gestaltet: Die Kaisersaga. Utopia Austriaca (1960/KRA/720); Unter dem Hradschin. Ein Prager Roman (1962/KRA/476); über das Jahr 1938: Das Böhmische Feuer. Politischer Roman (1969/KRA/443).

Das geschichtliche Werk des Erlanger Professors für Religions- und Geistesgeschichte Hans-Joachim Schoeps ist fast ebenso umfangreich. Er begann seine Rehabilitation Preußens mit der Schrift: Die Ehre Preußens (1951/VOR/48), einer Rede, die er am 18. Januar 1951 in Erlangen zum 250. Gründungstag des preußischen Staates gehalten hatte; ein anderer Vortrag ist Preußen – gestern und heute (1963/VOR/36). Das Werk, in dem Schoeps den Konservatismus der Brüder Gerlach darstellt, liegt in zwei Fassungen und drei Ausgaben vor: Das andere Preußen (1952/VOR/358); Das andere Preußen. Konservative Gestalten und Probleme im Zeitalter Friedrich Wilhelms IV., 2. bearb. u. erw. Auflage (1957/PET/365; 1964-3/HAD/365). Vgl. auch Unbewältigte Geschichte. Stationen deutschen Schicksals seit 1763 (1964/HAD/283). Später hat Schoeps auch eine Geschichte Preußens und eine des wilhelminischen Reiches geschrieben.

„Abendländisch“, ohne den österreichischen oder den preußischen Akzent, ist die Geschichtsschau von Peter Berglar, aus dessen umfangreichem Werk wir nur zitieren: Geschick und Geschichte. Historische Essays (1972/ROE/211). (Berglar, ursprünglich Arzt, ist in seiner zweiten Lebenshälfte Professor der Geschichte an der Universität Köln geworden.) In den anderen Gruppen der deutschen Konservativen nach 1945 wird zwar auch immer wieder geschichtlich argumentiert, aber nicht, wie bei Frenzel und Schoeps, unmittelbar Geschichte geschrieben. So ist beispielsweise eine Meditation über den Reichsgedanken, jenseits von großdeutsch – kleindeutsch: Sigrid Hunke, Das Reich ist tot – es lebe Europa (1963/PFH/191).

Vergangenheitsbewältigung

Die Beschäftigung mit der Geschichte spitzt sich in der Vergangenheitsbewältigung zu. Bei den konservativen Darstellungen des Dritten Reiches ist die kühle Optik von Walter Petwaidic, Die autoritäre Anarchie. Streiflichter des deutschen Zusammenbruchs (1946/HCA/148) selten. Bei den christlichen Konservativen wiegt das Bestreben der heilsgeschichtlichen Einordnung vor, etwa in Peter Berglar, Personen und Stationen / Deutschlands, Europas, der Welt zwischen 1789 und heute (1966/BIB/262) mit den Beiträgen über Napoleon und Hitler, die Schuldfrage in beiden Weltkriegen, den 20. Juli. Für diese Gruppe ist außerdem kennzeichnend der Versuch, das Dritte Reich ganz nach links abzuschieben: Emil Franzel, Das Reich der braunen Jakobiner. Der Nationalsozialismus als geschichtliche Erscheinung (1964/PFJ/230) sowie die ergänzende Schrift desselben Autors: Geschichte wider Legende. Der gefährliche Weg der deutschen Sozialdemokratie. 2. Auflage der Schrift N-SPD (1953/NAU/64). Instruktiv das Sammelwerk Joachim Günther, Hans Egon Holthusen u.a., War ich ein Nazi? (1968/RUT/265), in dem neben den beiden genannten Autoren auch noch ein dritter Konservativer von heute, Rudolf Krämer-Badoni, mit seiner zeitweiligen NS-Vergangenheit zu Gerichte geht.

Die erste große Polemik um die Vergangenheitsbewältigung wird von dem Romanschriftsteller Kurt Ziesel mit einem erstmals 1958 erschienenen Buch entfesselt, das dann von Auflage zu Auflage an Umfang zunimmt: Das verlorene Gewissen. Hinter den Kulissen der Presse, der Literatur und ihrer Machtträger von heute (1958/LEH/167; 1959-5/LEH/191; 1962-8., umgearb. Aufl./LEH/231), dazu ergänzend Die Geister scheiden sich. Dokumente zum Echo auf das Buch „Das verlorene Gewissen“ (1959/LEH/208). Auch die meisten anderen politischen Bücher Ziesels schließen an diese Polemik an: Die verratene Demokratie (1960/LEH/120); Der rote Rufmord. Eine Dokumentation zum Kalten Krieg (über den Fall Theodor Oberländer; 1961/SCHLI/280); Die Pressefreiheit in der Demokratie (1962/LEH/97); Der deutsche Selbstmord. Diktatur der Meinungsmacher (1963/BLI/397); Freiheit und Verantwortung. Beiträge zur Zeit (1966/LEH/227).

