Digitales Profiling determiniert die totale Manipulation

Die Widerstände gegen das digitale Profiling durch komplexe Datenanreicherung und profilierte Auswertung durch soziale Netzwerke und Wirtschaftsunternehmen im Internet sind von Beginn an überschaubar geblieben, vermeint der wissensentlich oder unwissentlich betroffene Nutzer doch persönliche Vorteile darin zu sehen, mit neigungsbedingt individualiserter Werbepropaganda auf seinen digitalen Endgeräten beliefert zu werden – bis hin zu der Bereitschaft, nach dem Beispiel John Andertons aus der Abteilung Precrime im Film Minority Report (basierend auf der Dystopie von Philip K. Dick aus dem Jahr 1956!) aufgrund einer Offline-Identifikation zur rechten Zeit individuell durch Werbung für die Lieblingsbiermarke zu deren Konsum animiert zu werden.

Was aber im Bereich der Werbung aufgrund der maßgeschneiderten Reizauslösung aufgrund individueller Metadaten schon einen manipulativen Gipfel ermöglicht, wird im Bereich der sozialen und politischen Steuerung von Menschen zwangsläufig eine „totale“ Manipulation (im Sinne des Wortgebrauches beim »la guerre totale« determinieren: Sobald nämlich die Informationen, die der Rezipent als Quellen für seine eigenen Interpretationen und Verarbeitung zwecks Meinungsbildung und Verhaltensanpassung nicht mehr allgemein abstrakt (und damit zumindest von verschiedenen Rezipenten unterschiedlich interpretierbar und zwischen ihnen diskutierbar) geliefert werden.

Wir kennen das Muster aus dem Bereich der Beeinflussung von geschlossenen Gruppen bis hin zur propagandistischen Manipulation ganzer Völker zwecks Herbeiführung von Herrschaftsloyalitäten, von Staatsräson oder gar der Zustimmung zu Kriegen zu Genüge – doch scheinen dem aufgrund der heute allgemein zugänglichen internationalen digitalen Medien zumindest vordergründig Grenzen gesetzt. Das „Abhören“ von „Feindsendern“ unterläuft die Manipulation durch mediale Gleichschaltung. Und genau darin dürfte der Grund zu suchen sein, daß heute allenthalben in allen „freien“ wie „unfreien“ Welten über entsprechende Filter (bis hin zu gefakten Webseiten durch die NSA) massive Anstrengungen unternommen werden, eben diesen digital transportierten Meinungspluralismus zu kontrollieren und gegebenenfalls zu unterbinden – was aufgrund der Dynamik der technischen Peer-to-peer-Entwicklungen jedoch zu einem toten Wettrennen zu werden verspricht.

Werden Informationen aufgrund vorhergehenden digitalen Profilings jedoch für den einzelnen Rezipenten „individualisiert“, sowohl hinsichtlich des faktischen Inhalts wie hinsichtlich der unterliegenden meinungsbildenden Stimulanz, ganz nach dem Muster der personalisierten Werbung abgestimmt auf die jeweiligen meinungsbildenden Rezeptoren des Rezipenten (die sich unschwer aus den verschiedensten Meinungsäußerungen desselben in den zahllosen digitalen Medien über ihre Schnittmengen extrahieren lassen), dann sind der Totalität der Steuerung und Kontrolle des Einzelnen keine Grenzen mehr gesetzt. Verborgen bleibt diese Manaipulation ohnehin, sind die abgerufenen Informationen doch mitnichten blockiert, sondern „lediglich“ „individualisiert“! Sobald aber diese Informationen es schaffen, beim Rezipent A die gleichen Meinungsreaktionen bzw. gleichgerichtetes Verhalten auszulösen wie bei dem hinsichtlich seiner politischen Grundüberzeugungen diametral entgegengesetzt denkenden Rezipent B, dann darf man getrost die Kennzeichen des »la guerre totale« herrschaftspolitisch als erfüllt ansehen: totale Mobilisierbarkeit, totale Kontrolle, totale Methoden, totale Kriegsziele!

„Scholien aus San Casciano“ – ISSN 2199-3548 – ID 2014002
https://scholien.wordpress.com/2014/05/11/2014002
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