Der zweite Schub setzt 1965 ein mit der Geschichte der amerikanischen Umerziehungspolitik in Caspar v. Schrenck-Notzing, Charakterwäsche. Die amerikanische Besatzung in Deutschland und ihre Folgen (1965/SEE/320), dazu vom gleichen Verfasser die ergänzenden Broschüren Umerziehung – heute (1966/WIT/23) und Die öffentliche Meinung als Instrument der Umerziehung (1967/WIT/19). Hier wird in kühlerer Tonart die politische Operation hinter dem moralisch-pädagogischen Vordergrundsvorgang sichtbar gemacht. Ähnlich auch Winfried Martini, Die NS-Prozesse im ost-westlichen Spannungsfeld (1969/ILM/62). Der erste Versuch einer systematischen Behandlung des Vorgangs ist Armin Mohler, Vergangenheitsbewältigung. Von der Läuterung zur Manipulation (1968/SEE/102).

Speziell mit der jüdischen Problematik setzen sich zwei Konservative jüdischer Herkunft auseinander: William S. Schlamm, Wer ist Jude? Ein Selbstgespräch (1964/SEE/235); Hans-Joachim Schoeps, „Bereit für Deutschland!“ Der Patriotismus deutscher Juden und der Nationalsozialismus. Frühe Schriften 1930 bis 1939. Eine historische Dokumentation (1970/HAD/316); ders., Rufmord 1970. Beiheft zu „Bereit für Deutschland“ (1970/PRI/31).

Kulturpolitik

Bei der Kulturpolitik ist man versucht, personell den Rahmen zu erweitern. Hier meldet sich sogleich die Erinnerung an Autoren, die man politisch nicht zu den Konservativen rechnen würde, die jedoch kulturpolitisch einfach dazugehören, etwa Gerhard Nebel, Hinter dem Walde. 16 Lektionen für Zeitgenossen (1964/HCA/226); ders., Zeit und Zeiten (1965/KLE/221); ders., Sprung von des Tigers Rücken (1970/KLE/316); Eugen Gürster, Tabus unserer Zeit (1964/PUS/205); ders., Unser verlorenes Ich / Eine kritische Umschau an der Schwelle der Neuzeit (1969/ART/245) oder auch die graziösen Sticheleien von Jürgen Dahl, zuletzt Einrede gegen die Mengenlehre / Einrede gegen die Mobilität / Einrede gegen Plastic (1974/LAN/59). Hierzu zählen auch eine Reihe von Literaturkritikern, man denke etwa an den Band PPP / Pamphlete, Parodien, Postscripta (1964/LAM/416) in den Gesammelten Werken von Friedrich Torberg oder an die Auseinandersetzungen mit Grass und Enzensberger in Hans Egon Holthusen, Plädoyer für den Einzelnen. Kritische Beiträge zur literarischen Diskussion (1967/PIP/194). Und das sind nur einige Kostproben. Auf dem kulturellen Gebiet, wo die politische Konsequenz nicht unmittelbar auf dem Fuße folgt, gibt es eine breite kritische Literatur von Niveau und Geist, die dem Konservativen zu Hilfe kommt.

Beschränken wir uns hier auf Autoren, die auch im politischen Sinne als konservativ gelten können. Da ist natürlich viel Kampfliteratur dabei, z.B. Kurt Ziesel, Die Literaturfabrik. Eine polemische Auseinandersetzung mit dem Literaturbetrieb im Deutschland von heute (1962/WAN/363); ohne Verf., Kunst oder Pornographie? Der Prozeß Grass gegen Ziesel. Eine Dokumentation (von Seiten Ziesels; 1969/LEH/88); William S. Schlamm, Vom Elend der Literatur. Pornographie und Gesinnung (1966/SEE/237). Die wichtigste Literaturpolemik hat sich in unserem Berichtszeitraum an die berühmte Zürcher Rede des Germanisten Emil Staiger vom Januar 1967 angeknüpft; darüber liegt nun eine sachliche Dokumentation vor: Erwin Jaeckle, Der Zürcher Literaturschock. Ein Bericht (1968/LAM/127). Über die Polemik hinaus geht ein grüblerisches Buch des Germanisten Herbert Cysarz, Deutsches Geistesleben der Gegenwart. Sumpf und Festland (1965/BOG/248); in dessen Nähe gehören auch die eigenwilligen Arbeiten des Germanisten Hermann Pongs. Ein Sonderfall ist, daß einer unserer Autoren eine Kunstphilosophie geschaffen hat: Rudolf Krämer-Badoni, Über Grund und Wesen der Kunst. Mit einem historischen Abriß der Dichtungs- und Kunsttheorie (1960/ULL-T 261/192); vom selben auch ein Experimentier-Roman stark kulturpolitischen Inhalts: Bewegliche Ziele (1962/LIM/266).

Auf dem Gebiet der bildenden Kunst zeichnen sich die Divergenzen zwischen den einzelnen konservativen Schulen deutlich ab. Im Umkreis des christlichen Konservatismus ist die Ablehnung der Moderne eindeutig: Hans Sedlmayr, Verlust der Mitte. Die bildende Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts als Symbol der Zeit (1948/MUL/255; viele Auflagen); ders., Der Tod des Lichtes. Übergangene Perspektiven zur modernen Kunst (1964/MUL/244); bei den neueren Formen des Konservatismus wird eine Kritik von innen her versucht: Arnold Gehlen, Zeit-Bilder. Zur Soziologie und Ästhetik der modernen Malerei (1960-1/ATH/232; 1965-2.erw./ATH/241).

Zur Medienpolitik vgl. das bei den Buchreihen Genannte, außerdem den Versuch einer Entschleierung der Nachkriegsfälschung in Helmut Schoeck, Vorsicht Schreibtischtäter. Politik und Presse in der Bundesrepublik (1972/SEE/254). In Romanform zeichnet Peter Berglar einen Medien-Herrscher in Der Erfolg oder das zerstörte Gesicht. Fast kein Roman (1966/CUR/239). Zur Demoskopie: Edgar Traugott, Die Herrschaft der Meinung. Über die Wechselwirkung von demoskopischen Daten und politischen Entscheidungsprozessen (1970/BER/209).

Religion, Theologie und Kirchen

Das Opus der führenden Katholisch-Konservativen (und ihrer protestantischen Entsprechungen Evertz, Heiseler) ist bereits aufgeführt. Für die meisten von ihnen ist das Katholische selbstverständliche Aura; unmittelbar auf die Glaubensfragen zielende Bücher sind bei ihnen relativ selten: Rudolf Krämer-Badoni, Die Last, katholisch zu sein (1967/LIS-T 323/134); Erik v. Kuehnelt-Leddihn, Zwischen Ghetto und Katakombe. Von christlicher Existenz heute (1960/MUL/357); dazu kommen historische Ausblicke wie Rudolf Krämer-Badoni, Ignatius von Loyola, oder Die größere Ehre Gottes (1964/BAC/267); Peter Berglar, Verhängnis und Verheißung. Papst Hadrian VI. – Der „Jesuiten-Staat“ in Paraguay (1963/BIB/250). Kennzeichnend auch eine Kritik der modernen Weltanschauungen vom katholisch-konservativen Standort aus in Josef Othmar Zöller, Irrlehren der Gegenwart (1960/FRO/136). Eine aufschlußreiche Selbstdarstellung der katholischen Integristen, weit rechts von Zöller: Elisabeth Gerstner, Niklas Freiherr v. Schrenck und Notzing (Bruder von Caspar v. Schr.-N.), Manfred Erren, Die katholische Traditionalistenbewegung (1970/BEN/111). In die Nähe gehören die von Pater Basilius Streithofen inspirierten Publikationen des Institut für Gesellschaftswissenschaften/Walberberg, etwa Sieben Punkte zu einer deutschen Friedenspolitik (1972/SEE/24).

Zur Entwicklung auf protestantischer Seite ist das bekannteste konservative Orientierungsbuch: Hans-Georg v. Studnitz, Ist Gott Mitläufer? Die Politisierung der evangelischen Kirche. Analyse und Dokumentation (1969/SEE/307); vgl. außerdem Edith Eucken-Erdsiek, Das elfte Gebot. Zur Problematik der revolutionären Theologie (1973/SEE/32). Die Veröffentlichung der EKD-Denkschrift zur Ostpolitik im Jahre 1965 war dasjenige Ereignis im evangelischen Bereich, welches, im Anschluß an Pfarrer Evertz und die „Notgemeinschaft Evangelischer Deutscher“, eine politische Gegenbewegung gegen die Linkstendenzen in der Kirche entfachte (eine andere, rein theologische Gegenbewegung, ist Kein anderes Evangelium um Professor Walter Künneth). Zeugen dafür sind u.a.: Helmut Fechner, Vorverzicht, Völkerrecht und Versöhnung. Aspekte der Ostkunde unter Berücksichtigung der Denkschrift der EKD (1965-2/GRE/38); Karl Salm, Eine evangelische Antwort. Zur Denkschrift der EKD über die deutsche Ostpolitik (1966/PRI/40); Helmuth Fechner, Deutsche Ostprobleme (1966/GRE/64), Werner Petersmann, Was ist des Deutschen Vaterland? (o.J./KOR/71); Paul Weisgerber (eig. Helmuth Fechner), Deutschland am Scheideweg. Die Krise der zweiten Republik (1968/GRE/136); Werner Petersmann, Auch die Kirche verrät die Nation? (1972/DNV/80).

Nicht vergessen werden sollte, daß es zur Tradition eines Teiles des deutschen Konservatismus gehört, sich auf nichtchristliche Bestände zurückzubeziehen. Das tut von unseren Autoren insbesondere Sigrid Hunke in Europas andere Religion. Die Überwindung der religiösen Krise (1969/ECO/538).

Über die Bundesrepublik

Die im konservativen Lager verfaßte Literatur über die Bundesrepublik schillert zwischen Bejahung dieses gegen den Osten ertrotzten Staates und der Sorge, ob er sich als lebenskräftig genug erweisen wird. Vom katholisch-konservativen Standort aus: Josef Othmar Zöller, Rückblick auf die Gegenwart. Die Entstehung der Kanzlerdemokratie (1964/SEE/416); Erwin Stindl, Mut zur Politik. Vom Untertan zum Vollbürger (1969/AKT/159); Otto B. Roegele, Zur inneren Lage der Bundesrepublik (o.J. ab 1971/RAY-K 1/54). Die großen Erfolge fallen jedoch drei Büchern aus den anderen Gruppen zu, die sich 1959/60 drängen und wohl Anzeichen eines Krisenbewußtseins beim Eintritt in die sechziger Jahre sind: William S. Schlamm, Die Grenzen des Wunders. Ein Bericht über Deutschland (1959/EUR/256); Winfried Martini, Freiheit auf Abruf. Die Lebenserwartung der Bundesrepublik (1960/KIE/451); Rüdiger Altmann, Das Erbe Adenauers (1960/SEE/210). Mehr kulturkritisch sind Hans-Georg v. Studnitz, Glanz und keine Gloria. Reise durch die Wohlstandsgesellschaft (1965/SEE/228) und das Geschichte und Gegenwart mischende Buch Johannes Gross, Die Deutschen (1967/SCHEF/300). Einem Spezialthema gilt Hans-Georg v. Studnitz, Rettet die Bundesrepublik! (1967/SEE/191). Das späteste dieser Bücher ist auch das schärfste: Caspar v. Schrenck-Notzing, Honoratiorendämmerung. Das Versagen der Mitte – Bilanz und Mitte (1973/SEE/149) greift jene Ideologie der „Mitte“ an, welche die Bundesrepublik in gleichzeitiger Abgrenzung gegen links wie rechts definiert.

Außenpolitik

Bei den konservativen Versuchen, der Bundesrepublik eine Außenpolitik zu entwerfen, treten die Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen noch krasser zu Tage. Auf katholisch-konservativer Seite werden Föderationsvorstellungen gehegt, die nicht mit der Realität Sowjetunion zu rechnen scheinen: Paul Wilhelm Wenger, Wer gewinnt Deutschland? Kleinpreußische Selbstisolierung oder mitteleuropäische Föderation (1959/SEE/423) und noch Ludwig Pesch, Die west-östliche Nation. Zwölf Lektionen für die Deutschen (1965/SEE/192); daß man jedoch auch hier zulernt, zeigt Paul Wilhelm Wenger, Die Falle. Deutsche Ost-, Russische Westpolitik (1971/SEE/214). Skeptischer sind Rüdiger Altmann, Das deutsche Risiko. Außenpolitische Perspektiven (1962/SEE/145) und Hans-Georg v. Studnitz, Bismarck in Bonn. Bemerkungen zur Außenpolitik (1964/SEE/319); einer speziellen Entzauberung der Europa-Euphorie widmet sich Walter Fredericia (eig. Walter Petwaidic), Europa – Traum oder Drohung (1963/WUP/126). Vorstellungen eines deutschen Eigengewichtes in der Außenpolitik finden sich nur bei Einzelgängern wie Johannes F. Barnick; vgl. dessen drei Bücher Die deutschen Trümpfe (1958/SEE/309); Deutsch-russische Nachbarschaft (1959/SEE/154); Deutschlands Schuld am Frieden (1965/SEE/393), alle zugleich mit einer eigenwilligen Schau zurück in die Geschichte.

Kurz hingewiesen sei auch auf die Literatur über mögliche außenpolitische Partner. Da für die Mehrzahl der Konservativen bis heute Amerika die entscheidende Schutzmacht geblieben ist, erstaunt der Überhang an Literatur, welche die USA interpretiert, nicht: Helmut Schoeck, USA. Motive und Strukturen (1958/DVA/426); ders., Umgang mit Amerikanern (1961/LUK/43); Erik v. Kuehnelt-Leddihn, Amerika – Leitbild im Zwielicht. Beiträge zu einer Entmythologisierung (1971/JOH/151). Als weißer Rabe nimmt sich in dieser Literatur die Kampfschrift eines Angehörigen des Jahrgangs 1936 aus, in der die USA mit dem gleichen Mißtrauen behandelt werden wie die UdSSR: Marcel Hepp, Der Atomsperrvertrag. Die Supermächte verteilen die Welt (1968/SEE/128). Ein anderer eigenwilliger Sonderfall ist der Versuch eines unserer Autoren, den Deutschen die arabische Welt näherzubringen: Sigrid Hunke, Allahs Sonne über dem Abendland. Unser arabisches Erbe (1960/DVA/375).

Antikommunismus

Die antikommunistische Literatur ist ein geschlossener Block, in dem bloß Unterschiede der schriftstellerischen Brillanz festzustellen sind. Antikommunistische Literatur dieses Niveaus schließt natürlich immer auch eine Kritik der eigenen Position ein.

Winfried Martini, Das Ende aller Sicherheit. Eine Kritik des Westens (1954/DVA/369).

Robert Ingrim (eig. Franz Klein), Außenpolitik mit falschen Begriffen (1947/THO/36); Von Talleyrand zu Molotow. Die Auflösung Europas (engl. Original: After Hitler Stalin?, Milwaukee 1946; 1951/DVA/338); Die Rettung Deutschlands (1952/DRO/157); Bündnis oder Krieg (1955/NEA/163); Macht und Freiheit. Wie man den Feind aus dem Lande bringt (1956/VOR/60); Hitlers glücklichster Tag. London, am 18. Juni 1935 (1962/SEE/301).

Matthias Walden (eig. Otto Frhr. v. Sass), ost blind – west blind (1963/STAN/250); Politik im Visier (1965/SEE/275).

Karl Theodor Freiherr v. und zu Guttenberg, Wenn der Westen will. Plädoyer für eine mutige Politik (1964/SEE/238); Im Interesse der Freiheit (hrsg. v. Paul Pucher; 1970/SEE/311). Vgl. auch seinen Beitrag in der Buchreihe Texte + Thesen.

Ludwig Freund (1898-1970), Freiheit und Unfreiheit im Atomzeitalter (1963/MOH/397); Koexistenz und Entspannung (1966/HOL/286); Politische Waffen. Grundkonzeptionen der westlichen Verteidigungsstrategie (1966/BGR/X, 180); Deutschland im Brennpunkt. Die amerikanische Politikwissenschaft und die deutsche Frage (1968/SEE/195).

Literatur zur „Neuen Linken“

Die Beweglicheren unter den Konservativen sahen um 1968 sogleich ein, daß mit der sog. „Neuen Linken“ ein Problem auftaucht, das mit den Mitteln des traditionellen Antikommunismus nicht zu bewältigen war. Caspar v. Schrenck-Notzing, Zukunftsmacher. Die neue Linke in Deutschland und ihre Herkunft (1968/SEE/310) ist ein Versuch, sowohl die Genealogie wie die Topographie des neuen Phänomens aufzuzeichnen. Ebenfalls aus konservativer Sicht die beiden gründlichen Handbücher von Andreas v. Weiss, Die Neue Linke. Kritische Analyse (1969/BOL/331); Neomarxismus. Die Problemdiskussion im Nachfolgemarxismus der Jahre 1945 bis 1970 (1970/ALB/164). Vgl. auch: Helmut Schoeck, Utopie und Frustration in der Jugendrebellion (1970/ANG/21); Edith Eucken-Erdsiek, Die Macht der Minderheit. Eine Auseinandersetzung mit dem neuen Anarchismus (1970/HER-B 372/123); ders., Unsere Gesellschaftsordnung und die radikale Linke (1971/SEE/31) sowie von einem dem christlichen Konservatismus nahestehenden Philosophen: Helmut Kuhn, Rebellion gegen die Freiheit. Über das Generationsproblem und die Jugendunruhen unserer Zeit (1968/KOH/78). Vergnüglich außerdem die Paraphrasen eines Aphoristikers: Hans Kasper, Revolutionäre sind Reaktionäre. Sätze zur Situation (1969/ECO/111). Zu einem historischen Gemälde holt aus: Rudolf Krämer-Badoni, Anarchismus. Geschichte und Gegenwart einer Utopie (1970/MOL/288).

Mensch – Gesellschaft – Wirtschaft

In den Wandlungen des deutschen Konservatismus seit 1945 steckt natürlich auch ein Wandel der anthropologischen Vorstellungen. Die anfänglich dominierende christliche Anthropologie macht mehr und mehr einer Anthropologie Platz, deren Hauptvertreter Arnold Gehlen ist (davon weiter unten). Eine Lücke ist, daß die der Verhaltensforschung entnommenen Anregungen noch nicht überzeugend verarbeitet sind – es gibt da nur Ansätze wie Wasserburgers Beitrag in der Buchreihe Texte + Thesen oder Fritz Frank, APO und Establishment aus biologischer Sicht (1969/STAL/38). Es liegt eine erstaunliche Verhaltenslehre der menschlichen Sexualität vor, die auf weite Strecken in den Rahmen der skizzierten neuen Anthropologie gehört: Richard Huber, Sexualität und Bewußtsein (1971/KLO/153), von einem Mediziner. Politisch ist der erste systematische Versuch aus der Sicht des neuen Konservatismus: Armin Mohler, Sex und Politik (1972/ROM-H 49/88). Aus christlicher Sicht: Siegfried Ernst, Angriff auf die progressive Sexparalyse der Gesellschaft (1971/NOT-B 5/16). Eine Philosophie der Geschlechter gibt: Sigrid Hunke, Im Anfang waren Mann und Frau. Vorbilder und Wandlungen der Geschlechterbeziehungen (1955/GRO/312).

Was das Gesellschaftliche betrifft, so liegt von Helmut Schoeck, Professor der Soziologie an der Universität Mainz, eine eigenwillige Gesellschaftslehre sowie eine unkonventionelle Bestandsaufnahme der Soziologie vor: Der Neid. Eine Theorie der Gesellschaft (1966/ALB/431), gekürzte Ausgabe: Der Neid und die Gesellschaft (1971/HER-B 395/318); Die Soziologie und die Gesellschaften. Problemsicht und Problemlösung vom Beginn bis zur Gegenwart (1964-2. erw./ALB/455), gekürzt als: Geschichte der Soziologie. Ursprung und Aufstieg der Wissenschaft von der menschlichen Gesellschaft (1974/HER-B 475/380); außerdem: Kleines soziologisches Wörterbuch (1969/HER-B 312-13/377). Daß die Soziologie keineswegs ein „linkes“ Monopol ist, zeigen auch die Arbeiten jüngerer Soziologen, etwa die brillante Durchleuchtung der Selbstbedienungsläden und der „Do-it-yourself-Bewegung“ in: Robert Hepp, Selbstherrlichkeit und Selbstbedienung. Zur Dialektik der Emanzipation (1971/BEC-R 83/153). Auch die Schrift eines klassischen (Rechts-)Liberalen wird von den Konservativen als Argumentationshilfe verwendet, nämlich Günter Schmölders, Der verlorene Untertan. Verhaltensforschung enthüllt die Krise zwischen Staatsbürger und Obrigkeit (1971/ECO/238).

Zu den bei den Buchreihen bereits genannten Schriften zu wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen seien hier noch zugefügt: Walter Petwaidic-Fredericia, Der Irrweg der Mitbestimmung (1968/SEE/142); Walter Petwaidic u. Jürgen Ebeling, Die enterbte Gesellschaft. Erbschaftssteuer heute und morgen. Wege zur Steuerersparnis. Drohende Reformen (1971/SEE/151). die traditionell im deutschen Konservatismus auch enthaltenen, der freien Marktwirtschaft feindlichen Ideen haben sich nach 1945 noch nicht repräsentativ ausgedrückt; sie finden sich bisher vor allem in den zitierten Sammelwerken und Zeitschriften der „Jungen Rechten“.

Der gaullistische Ansatz

Der Versuch, den „Gaullismus“ – d.h. eine bestimmte Sicht der Außenpolitik und einen bestimmten politischen Stil – in den deutschen Konservatismus einzubringen und diesen damit aus seiner einseitigen Fixierung auf die USA (und die angelsächsische Welt) zu lösen, war nicht besonders erfolgreich. Das Programmbuch: Armin Mohler, Was die Deutschen fürchten. Angst vor der Politik – Angst vor der Geschichte – Angst vor der Macht (1965/SEE/249; 1966 erw./ULL-T 581/188); dazu ders., Die Fünfte Republik. Was steht hinter de Gaulle? (1963/PIP/331). Eine Anwendung auf die Wehrpolitik: Johannes Lorando (eig. Elimar Frhr. v. Fürstenberg), Escalation – oder eigene atomare Verfügung. Existenzfrage Europas (1965/HEN/40). Den Kampf der „gaullistischen“ Fraktion in Politik und Diplomatie der Bundesrepublik zeichnet nach: Hans Graf Huyn, Die Sackgasse. Deutschlands Weg in die Isolierung (1966/SEE/503). Zu der jedem „Gaullismus“ innewohnenden Vorstellung einer „Politik an sich“ sei angemerkt, daß es in Deutschland zwar viele Staatslehren und politische Morallehren, aber kaum Einführungen in diese „Politik an sich“ gibt. Im Umkreis der Konservativen gibt es neuerdings wenigstens einen systematischen Versuch: Hans Karl Leistritz, Die Kunst der Politik. Analyse der politischen Spielregeln (1968/CAL/292).

„Lebensqualität“

Wesentlich mehr Erfolg als der gaullistische Ansatz hatte derjenige des sogenannten „technokratischen Konservatismus“. Bevor wir auf ihn eingehen, muß aber betont werden, daß der notwendige Ausgleich zu ihm – man nennt diesen Ausgleich heute „Lebensqualität“ – von der Romantik an im deutschen Konservatismus enthalten war und von diesem in die Diskussion nach 1945 eingeführt worden ist. Die erste Auseinandersetzung um die „Lebensqualität“ nach dem Zweiten Weltkrieg wurde durch ein konservatives Buch entfacht, das 1939 geschrieben worden war, 1944 in einer ersten Auflage fast völlig verbrannte und dann 1946 in einer regulären 1. Auflage auf den Markt kam: Friedrich Georg Jünger, Die Perfektion der Technik (1946-1/KLO/157; 1949-2. erw./KLO/232). Vgl. Bibliographie der Diskussion um dieses Buch in: Benno v. Wiese u. Armin Mohler, Friedrich Georg Jünger zum 60. Geburtstag (1958/KLO/38). In der heftigen Auseinandersetzung um die „Perfektion der Technik“ fiel die Linke damals geschlossen (und Arm in Arm mit den Vertretern der Wachstumstheorien) über Friedrich Georg Jünger her. Ebenso vergessen ist, daß am Anfang der heutigen Kampagne für lebenswerte Städte das Buch eines Konservativen stand – nämlich die geschickte Mischung von Bildband und Kommentar in: Wolf Jobst Siedler, Elisabeth Niggemeyer, Gina Angress, Die gemordete Stadt. Abgesang auf Platz und Straße, Platz und Baum (1964/HIG/192). Auch die durch dieses Buch ausgeloste Diskussion ist heute, aus Abstand, mit Nutzen nachzulesen.

„Technokratischer Konservatismus“

Die Bezeichnung „technokratischer Konservatismus“ ist ein Name, der einer Gruppe von Autoren durch außenstehende Politologen aufgepappt wurde. Greiffenhagen (Dilemma, S. 352) rechnet Gehlen, Schelsky, Forsthoff, Altmann, Mohler dazu und definiert die Gruppe als „einig in der Erkenntnis, daß Konservatismus nicht mehr in der Bewahrung oder Restaurierung vergangener gesellschaftlicher Zustände bestehen kann, sondern daß allein ein positives Verhältnis zu Wissenschaft und Technik die Fortsetzung konservativer Politik erlaubt“. Da diese „technokratischen Konservativen“ sich aber keineswegs bedingungslos den „Sachzwängen“ der Technik ausliefern, sondern sich vielmehr alle um den Ausgleich zwischen dem Zeitlichen und dem Zeitlosen mühen, gehört bereits Gehlens Lehrer Hans Freyer (1887–1969) dazu – einer der wenigen Überlebenden der „Konservativen Revolution“ der zwanziger Jahre, der in der veränderten Situation nach 1945 noch etwas zu sagen hatte. Vgl. Dietrich Willers, Verzeichnis der Schriften von Hans Freyer (1966/WBG/11). Von ihm kommen die späten, mit der technischen Welt sich befassenden Bücher in Betracht: Hans Freyer, Theorie des gegenwärtigen Zeitalters (1955/DVA/259); ders., Schwelle der Zeiten. Beiträge zur Soziologie der Kultur (1965/DVA/332); ders., Gedanken zur Industriegesellschaft (hrsg. von A. Gehlen; 1970/HAS/216).

Eine Bibliographie des umfangreichen Werkes von Gehlen und der Diskussion um ihn findet sich S. 413-425 in: Ernst Forsthoff u. Reinhard Hörstel (Hrsg.), Standorte im Zeitstrom. Festschrift für Arnold Gehlen zum 70. Geburtstag am 29. Januar 1974 (1974/ATH/428); die gescheiteste Einführung ist immer noch Friedrich Jonas, Die Institutionslehre Arnold Gehlens (1966/MSI/105). Zum Thema vor allem Arnold Gehlen, Die Seele im technischen Zeitalter. Sozialpsychologische Probleme in der industriellen Gesellschaft (1957/ROW-D 53/131); ders., Studien zur Anthropologie und Soziologie (1963/LUC/355) mit dem Aufsatz Industrielle Gesellschaft und Staat (S. 247-262); ders., Der Mensch im Betrieb – aus der Sicht der Sozialpsychologie (Sonderdruck aus dem Sammelwerk Der Mensch im Betrieb; 1962/RAX-V 2); aber auch von Gehlens beiden Hauptwerken das nach 1945 erschienene Arnold Gehlen, Urmensch und Spätkultur. Philosophische Ergebnisse und Aussagen (1956/ATH/300). Unmittelbar politisch ist: Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral. Eine pluralistische Ethik (1969/ATH/193).

Der dritte in diesem Zusammenhang erwähnte Soziologe, Schelsky, hat die Einstufung als „konservativ“ entschieden abgelehnt. Für den „technokratischen Konservatismus“ wird von ihm meist zitiert: Helmut Schelsky, Auf der Suche nach Wirklichkeit. Gesammelte Aufsätze (1965/DIE/488). Seine unmittelbar politische Schrift ist Helmut Schelsky, Systemüberwindung, Demokratisierung und Gewaltenteilung. Grundsatzkonflikte der Bundesrepublik (1973/BEC-R 105/130). – Über den Staatsrechtler Forsthoff gibt es nur Fachbibliographien, jedoch keine, die auch sein politisches Opus einschlösse. Eine Zusammenfassung seiner politischen Thesen ist Ernst Forsthoff, Der Staat der Industriegesellschaft, dargestellt am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland (1971/BEC-R 77/169).

Zu den genannten Autoren aus dem politischen Bereich: Rüdiger Altmann, Späte Nachricht vom Staat. Politische Essays (1968/SEE/78) enthaltend: Der Kompromiß / Die formierte Gesellschaft / Späte Nachricht vom Staat / Der Feind und der Friede; ders., Kokelores (1969/SEE/13); ders.; Abschied von den Kirchen (1970/SEE/22); Armin Mohler, Konservativ 1969, S. 91-118 in: Hans-Joachim Schoeps u. Chr. Dannenmann (Hrsg.), Formeln deutscher Politik (1969/BET) und von demselben die historische Korrektur an der Technokratie-Diskussion: Howard Scott und die „Technocracy“. Zur Geschichte der technokratischen Bewegung, S. 249-297 in der genannten Gehlen-Festschrift. Die Ideen des „technokratischen Konservatismus“ wurden eigenwillig abgewandelt von Jüngeren, so in den erwähnten drei Sammelwerken der Jungen Kritik oder, nicht unmittelbar politikbezogen, in: Henning Eichberg, Der Weg des Sports in die industrielle Zivilisation.

Autor: Armin Mohler
 Titel: Deutscher Konservatismus seit 1945
 Untertitel: Dokumentation von 1974
 Erstveröffentlichung in: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.):
 Die Herausforderung der Konservativen (Herderbücherei INITIATIVE, Bd 3),
 Freiburg 1974
 „Scholien aus San Casciano“ – ISSN 2199-3548 – ID 2016085
 URL: https://scholien.wordpress.com/2016085-2/
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